Selbsteinschluss – wenn das kein Kampfmittel ist!

Eine Polemik

Eine Polemik

Das Problem
Es spricht vieles dafür, dass der aktuell beobachtete Erreger einer schwerwiegenden Erkrankung der Atemwege mit möglicherweise tödlichem Verlauf, unter den Coronaviren einzureihen ist, die dem allgemeinen Sprachgebrauch nach eine Grippe (Influenza) hervorrufen: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Husten, Katarrh, bis hin zu Entzündungen der unteren Atemwege, die einen Krankenhausaufenhalt erforderlich machen und manchmal, vor allem bei alten und deshalb immunschwachen Menschen, zum Tod führen.
Durch Viren verursachte Epidemien dieser Art suchen die Menschheit in Abständen heim. Zunehmende Mobilität spielt bei der Verbreitung von Viren eine Rolle. Zu Zeiten von Gehern, Rössern und Reitern zogen sich die Wellen länger hin. Aber schon 1918 konnte das planmäßige Verlagern von Militäreinheiten zum zeitnahen Tod von Millionen kriegsgeschwächten Menschen führen. Ob deshalb das gegenwärtig von der Politik veranlasste Lahmlegen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft als Abwehrmaßnahme sinnvoll ist, zielführend oder kontraproduktiv, kann weder allein von Virologen entschieden werden, noch kann es der moralischen Devise `Jeder Tote ist einer zuviel´ unterworfen werden. Es ergeben sich politische Fragen, die konkret beantwortet werden müssen: Wann und warum sind welche Toten zuviel oder nicht zuviel? Der Aufruf #zero covid beantwortet diese Fragen nicht, scheint sie nicht einmal als politische zur Kenntnis zu nehmen.
Mehr als 3.200 Bundeswehrangehörige kamen seit deren Gründung in Ausübung ihres Dienstes ums Leben. Sind Tote in militärischen Zusammenhängen tragbar, weil uns das die Verteidigung der Freiheit wert sein muss? 70 tödliche Arbeitsunfälle gab es im Jahr 2018 auf Baustellen. Warum werden neue Vorschriften zur Arbeitssicherheit durch die Berufsgenossenschaften erst dann erlassen, wenn genügend Tote angefallen sind? Es gibt nach wie vor tödliche Berufskrankheiten mit oft langwierigen, beschwerlichen, schmerzhaften Verläufen, die in eine Frühverrentung und zum Tod führen. Berufskrankheiten werden nicht einmal kontinuierlich gezählt. Es dauert oft Jahrzehnte bis zum Verbot von Werk- und Arbeitsstoffen, die Krankheiten verursachen.
Welcher Gruppe wollen wir diejenigen zuordnen, die im lockdown beim Aufhängen der gewaschenen Vorhänge während des homeoffice von der Leiter fallen und sich den Hals brechen? Covid? Berufsunfall oder todbringende Hausarbeit? Für den Arbeitsschutz und die dazu gehörigen Daten sind die Berufsgenossenschaften zuständig, die allein von den Arbeitgebern finanziert werden. Eine Anerkennung als Arbeitsunfall dürfte der Vorfall also nicht zur Folge haben.
`Jeder Tote ist einer zuviel´ ist nicht der Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Übereinkunft über den Wert des Lebens, die unabhängig von Interessen, Privilegien, Herkunft, Geschlecht und Hautfarbe für alle gleich gilt. Warum also ein inhaltsleerer Aufruf und ein Nahziel wie es realitätsferner nicht sein könnte?
Was kann man tun, um die Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen zu verbessern und ihre Gesundheit zu fördern? Ich halte es für ausgeschlossen, dass man diese Fragen mit einer gewissen politischen Berechtigung und Richtigkeit beantworten kann, wenn man sich gleichzeitig umfassend dem unterwirft, was die Herrschenden als Wissenschaft ausgeben. Deren Antworten sind nämlich nicht interessefrei.

Warum sollte ein vor Grippe gerettetes Leben wichtiger, kostbarer sein, als ein vor einem Infarkt gerettetes?
Es kommt nicht von ungefähr, dass in Zusammenhang mit der Pandemie Debatten wieder aus der Versenkung auftauchen, die man für überwunden, abgeschlossen, erledigt hielt. Z. B. die Debatte darüber, ob der Mensch an sich gesund ist und an seinen Krankheiten selbst schuld. Die Debatte darüber, was ein Staat tun kann, darf, soll um die Volksgesundheit zu schützen wird von neuem gestellt. Merkwürdigerweise werden diejenigen auf der rechten Seite einsortiert, die dem Staat ein ausuferndes Schutzrecht nicht zugestehen wollen. Kommt manchen Lesern das Stichwort Volksgesundheit irgendwie bekannt vor? Mit Bezug auf die von den Herrschenden definierte Gesundheit wurden Erbkranke genauso umgebracht wie psychisch beeinträchtigte, sog. Asoziale, Arbeitsscheue, Berufsverbrecher. Gnadenlose Ärzte führten im 19./20. Jahrhundert in Afrika im Interesse der Volksgesundheit der Weißen Versuche an Menschen durch, die man als minderwertig betrachtete. Eine Medizingeschichte, die das alles unter den Tisch fallen lässt und jeden Weißkittel als geistig überlegenen Menschenfreund ansieht, gibt kein vollständiges Bild des Fachs.

Wird Armut beseitigt, wenn an einer bestimmten Krankheit keiner stirbt?
Wer wird warum Opfer einer Krankheit? Wenn einer selbst schuld ist, muss man ihm da helfen? Muss ihm geholfen werden, wenn er sich gar nicht krank fühlt, ob er will oder nicht? Wer entscheidet darüber? Der Mensch selbst, die Regierenden und die staatliche Verwaltung oder die Pillendreher? Ist Krankheit strafwürdig? Man muss Menschen keiner Rasse zuordnen um ihre Vernichtung durch Zwangsarbeit aus Gründen der Hygiene in Betracht zu ziehen. Die Eugenik hat schon eine längere Tradition und die Vorstellung, erbgesunde Menschen züchten zu können, bestimmte schon im 19. Jahrhundert Teile der medizinischen Forschung. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang die Zwangssterilisation von Menschen, die möglicherweise Erbanlagen haben, die ihren Nachkommen das Leben schwer machen können. Das so menschenfreundliche Human Genom Project, vorangetrieben von der Bill & Melinda Gates-Stiftung ist dieser Denktradition verpflichtet. Kranke Menschen soll es aus dieser Sicht nicht mehr geben und zuviele werden sollen es auch nicht. Auch Elon Musk, übrigens ein überzeugter Nicht-Maskenträger, ist ein Vertreter dieser Vorstellung von der Zukunft der Menschen. Da tut man sich schon schwer zu entscheiden, wer ein Guter ist und wer ein Böser.

Viren sind ständige Begleiter aller höher entwickelten Lebensformen.
Es wird Virologen, Impfspezialisten und Pharmazeuten nicht gelingen, die vor allem im Winter durch unterschiedliche Erreger hervorgerufenen Infekte menschlicher Atemwege abzuschaffen. Die Frage welche reale Gestalt die sicher mehrfach mutierten Erreger der weltweit grassierenden Spanischen Grippe genau hatten, ist nicht mehr zu beantworten. Jegliches Virus, das seitdem auftaucht und ähnliche Erkrankungen hervorgerufen hat, wird beschrieben als aktuelle Ausgabe einer Virus-Familie, deren Exemplare sich wie andere Viren laufend verändern, der Viren der Coronafamilie, die – wenn sie Menschen befallen – häufig zu Erkrankungen der unteren Atemwege führen. Manchmal treffen sie die Menschen härter, manchmal weniger hart.
Ist es sinnvoll angesichts dieser Lage eine Politik durchsetzen zu wollen – Politik gemeint als gesellschaftliche Beschlussfassung zu konkreten Fragestellungen – die in großem Umfang Lieferketten unterbricht, Ver- und Entsorgung massiv beeinträchtigt, Bildung erschwert, die Entwicklung von Kindern massiv beeinträchtigt und genau dadurch in Deutschland, Europa und weltweit gerade die Ärmsten der Armen am härtesten trifft? Kann Stillstand in Europa produktiv sein und die Verbesserung der Zustände in der Organisation und Ausstattung der Gesundheitsfürsorge oder in Sachen Pharmaindustrie erzwingen oder gar eine Gesellschaft der Mitmenschlichen und Gleichen herbeiführen – ganz ohne Heugabeln, ohne die Straße, nur mit Smartphone und virtueller Meinungsäußerung? Diese der Kampagne ZeroCovid zugrunde liegende Annahme teile ich nicht.
Wieder einmal wendet sich die Morallinke einem Thema zu, das geeignet ist die Lebensbedingungen der Armen weltweit zu verschlechtern, in einer Größenordnung, die noch nicht absehbar ist. Hurra! Wir schmieden ein Bündnis! Keines der Klasse, keines der Armen gegen die Reichen, sondern eines der Wohlmeinenden! Weil wir uns ängstigen. Das ist es, was eint. Nicht die Wissenschaft und auch nicht, was man seit der Französischen Revolution als links bezeichnet. Fragen nach der Berechtigung dieser Angst können wir uns sparen. Von zentraler Bedeutung sind die Ängste großer Teile der Bevölkerung. Es gibt anscheinend nicht das Geringste einzuwenden gegen Mächtige, gegen Herrschende, die diese Angst gegen die Freiheit und individuelle Autonomie ausspielen. Die Toten von Kriegen: Covid 19: mit Stand heute 2.057.050 Tote weltweit, Tote im 2. Weltkrieg : 1939 – 1945: min. 53.085.456, das 25-fache der weltweiten bisher gezählten Covidtoten. Die früheren, laufenden und geplanten Kriege scheinen im Vergleich zu Spikey Covid harmlos zu sein.
Relativieren im Rahmen politischer Entscheidungen ist seit geraumer Zeit politisch-moralisch verboten. Trotzdem zählen anscheinend die bisher 233.000 Toten des Krieges im Jemen nicht, für diejenigen, die den Nachbarn rotzen hören und unmittelbar damit die Vorstellung verbinden, sie seien des Todes, sobald sie ihm im Treppenhaus begegnen. Seit wann sind irrationale Ängste ein wirksames Mittel bei der Verbesserung der Zustände dieser Welt, unter denen die Armen zu leben gezwungen sind?

Welchen Inhalt hat das Wort gerettet?
„Schon wieder eine Seele vom Alkohol gerettet“? Wird dadurch das Erreichen des 90. Geburtstags gewährleistet? Darf niemandem mehr die Entscheidung darüber überlassen werden, ob er sich lieber das Leben schön säuft, als es murrend und mosernd zu ertragen? Vielleicht wird der 90. ohne Bier und Wein wahrscheinlicher, aber doch nicht garantiert. Ist es wirklich ein Rettungsversuch, wenn eine vermeintlich wissenschaftliche Medizin Menschen nach 2 Jahren Koma sterben lässt oder nach 6 Wochen invasiver Beatmung? Wobei bei letzterem nicht einmal klar ist, ob nicht die Therapie den Tod herbeiführt. Fortschritt? Ist das nicht dem Individuum zu überlassen, ob es solcherart gerettet werden will? Nebenbei in diesem Zusammenhang: Auch Motorradfahrer unter 60 sollten über eine Patientenverfügung nachdenken.
Nach Unfällen, Brandkatstrophen, Fluten, Explosionen, Erdbeben u. a. überraschenden Ereignissen tun Helfer ihr Möglichstes. Immer – nicht erst seit Covid – müssen sie damit leben, dass ihr Möglichstes evt. nicht reicht. Ein Nichtschwimmer wird dem Ertrinkenden nicht helfen können. Wer sich nicht traut zu helfen, weil der letzte Erste-Hilfe-Kurs 40 Jahre zurückliegt, auch nicht. Beide müssen angesichts des Menschen, der da tot neben dem Wasser liegt, evt. nicht verbrannt ist, aber trotzdem tot, mit der Erfahrung leben, dass sie nicht helfen konnten. Getreu den Werbespots der Bundesregierung kann sich jedoch gegenwärtig jeder als Held fühlen, der im Sessel sitzt. Der Vater eines persönlichen Freundes opferte, so wurde mir von seinem Sohn erzählt, sein Leben im Klassenkampf. Er holte sich eine Lungenentzündung beim Streikpostenstehen in herbstlicher Kälte, bei Regen, in nassen Schuhen und einer durchgeweichten Jacke. Ist es nicht schön, dass Heldentum jetzt einfacher zu haben ist, als in den 20ern des vergangenen Jahrhunderts und bessere Zustände durch virtuelle Kommunikation und Heimtrainer erzwungen werden?

Wem ist damit gedient, dass Menschen durch andere zu Kranken erklärt werden?
In den den meisten Fällen haben per Test ermittelte Infizierte nicht einmal einen leichten Husten oder eine fortwährend laufende Nase und kein Fieber. Stichwort: symptomfrei positiv getestet. Schon vor einger Zeit habe ich die Frage aufgeworfen, welchen Sinn dieses Vorgehen hat. Was wird dadurch gestoppt oder verhindert – doch nicht Krankheit und Schmerzen. Man soll es nicht für möglich halten: Es gibt zu Zeiten der Pandemie Menschen, die tatsächlich wochen- und monatelang ohne Covid Schmerzen leiden müssen. Nicht allein, weil sie sich entscheiden vorsichtshalber nicht zum Arzt zu gehen, sondern weil ihnen der Arzt nicht weiterhelfen kann: Empfohlene, nötige Termine, z. T. schon vereinbarte Termine im Krankenhaus werden zurückgestellt, weil anderen Menschen, denen eine bestimmte Diagnose gestellt wurde, selbst ohne Schnupfen, Heiserkeit und Fieber, der Tod droht? Diagnose und Behandlung real kranker Menschen werden zurückgestellt, weil sie im selben Jahr 2020, 21 ff. die falsche Krankheit haben. Man hält Intensivbetten frei für Covidkranke, während man kontinuierlich Krankenhäuser mit Intensivbetten schließt, weil sie nicht rentierlich sind. Was kann man da tun? Die Antwort von ZeroCovid: Solidarisches Zuhausebleiben wird die Welt verändern. Jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass die Welt zugesch… wird mit Selfies, die einen zuhause auf der Couch zeigen – natürlich nicht ohne ein schwarz-weißes Banner im Hintergrund. Das unterscheidet einen von dem Pöbel, der wegen Arbeitslosigkeit schon seit Jahren auf der Couch sitzen muss und sich mit RTL 2 und Flaschenbier die Zeit vertreiben.

Solidarische Nation, solidarisches Europa, solidarische Welt?
Angesichts der Tatsache, dass – in Kenntnis der Folgen – Krankenhauskapazitäten und das dazu gehörige Personal seit Jahrzehnten zurückgefahren wurden, ersetzt die Morallinke den notwendigen Aufstand gegen die stetig fortschreitende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich durch solidarisches Zuhausebleiben – so lange bis kein Sars-Cov-2 mehr entdeckt wird? Seit Jahren wird gegen Grippe geimpft. Müssten nicht A(H3N2), A(H1N1),A(H1N1)pdm09, B(Yamagata) B(Victoria) schon längst verschwunden sein? Warum redet zerocovid in diesem Zusammenhang eigentlich nur von einem solidarischen Europa? Jetzt auf einmal kann einem der Rest der Welt egal sein? Die Morallinke verbindet mit weiterer, Monate dauernder Einschränkung von Produktion und Diensten die Hoffnung am Ende dieses ermüdenden und gefährlichen Weges werde eine menschlichere Welt stehen, wahrscheinlich gestaltet von ausnahmslos wohlmeinenden Fachleuten digital gesteuerten Fortschreitens. Wo bleibt die Vernunft? Im Vergleich zu zerocovid hatte die Hoffnung auf die Weltrevolution einen gewissen Realitätsbezug. Wenigstens ging oder geht sie nicht von der hirnrissigen Annahme aus, die Profiteure der herrschenden Zustände seien die Freunde der Armen. Nichts, gar nichts gelernt aus den Zeiten der Queen Victoria und der damals üblichen, durchsetzbaren Form der Nächstenliebe in den Armenhäusern. Anscheinend haben die Anhänger der neuen Nichtbewegung trotz erlebten Einschlusses in den erst kurz zurückliegenden Weihnachtstagen die alljährliche Portion von Dickens-Verfilmungen im Fernsehen verpasst.

Menschenleere Solidarität
Es ist eine seltsam menschenleere Solidarität, die sich entfaltet, wenn wir alle zuhause bleiben. Woher Tofu und Seitan kommen und der B12-Spender Avocado, wenn alle zuhause bleiben erschließt sich dem Leser der vorgetragenen, vorgeblich linken Alternative nicht. Sind anständige Linke heute Prepper? Dabei soll man doch nicht hamstern! Werden Bio-Mehl und Bio-Nudeln nur dafür eingelagert, dass man anderen helfen kann, die auch zuhause bleiben dürfen, sollen, müssen? Ich habe den Verdacht, dass hier Geistwesen unterwegs sind, die alle Weltmeister sind im Verdrängen der Tatsache, dass Menschen zur Aufrechterhaltung der Lebensprozesse reale Stoffe, materielle Substanz brauchen. Wo bekommen sie die denn her, wenn sie nicht schon seit 2019 Genossen einer 50-köpfigen bäuerlichen Produktionsgenossenschaft sind in den fruchtbaren Schwemmländern oder vernutzten Mooren Deutschlands und eingemachte Kartoffeln, Äpfel, Hackfleisch, Mehl und Soleier für Monate im Keller haben?
Zumindest in den anstehenden 4 Wochen bis zum 14. Februar, geprägt vom Verkriechen, das den Umsturz vorbereitet, werden die Soylent Green Kekse noch nicht aus dem häuslichen 3-D-Drucker kommen. Wie denn auch, sollten die Wartungstrupps für Oberleitungen und Windmühlen sich solidarisch verhalten und zuhause bleiben und die Fahrer der Tanklaster, die ohnehin nur zum anstehenden Klimatod beitragen. Was den Morallinken – ein paar der Erstunterzeichner**innen kenne ich persönlich – völlig abhanden gekommen ist, das ist die Einsicht in die Notwendigkeit materieller Produktion und Reproduktion, für die man nicht einmal Marx gelesen haben muss. Es genügen Erfahrungen mit dem eigenen Verdauungstrakt.

Politikfreie Viren??
Die Unterzeichnerinnen, Unterzeichner und Diversen des Aufrufs #ZeroCovid phantasieren sich eine Welt zurecht, in der keine gegensätzlichen Interessen mehr zutage treten, kein Personal, das sie vertritt und keine Regeln, die man nicht durch einen Klick auf change.org verändern könnte. Genau diese Art eines umfassenden Durchbruchs von Mitmenschlichkeit, Empathie und Solidarität habe ich angesichts der Angstmache von Merkel, Drosten, Wieler und Konsorten befürchtet.
Man findet sie bei allen Visionären, deren politische Prioritäten sich wandeln: vom Wunsch nach Veränderung der vorhandenen Gesellschaft über den Wunsch deren Anerkennung zu gewinnen zum fragwürdigen Erfolg, ihr unverzichtbarer Bestandteil geworden zu sein.
Letzteres drückt sich in Deutschland alle paar Jahre darin aus, dass man eine Partei gründet, die der Staat mitfinanziert, einschließlich der dazugehörigen politischen Stiftungen. Die Parteien, ihre Fraktionen, ihre Stiftungen verfügen über repräsentative Unterkünfte, werden errichtet mit Steuermitteln und haben Mitarbeiter, die von den Regierenden aus Steuermitteln alimentiert werden. Ein nicht unerheblicher Teil der Erstunterzeichner**innen des Aufrufs zerocovid gehört als Partei-, Fraktions- oder Stiftungsmitarbeiter zum Kreis der parteinahen akademisch gebildeten Szene, deren Aufgabe es unter fast jedem Hashtag der zurückliegenden 5-10 Jahre war und ist, die Frage nach der Rolle des Eigentums in den Hintergrund zu drängen. Das Volk soll als ein Ganzes erscheinen, das sich ohne Rücksicht auf die umfassende politische Durchsetzungsfähigkeit der Eigner von Kapital, Grund und Boden einhellig um die richtigen Werte kümmert, geistige natürlich, denn mit Klassenkampf will man nichts zu tun haben. Ist das jetzt rechts oder links? Tut nichts zur Sache. Staatstragend auf jeden Fall.
Autonomie ist mit eigenem Aufwand verbunden und eigenem Risiko. Anderes wird zu Recht der Anpassung verdächtigt. Diese Anpassung vollzog sich früher etwas langsamer: zunächst bei den Sozialdemokraten, später bei den Kommunisten, dann bei den Grünen, bei den Linken… . Die allen gemeinsame Angst vor einer möglichen aber unwahrscheinlichen Erkrankung hat die Anpassungsfähigkeit offensichtlich gesteigert und beschleunigt.

Autonomie und Schutz

Die materielle Produktion ist Teil der Autonomie der Einzelnen und Teil der wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen in denen sie notwendigerweise leben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Vergnügen, das Feiern, das Lachen und die Freude gehören zusammen. Sie zusammen bilden das Leben. Menschen, denen man reales, körperliches Erleben von Gemeinsamkeit auf Dauer verweigert, verkümmern. In Altenheimen und im Homeoffice. Sie können daran sterben, auch wenn sie (noch) nicht auf die Idee kommen, sich unter Isolationsbedingungen selbst zu töten. Wie lange, in welchem Umfang möchten die Verfechter der Veränderung durch europaweites Zuhausehocken die Vereinzelung und Vereinsamung denn pflegen? Was ist an einer vom Kapitalismus auf die Spitze getriebenen Vereinzelung solidarisch? Bei jedem Spaziergang durch und um mein Dorf treffe ich mittlerweile auf fremde Menschen, die mich fragen, ob sie – natürlich mit gebührendem Abstand – ein Stück des Weges mit mir gehen dürfen. Für ein paar hundert Meter schreien wir uns dann über 4 m eine Weile an, um persönliche Kommunikation zu pflegen. Soll das so lange weitergehen, bis man keinen Virus mehr findet?



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