Klarstellung

Seit etwas mehr als 50 Jahren weiß ich, dass es schier endlos Viren mit oder ohne Hülle gibt, die Menschen, Tiere oder Pflanzen befallen und schädigen können. Dass diese Ballungen von Molekülen evolutionsbezogen an der Schwelle zum Lebendigen stehen und sich anders als Bakterien ohne lebende Wirte nicht vermehren können, weiß ich aus dem Biologieunterrricht, der mir in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zuteil wurde.
Ich weiß, dass die meisten alten und immungeschwächten Menschen mit Vorerkrankungen letztendlich an Lungenentzündungen sterben, die von Viren oder Bakterien ausgelöst werden können und nicht mehr beherrschbar sind.
Ich weiß, dass in der Spitze des Grippewinters 2018 in Deutschland in einer Woche 1959 mehr Menschen starben als in der zurückliegenden Spitze der Sars-CoV-2 und seinen Varianten zugeschriebenen Sterbefälle.
Deshalb halte ich die Pandemie-Maßnahmen der Bundesregierung für vorrangig gegen die armen Menschen in Deutschland gerichtet, nicht verhältnismäßig und demokratiefeindlich. Ich halte sie auch für friedensgefährdend, weil die von einer nichtwissenschaftlichen Organisation, der WHO, erklärte Pandemie dazu benutzt wird, das Menschheitsproblem der alltäglichen Toten durch unzureichende Wasserversorgung, Hunger und Krieg in den Hintergrund zu drängen.
Diese Abwägung ist eine politisch-gesellschaftliche und nicht wie manche glauben behaupten zu können, eine der regierungsamtlich berufenen Experten, die vorgeben im Besitz wissenschaftlicher Wahrheiten zu sein.
Es gibt nicht den geringsten vernünftigen Grund, diese politische Abwägung mit einer Unterscheidung zwischen guten und bösen oder zwischen dummen und schlauen Menschen zu verknüpfen.

Das Fehlende

Bild: Screenshot, Website des Riva-Verlags

Amerkungen zu „Der betrogene Patient“ von Gerd Reuther, erschienen im Riva-Verlag unter ISBN 978-3-7423-1034-7

So gut begründet, in weiten Teilen treffend und sinnvoll die Bestandsaufnahme von Gerd Reuther ist, so unzulänglich sind die von ihm skizzierten Auswege. Wer nach Lösungen und Antworten sucht, stößt leider nur auf die Ideen der Bertelsmann-Stiftung: weniger Betten, zentrale Kliniken mit hochspezialisierten Ärzteteams und der dazu gehörigen technischen Ausstattung.
Die meisten Menschen brauchen das alles nicht, wenn sie sich krank fühlen. Nur ein paar Tage Selbstheilungsmaßnahmen mit Wärme oder Kälte, Heißgetränk und Hühnerbrühe, Entspannung an frischer Luft, genau das, was an einer einzigen Stelle des Buchs angesprochen wird: Sanatoriumsatmosphäre.
Der Autor blendet den Blick auf die reale gesellschaftliche Lage derer völlig aus, die sehr gerne auf ihre Selbstheilungskräfte setzen würden, gelegentlich auf einen vertrauenswürdigen Allgemeinarzt für unkomplizierte Unfallfolgen und eine Hebamme, die eine ganz normale Geburt bewältigt. Die vom Autor eingeforderte, verantwortliche gesundheitliche Selbstbestimmung ist für die Mehrzahl der Menschen aber nicht vorgesehen. Es steht keinem abhängig Beschäftigten zu, bei heißem Tee und Bettruhe das Abklingen eines Infekts über 10 -14 Tage abzuwarten ohne das Gesundheitssystem zu belasten. Es ist nicht dessen freie Entscheidung, auf den Besuch der Sprechstunde und eines überfüllten Wartezimmers zu verzichten. Abhängig vom Arbeitgeber ist eine Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit zwingend erforderlich, bei manchen Arbeitgebern bereits am ersten Tag.
Zum Arzt gezwungen werden Beschäftigte aufgrund der Unterstellung, dass ohne die Einschätzung eines Arztes ihre allzeitige, grundlegende Arbeitsunlust nicht bekämpft werden könne. Diese bedroht die angestrebten Profite.
Das Gesundheitsregime von Arbeitgebern, egal ob sie Clemens Tönnies heißen, Jeff Bezos oder Dieter Schwarz beruht auf der begründeten und berechtigten Annahme, kein vernünftiger, selbstbestimmter Mensch würde tagtäglich freiwillig in ihren Betrieben sein Leben zu Markte tragen.

Obwohl Gerd Reuther immer wieder auf selbstbestimmten, verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit, dem eigenen Leben Bezug nimmt, hält er offensichtlich die Kritik an den Arbeitgebern, Eigentümern und Betriebsleitungen für überflüssig. „Der betrogene Patient“ ist eines der vielen sprachlichen Produkte, die Politik nicht durch begründete Aussagen und Forderungen an Verantwortliche betreiben, sondern durch gezieltes Weglassen. Ein sehr manipulatives Buch. Sein Geld nicht wert.