Arbeit, Geld und Wohlstand

A:
„Würdest du auch nur eine Minute deutlich unter dem Mindestlohn Zeitungen austragen, um dabei mit einem SUV von Briefkasten zu Briefkasten fahren zu können?“

B:
Ein großes Werkzeug auf dem Müllauto drückt auf die Waschmaschine. Weniger als eine halbe Minute dauert es, die Waschmaschine zu zerdrücken und die Trümmer ins Innere des Behälters zu kippen.

C:
Ich habe es nicht geschafft, rechtzeitig den Sauerteig für unser nächstes Brot anzusetzen. Wir kaufen eines. Das gekaufte Brot verträgt das momentane feucht-warme Sommerwetter nicht und weist im gewohnten, belüfteten Brotgefäß am dritten Tag an allen Seiten Schimmelbefall auf.

Drei Schlaglichter aus dem Alltag einer Woche im Jahre 2021. Wahrscheinlich halten Sie, lieber Leser, die 3 Beobachtungen für unterschiedliche Begebenheiten, die keine Aufmerksamkeit Wert sind. . Für mich sind alle drei berichteten Beispiele Bestandteile gegenwärtigen Wirtschaftens: Produkte herstellen, die binnen kürzester Zeit den Weg auf den Müll finden. Das soll uns veranlassen weiterzuarbeiten um uns Neues kaufen zu können. Meine ketzerische Frage dazu lautet: Was habe ICH davon, so zu verfahren? In wessen Interesse handeln gegenwärtige Regierende in ihrer Mehrheit, wenn sie die täglich auf Papier gedruckten, steigenden Zahlen der Geldmengen auf dem Drucker der Banken als `Wertschöpfung´ bezeichnen und steigenden Wohlstand?
Ich kann es nicht als Errungenschaft ansehen, die in Deutschland vor Jahrzehnten erkämpfte Regelgröße `8-Stunden-Arbeitstag´ bis zum Sankt-Nimmerleinstag als Grundgröße eines angeblich unveränderbaren, systemnotwendigen Gleichgewichts zwischen Kapital und Arbeit zu betrachten.
Mit dem artgemäßen Sinn menschlicher Tätigkeit, dem Interesse zu leben, hat dies nicht viel zu tun. Eine andere Sinngebung liegt auch dann nicht vor, wenn man die Überflüssigen von der Arbeit freistellt und alimentiert (bedingungsloses Grundeinkommen) und die anderen weiterhin 40 Stunden malochen lässt. Den wirtschaftlichen Sinn dieses Tuns beschreibt Karl Marx im Kapitel über den Mehrwert im ersten Band des `Kapital´. Leichter verständlich ist die Schrift „Lohn, Preis und Profit“. Bitte nachlesen.

Für Internationalisten müssen deshalb die zu beantwortenden Fragen so lauten:

  • Was braucht der Mensch zum Leben?
  • Welchen Teil seiner Lebenszeit muss er notwendigerweise dafür aufgrund gesellschaftlicher Entscheidungen (Politik) aufwenden?
  • Was bedeutet in diesem Zusammenhang heute in Deutschland das Wort Wohlstand?
Wenig zu brauchen macht frei vs. Arbeit macht frei.

`Arbeit macht frei´ entstammt nicht, wie manche meinen, faschistischer Ideologie. Der Spruch ist feudalen Zeiten geschuldet, in denen die Grundherrschaft sich Teile des bäuerlichen Arbeitsergebnisses aneignete ohne dabei zu berücksichtigen, dass in manchen Jahren der für die eigene Ernährung übrige Rest wegen Regen oder Dürre, Schädlingsfraß o. ä. nicht ausreichte, die von der Landwirtschaft lebenden bäuerlichen Familien zu ernähren. `Frei´ machte deshalb die handwerkliche Arbeit in den zentralen Orten, den kleinen Landstädtchen, in denen es Schmiede gab, Weberinnen, Bäcker und Böttcherinnen, Töpferinnen und Färber, allerlei Zünfte. Weitergegeben wurde diese Erfahrung in Deutschland mit der Wendung „Stadtluft macht frei.“ Damit war nicht allein die Freiheit vom Grundherren gemeint, sondern auch die mancherorts entwickelte Selbstorganisation, Selbstbestimmung der Bürger und Kaufleute, die Verfasstheit der Freien Reichsstädte oder städtischer Republiken, der durch die Zünfte gesicherte Rechtsrahmen für die materielle Produktion. Die Einbindung in städtische Arbeitsprozesse war vor der Industriellen Revolution nicht nur verbunden mit größerer materieller Sicherheit, sondern auch mit einer Zunahme an gesellschaftlichen Mitbestimmungs- oder Mitgestaltungsmöglichkeiten.
`Wenig zu brauchen macht frei´ kann nicht bloß als propagandistische moralische Sentenz gelesen werden, die armen Leuten ihr Leben erträglicher machen soll. Wer seinen Ausgaben Grenzen setzte, sparsam wirtschaftete, konnte sich Handlungsspielräume verschaffen. Z. B. mit zurückgelegten Pfennigen eine Reise machen. Auch endlich heiraten. Sich von der Turmuhr unabhängig machen durch den Kauf einer eigenen Uhr, die auch Sohn und Enkelin noch benutzten. Hie und da einem nahestehenden Menschen ein Geschenk machen.
Familien und/oder Clans sind per se keine kriminellen Strukturen. Sie schaffen auf Gegenseitigkeit materielle Sicherheit, vor allem natürlich für die Zukunft der eigenen Kinder. Noch heute muss Mensch kein Krösus sein, um z. B. einem Geschwisterkind einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, wärend des Studiums ein Zimmer zu überlassen oder vergleichbare Unterstützung zukommen zu lassen. Wenn arme ältere Menschen in Deutschland dazu befragt werden, bezeichnen sie es als das traurigste Merkmal ihrer auf das materielle Mindestmaß begrenzten Existenz, dass sie ihren Kindern und Kindeskindern keine materielle Unterstützung zukommen lassen können, dass ihr Geld nicht einmal reiche für ein kleines Geschenk, meistens Süßigkeiten, nicht einmal ab und zu. Ein kleines bisschen weniger wichtig ist es, Freunden etwas schenken zu können. Freude machen ist ein menschliches Bedürfnis. Das zeigt das Tauschen von Spielzeug unter Kindern. Das Hergeben und Entgegennehmen wird nicht Handel genannt, denn der Wert der Gegenstände ist dabei nicht wichtig. Es ist ein soziales Handeln, kein wirtschaftliches.
Das gegenwärtige Wirtschaften schafft Unfreiheit indem es der großen Mehrheit der Menschen einredet, das wiederholte Anschaffen von Gegenständen, die man eigentlich schon hat und nutzt sei ein Wohlstandsgewinn. Wäre es nicht eher ein Wohlstandsgewinn, den Zeitraum zu verkürzen, in dem man sich von anderen schurigeln und hetzen lassen muss?

Geld sparen oder Arbeit?

Mehr und mehr berichten Menschen öffentlich, wie sie ihren persönlichen Weg aus Tretmühle oder Hamsterrad in eine von Zufriedenheit geprägte Lebensführung bewältigten. Oft sind es Menschen aus dem mittleren Management von Industrie und Finanzwesen, die das von ihnen angesammelte Geld dazu verwendet haben, sich Arbeit zu kaufen, indem sie sich auf kleinen bäuerlichen Anwesen selbst versorgen, in einer kleinen Werkstatt etwas herstellen, was ihnen selbst gefällt, ihrem eigenen Qualitätsanspruch entspricht oder ihr Können herausfordert. Sie wirtschaften auf eine Art, die für viele kleinstädtische Handwerker zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch nach dem 2. Weltkrieg in ganz Europa noch weithin üblich war. Nahrungsmittel bezog man vom eigenen Land und eigenem Vieh, das Handwerk brachte so viel Einkommen, dass man sich dazu Dinge verschaffen konnte, die andere herstellten. In Abständen neue, qualitativ hochwertige Kleidung kaufen, eine illustrierte Zeitung, ein Jahrbuch, gelegentlich ein Glas Wein oder Bier trinken oder einen Ausflug machen. Die jährlichen Gesamtarbeitszeiten waren nicht höher, nur schwankend. Schwankend durch jahreszeitliche Nachfrage, witterungsbedingt und manchmal religiös/kulturell bedingt.
Warum sich heute viele Menschen nicht allein arm fühlen und zutiefst unglücklich sind, sogar in Depression verfallen, weil sie sich nicht zu jeder Jahreszeit komplett modisch neu einkleiden können und alle 10 Jahre die Wohnung neu möblieren, begreife ich nicht. Obwohl ich das Gefühl durchaus kenne, sich an einem Gegensatnd satt gesehen zu haben. Trotzdem sehe ich – völlig unabhängig vom Preis – sehr selten etwas, was an Schönheit, materieller Beständigkeit und Funktionalität das überträfe, was ich schon habe. Z. B. das Wohnzimmerbuffet, das sich meine Eltern Anfang/Mitte der Fünfziger Jahre vom Schreiner machen ließen, als sie das dazu nötige Geld zusammengebracht hatten. Es ist 60 cm tief, hat drei Türen, hinter einer davon 2 große Schubladen für Besteck und eine Platte zum Ausziehen um Teile abzustellen, bevor man sie der Reihe nach zum Esstisch trägt. In modernes Esszimmermobiliar passen keine Platten und Schüsseln für ein Essen mit Freunden. Bestenfalls hinter jede Tür oder Klappe eine. Die billigen Stühle sind meist deutlich schmäler als die meisten Menschen.
Natürlich ist niemand, auch ich nicht, absolut gefeit gegen unsinnige Spontankäufe. Wahrscheinlich nicht einmal die Menschen, die nach der soziologischen Definition arm sind. Sie müssen es später deutlich spürbar büßen. Gründliches Überlegen von Ausgaben ist für niemanden von Nachteil.
Ich selbst kann relativ gut mit Nahrungsmitteln umgehen, habe aber wenig Erfahrung im Anbau von Nahrungsmitteln. Meine sonstigen handwerklichen Fähigkeiten haben stark nachgelassen. Seit mehr als 20 Jahren musste ich nicht mehr tapezieren oder streichen, nur weil ich die Wohnung wechsle und auch nicht mehr bohren, um Regale zu befestigen. Wer nicht raucht, kann sich sogar einen Teil der üblichen Renovierungen sparen. Dadurch spart man Geld und Arbeit.
In dem gerne als Kinderbuch bezeichneten Roman „Momo“ von Michael Ende wird sehr anschaulich und gefühlvoll geschildert, was man alles machen kann, wenn es einem gelingt, den Zeitdieben ins Handwerk zu pfuschen. Ich kann einfach keinen vernünftigen Grund dafür finden, dass Menschen freiwillig mehr Lohnarbeit verrichten, als sie zur Aufrechterhaltung ihres Lebens brauchen. Sicher braucht jemand, der gerne seine Freunde um sich schart, mehr Stühle als nur einen. Aber niemand hindert einen daran, sie in eine neue Wohnung mitzunehmen oder zu reparieren, wenn ein unerzogener und gewichtiger Mitmensch zu lange auf den hinteren Stuhlbeinen gewippt hat.

B und C sind Norm

In der gegenwärtigen Welt wird über die beabsichtigte Vernichtung und den ebenso beabsichtigten vorzeitigen Verschleiß meine persönliche, meine selbst bestimmte Zeit gestohlen. Kein elektrotechnisch versierter Mensch bekommt gegenwärtig noch eine Chance, meine Waschmaschine vom Straßenrand zu holen, die zwar ich nicht reparieren kann, ein anderer aber schon. Mittlerweile sind sogar Geräte üblich geworden, bei denen nicht einmal jemand mit den notwendigen Kenntnissen und den speziellen Werkzeugen der Service-Dienste etwas reparieren könnte: Gehäuse werden verklebt, statt verschraubt. Schon seit langem werden Ersatzteile so teuer verkauft, dass sich das Reparieren geldmäßig nicht lohnt, sobald man die damit verbundene Arbeit bezahlen muss. Das muss jeder irgendwann, denn niemand kann alles. Mancherorts gibt es Vereine oder lockere Gruppen, die ehrenamtlich Gegenstände reparieren für Menschen, denen die Werterhaltung wichtig ist, die sie aber selbst entweder nicht leisten können oder nicht bezahlen.
Es wird absichtlich, dafür braucht man die Berechnungen der Controller, so billiges Material verwendet, dass die Gerätschaften oder Kleidungsstücke schneller kaputt gehen, als man sich vorstellen kann. Die Qualität von Nahrungsmitteln leidet durch lange Transportwege, Ernte vor der eigentlichen Reife oder unnötige Zusätze. Zur Verdeutlichung zwei Bilder zu der Situation, die mich dazu brachte, endlich mal etwas Persönliches zu diesem Thema zu schreiben.

Alle Leser können auch ohne wortreichen Bericht erkennen, von welcher Sorte meiner Sammlung an Wäscheklammern jedes Mal mindestens eine beim Wäscheaufhängen kaputt geht. Bald sind sie alle. Dann muss ich mich nicht mehr ärgern. Welche Sorte ist von einer in hohem Alter verstorbenen Verwandten vor 20 Jahren in meinen Bestand gekommen?
Lautet Ihre Anschlussfrage: „Wer hängt denn heute noch Wäsche auf?“
Schätzungsweise muss ein Mindestlöhner für eines der billigsten und am wenigsten haltbaren Hausgeräte ca. 28 Stunden, also mehr als eine halbe Woche arbeiten, um das dazu notwendige Geld zu verdienen, vom Strom gar nicht zu reden. Eine evt. vereinbarte Ratenzahlung ändert an dieser Schätzung nichts. Viele Menschen verdienen weniger, d.h. sie müssen für das gleiche, billige, schlechte Gerät noch länger arbeiten. Auch das hilft sie arm und abhängig zu halten. Die Sozialämter rechnen damit, dass man in dieser Qualitätsstufe alle 3-5 Jahre einen neuen Trockner, eine neue Waschmaschine, einen neuen Kühlschrank, eine neue Spülmaschine braucht, jedes Jahr also etwa eine halbe Woche für ein elektrisches Küchengerät arbeitet, ca. 3 + x Promille der jährlichen Lebenszeit.

Lösung: v.l.n.r.: Holz, Erbstück, ca 80 Jahre alt; Kunststoff, ca. 30 Jahre alt, seinerzeit nicht billig; Holz, irgendwann selbst beschafft (Haustürkauf von der örtlichen Blindenwerkstatt?) ca. 40 Jahre alt; Kunststoff, extrem billig, gekauft ca. 2005; Holz, Souvenir von einem Markt in England, etwa 1985.

Geschlechterrollen

Hinreichend erklärt dürfte jetzt auch sein, warum vor allem Frauen mit Arbeit im Niedriglohnsektor von Emanzipation durch Beteiligung am Erwerbsleben statt Hausarbeit eher wenig halten. Wer für die Lebensführung seiner Familie arbeitet – Fachleute nennen das Reproduktionsarbeit im Unterschied zur Arbeit in der Produktion oder im Dienstleistungssektor – muss sich von anderen nicht sagen lassen, wann die Wäsche zu machen ist. Kein anderer entscheidet im Haushalt, ob 10 Falten im Hemd noch hingenommen werden können als die Hausfrau genannte Reproduktionsarbeiterin. Wer meint diese Reproduktionsarbeit werde nicht mehr gebraucht, der irrt.
Niemand würde für Dienste bezahlen, die nicht nötig sind. Aber den Preis dieser Dienste wollen alle drücken. Auch die emanzipierte Nicht-Köchin im Home-Office, die es beim besten Willen nicht auch noch schafft Nudeln ins kochende Wasser zu werfen. Ob Imbissbuden besser bezahlen, die neuerdings mit Bio- oder veganer Küche Kunden suchen und beliefern für ihre Produkte zum Mitnehmen im oberen Preissegment, weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Die Kundschaft zahlt ja nicht mehr, damit die Beschäftigten ordentlich verdienen, sondern weil ein gesellschaftlich aufwertendes Label einen gehörigen Preisaufschlag erlaubt. Dass Ausbeutung innerhalb eines Staates genauso verwerflich sein könnte wie global, hat sich noch nicht herumgesprochen.

Arbeit sparen?

Arbeit wird in den gegenwärtig als fortschrittlich gepriesenen Veränderungen der Produkte, deren Herstellung und Verteilung nicht gespart. Nicht die Arbeit wird eingespart, sondern der Lohn, die Kosten der Arbeitskraft. Vor allem bei Herstellung und Verteilung von im Vergleich extrem niedrigpreisigen Artikeln wird nicht Arbeit gespart, sondern es werden ganz extrem Lohnkosten gedrückt. In jedem Land. Aus guten Gründen sind Statistiken schwer zu finden, die belegen, dass nicht die Arbeit wegfällt, sondern die Kosten für die Arbeit verringert werden
Wer sich bei einem Lieferdienst ein Gericht bestellt, muss zwar nicht selbst kochen – aber irgendwo wird gekocht. In aller Regel täglich millionenfach ein Fraß, der z. B. an große Altersheime geliefert wird, Krankenhäuser, Betriebskantinen … . Deshalb sind immer mehr Menschen fehl- oder mangelernährt, haben Krankheiten, die man mit überlegter Ernährung in den Griff bekommen könnte und schlucken statt dessen Tabletten, deren Nebenwirkungen sich summieren. Wenn dann auch noch eine Grippe dazukommt… .
Für das Smartphone werden irgendwo weiterhin Platinen hergestellt, Tastaturknöpfchen, Gehäuse. Nur reparieren kann man es nicht mehr. Die bei der Herstellung des Geräts aufgewendete Arbeit ist kalkulatorisch sehr niedrig anzusetzen. Zum Herausziehen der enthaltenen Wertstoffe, zum Trennen, schickt man den Müll dann wieder woanders hin. Die Kinder fremder Erdteile dürfen sich bei dieser Arbeit ruhig vergiften. Das ist „Entwicklung“ sagen manche und weisen den Vorwurf empört zurück, sie seien Zyniker.
Trotzdem wird weiterhin mit dem Ziel produziert, das Produkt möglichst schnell veralten zu lassen, damit der umworbene Kunde ein neues, weitgehend gleiches kauft und sich so selbst motiviert, im Hamsterrad zu verbleiben. Werbeprospekte vermitteln mir den Eindruck, dass ein Smartphone eigentlich gar kein werthaltiges Produkt mehr ist, sondern eine fast kostenlose Zugabe zum Tele-Kommunikations-Vertrag. Trickreich wird auf irgendeine Weise jeder „überzeugt“ die Hamsterrad-Existenz aufrecht zu erhalten, obwohl das, was die Menschheit produzieren kann, schon seit längerem dazu ausreicht, keinen einzigen Menschen verderben zu lassen, ihn an Hunger, Krankheit, Unwissenheit sterben zu lassen. Auch nicht die Hunderttausende, die gegenwärtig auf Madagaskar wegen einer Dürre hungern. Dabei ist die sinnfrei Arbeitskraft und Rohstoffe verschlingende Produktion von Rüstungsgütern und Kriegen gar nicht berücksichtigt.
Ist es sinnvoll Nahrungsmittel zu vernichten, um Preise zu halten, damit Landwirte mehr Maschinen kaufen, die es ihnen ermöglichen, noch mehr Nahrungsmittel zum Wegwerfen zu erzeugen? Die Antwort ist einfach: Es ist nicht sinnvoll, sondern einfach irre; eine Art partiellen Irreseins der Einzelnen und der Gesellschaften in denen sie leben. Sinn hätte es, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Sinnvoller wäre es, den eigenen Zeitaufwand für abhängige und fremdbestimmte Arbeit möglichst gering zu halten. Das ist keine Frage der moralischen Haltung, sondern der Löhne. Wer mit abhängiger Arbeit genug verdient, hat mehr Zeit, die er für sich selbst, die eigenen Interessen und Bedürfnissen verwenden kann.
Global gemeinsam die Kosten der Arbeit in die Höhe treiben und so die Profite senken. Das ist die Aufgabe.

Weiteres zum Thema:

Frigga Haug, Die Vier-in-einem-Perspektive als Leitfaden für Politik

Jens Berger; Quick Commerce – die Rückkehr der Dienstbotengesellschaft; Nachdenkseiten

Christoph Bartmann; Die Rückkehr der Diener – Das neue Bürgertum und sein Personal, Hanser-Verlag, München 2016



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