Zahl und Wissenschaft

Viele Menschen glauben zur Zeit, alles, was als Zahl dargestellt wird oder mit Hilfe von Zahlen als Verlauf dargestellt, sei Wissenschaft. Man hält für wissenschaftlich, was möglicherweise nicht wissenschaftlich ist.
Ob es Sinn macht, täglich, wöchentlich, jährlich erhobene Zahlen in die Öffentlichkeit zu tragen, vielleicht auch noch durch Linien miteinander zu verbinden und als Grundlage für eine Vorhersage heranzuziehen, das muss man prüfen. Vor allem muss geprüft werden, welche Zahlen und/oder Größen tatsächlich in dem behaupteten ursächlichen Zusammenhang stehen. Der sprichwörtliche allgemeine Menschenverstand kann das unter Berücksichtigung der Erfahrung leisten. Dass sich ein Mensch z. B. mit Naschen, Tabak, Alkohol nichts Gutes tut, weiß er auch ohne Expertise.
Auch wenn akademisch ausgebildete Vogelkundler gewissenhaft zählen und auch der verantwortliche Frauenarzt des Kreiskrankenhauses: Schwangerschaften und die Zahl der Storchennester stehen nicht in einem ursächlichen Zusammenhang.

Wissenschaftlich begründetes Regierungshandeln?
Die amtierende Kanzlerin, gelernte Physikerin, warf zu Beginn des Verlaufs dessen, was die WHO Pandemie nennt, das Wort „exponentiell“ in den politischen Raum. Aus welchem Grund? War sie sich darüber nicht im Klaren, dass alle Lebensprozesse – auch die von einzelnen Viren – irgendwann ein Ende haben? Einem jungen Menschen erscheint die Aussicht auf um die 80 Jahre, die gegenwärtig als Leben zu erwarten sind, als endlos. Dem ist aber nicht so. Alle Lebensprozesse haben irgendwann ein Ende. Wenn der Löwe in seinem Raum alle Antilopen gefressen hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Er verhungert. Er nimmt mit kleineren Tieren Vorlieb, oder er riskiert den ungleichen Kampf mit gewichtigeren Tieren. Er wechselt das Umfeld und sucht sich neue Opfer in einem ungewohnten Raum. Alle Seuchen, selbst die Pest, haben bisher immer genug Menschen übrig gelassen, dass es nicht nur weitergehen konnte, sondern die Menschheit mittlerweile auf 8 Mrd. Exemplare angewachsen ist. Dass die Menschen tatsächlich als Gattung untergehen könnten haben sie mit anderen gemein. Sollte dieser Fall eintreten, haben sie ihn selbst mit herbeigeführt. Den Sauriern würde man rückwirkend Selbstverschulden nicht unterstellen.
Entweder ist die Kanzlerin trotz eines Doktor-Titels der Physik ungebildet, oder sie und ihre von der Pharmaindustrie bestochene Entourage wollen mit Hilfe der Erzeugung von Angst ihre Untertanen manipulieren, andere gegenwärtige Probleme verschleiern oder Ziele verfolgen, die sie nicht gerne öffentlich diskutieren wollen. Für jede dieser Annahmen lassen sich Hinweise finden. Nur ein möglichst breit angelegter öffentlicher Diskurs ermöglicht es Menschen, sich Teile der Wirklichkeit zu erschließen, die sich nur als vielfältige Gemengelagen beschreiben lassen. Ein solches diskursives Vorgehen ist grundlegende Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens. Etwas kann als richtig gelten, bis es angefochten wird. Das Sammeln von Bestätigungen und Widersprüchen, Einsprüchen führt im Lauf der Zeit zu einer realitätsnahen Einschätzung. Wer abgehobene, womöglich auch noch von den Herrschenden hoch bezahlte Expertise für die Grundlage wissenschaftlichen Denkens hält, liegt falsch.

Wellen und Tote
Wer nicht schwimmen kann, geht nicht weiter ins Meer hinaus, als er sich trotz Wellen fest auf eigenen Beinen halten kann.
Im Bereich Gesundheit sind den Menschen andere Arten von Wellen vertraut. Wer als alter Mensch den Herbst überlebt, den kostet vielleicht das Frühjahr das Leben. Wer beides überstand, hat gute Aussichten den nächsten Winter noch zu erleben und erneut den Enkeln oder Urenkeln beim Spielen im Schnee zuzuschauen. Der Winter ist alljährlich eine gefährliche Zeitspanne für alle, deren Immunsystem wegen Alters – das bedeutet nicht allein definierte Krankheitsbilder, sondern auch vielfältigen körperlichen Verschleiß – auf virale Bedrohungen nicht mehr angemessen reagieren kann. Am Ende des Alterungsvorgangs des Menschen steht zumeist ein Zusammenbruch des Sauerstoffaustauschs, gewährleistet über die Organe Herz und Lunge. Manchmal verursacht durch eine Infektion der Lunge, manchmal durch den Stillstand eines alt und schwach gewordenen Herzens. Die Ursache des Todes ist in aller Regel ein gelebtes Leben, das an sein Ende gekommen ist. Man nennt es natürlichen Tod. In Traueranzeigen ausgedrückt als `sanft entschlafen´, Christen sprechen, glaubensmäßigen Übereinkünften folgend, oft von einem `Heimgehen´.
Die Realität des Todes als unvermeidbare Folge jeglichen Lebens wurde in den entwickelten Gesellschaften aus dem Alltag verbannt, ausgelagert in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Umso leichter lässt sich gegenwärtig gut Politik damit machen, dass man von vulnerablen Menschen höheren Alters spricht, die – Überraschung – in Pflegeeinrichtungen sterben. Wo denn sonst? Bei einem Verkehrsunfall? Durch Ertrinken? Durch einen Sturz von der Haushaltsleiter? Dabei wurden sie doch oft ohne ihre Zustimmung oder Mitwirkung in diese Einrichtungen verbracht.
Vor dem Hintergrund der alljährlichen, den wechselnden Klimabedingungen der Jahreszeiten geschuldeten Wellen des Sterbens, ist es nicht sinnvoll, sich mit Erläuterungen zu beschäftigen, die vortäuschen, es gebe eine bisher unerforschte, extrem bedrohliche, gefährliche Ursache dafür, dass in einer bestimmten Woche 3595 der insgesamt 22900 Toten dieser Woche (=2,2 %) verstarben. Ein solches Vorgehen macht keinen Sinn. Aber wer fragt schon nach Sinn und Zweck, wenn man Zahlen hat. Tonangebend in der nicht hinterfragten Sinngebung ist eine Kanzlerin, die durch erfolgreiche Anpassung an andere politische Bedingungen schon einmal unter Beweis gestellt hat, dass die Frage nach Sinn und Zweck sie nicht interessiert.

Punkt und Linie
Man kann Punkte durch Linien verbinden. Es gibt Malbücher für Grundschulkinder zum Festigen der Zahlenreihe 1 – 100. Wer die abgedruckten Zahlen von 1 bis 100 der Reihe nach richtig verbindet kann in den Linien ein Bild erkennen. Kindgerecht sind das oft z. B. Bären, Schneewittchen, ein Zwerg, ein Vogel oder auch ein Fernsehgerät.
Frau Merkel bezieht sich auf das tägliche Verbinden von Punkten zu einer Linie und liest sie als Darstellung eines ursächlichen Zusammenhhangs. Dabei ist die Angabe der Punkte Ergebnis eines zwar begründeten aber willkürlichen Handelns.

Wenn ich täglich um 0:00 Uhr in meinem Keller alle Äpfel zähle, den Bestand aufschreibe und vergleiche, ob sie mehr oder weniger wurden, erhalte ich keine belastbare Aussage zu folgenden Fragen: Wieviele Äpfel waren um 8:00 da, um 17:00 um 23:55? Gibt es im Haus einen geheimnisvollen Apfelfresser? Habe ich mich verzählt? Wie kommt eine Zunahme der Äpfel zustande, obwohl ich Kellertüre und Fenster verrammelt habe? Wurden versehentlich Boskop, Gloster und Gravensteiner zusammengeschüttet? Wieviele angeschlagene Äpfel wurden im Lauf des Tages aussortiert, damit sie nicht faulen? Ich muss die Äpfel auch gar nicht zählen, wenn ich damit leben kann, dass ich nach Ablauf einer gewissen Zeit voraussichtlich keine mehr habe und überraschend neue kaufen muss.

Hinter den über die tonangebenden Medien täglich verbreiteten Zahlen zur Pandemie liegt kein auf Erkenntnis der Wirklichkeit gerichtetes Tun. Die Behörde, das RKI, veröffentlicht seit dem 03. März 2020 täglich Zahlen, die offensichtlich nicht geeignet sind, Fragen in Bezug auf eine gegenwärtig grassierende schwerwiegende Erkrankung der Atemwege zu beantworten. (= SARS). Wer wie ich die Sinnhaftigkeit dieses Tuns bezweifelt, muss mit der Erfahrung leben, dass die Überzeugungskraft der eigenen Argumente nicht hinreicht, verängstigte Menschenmengen zu beruhigen. Folgte man den dazu vorhandenen psychologischen Ansätzen, bräuchten immer mehr Menschen unter uns eine Angsttherapie, um psychisch gesund aus dem angerichteten Schlammassel herauszukommen. Manchmal reicht mir selbst die persönliche Berücksichtigung dieser psychologischen Ansätze nicht, mich zu beruhigen. Ich ertappe mich dabei, dass ich versuche in meinen Rumpf hineinzuspüren oder zu horchen, ob ich anders schnaufe als sonst, ich noch genug Luft bekomme, ein voller Magen meine Atmung behindert, usw. Wer Ängste verbreitet, die solche Zustände provozieren, der ist nicht an der Gesundheit der Menschen interessiert. Die Behauptung der Regierenden, sie unternähmen alles Menschenmögliche die Gesundheit der Bewohner des deutschen Territoriums zu erhalten, zu schützen, kann man deshalb als gelogen betrachten. Lüge im Wortsinn: wissentlich falsche Aussage.

Die Erfindung der verletzlichen Alten
Es ist entsetzlich! Die in diesem Jahr 2021 erstmalig von destatis veröffentlichten Zahlen zu den Sterbefällen nach Altersjahrgängen offenbart: es sind auffallend viele Alte, die sterben! Möglicherweise auch unter Beteiligung viraler Infekte. Wünschen wir uns die Zeiten zurück, in denen es im Unterschied zu heute normal war, dass die Häfte der lebendgeborenen Kinder vor ihrem 6. Geburtstag starb? Wäre es ein Ausdruck sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit, wenn anteilsmäßig in jeder Altersgruppe zwischen 0 und 9 [10-19; 20 -29; 30 – 39;… ] gleich viele Menschen sterben? Laut destatis waren nur 142.906 der insgesamt 939. 520 Verstorbenen des Jahres 2019 unter 65. Was können wir tun?!


Die gegenwärtig in Zusammenhang mit einem viralen Krankheitserreger propagandistisch zu Schau getragenen mitmenschlichen Gefühle für die Alten könnten Ausdruck eines schlechten Gewissens sein. Unsere Gesellschaft schließt die Alten systematisch aus, damit die Fähigkeiten der Erwerbstätigen wirtschaftlich besser genutzt werden können. Warum sollen die Arbeitsfähigen ihre kostbare Zeit mit Sozialklimbim verzetteln? Deshalb werden alte Menschen in besonderen Einrichtungen untergebracht. Ihr Vorhandensein stört den auf maximale wirtschaftliche Nützlichkeit ausgerichteten Alltag . Soziales Handeln, aktive Fürsorge begrenzt die Rentierlichkeit der Arbeit der Erwerbstätigen. Nach Meinung der Mehrheit soll das nicht sein.
Demnächst werden in den separierten Anstalten Roboter den Alten das Essen bringen. Vielleicht überreichen sie auch den Pflegebdürftigen die Leine eines Hündchens, das sie stundenweise auf dem Schoß halten und streicheln dürfen, weil ihnen der Kontakt zu etwas Warmem, Lebendigen gut tut. Hauptsache man muss keinen Menschen bezahlen, der ihnen gut tut.
Es gibt Gründe dafür, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die sich um Alte kümmern, seien es eigene Eltern oder Nachbarn: in deren Haushalt nach dem Rechten sehen, für sie Einkäufe erledigen, beim Putzen und bei der Gartenarbeit helfen, mit ihnen spazierengehen. Diese Helferlein für die Altersgruppe 80+ sind allerdings meistens selbst schon über 60, an die 70, wenn nicht sogar im gleichen Alter und einfach körperlich und geistig noch ein bisschen leistungsfähiger, als diejenigen, die ihrer Unterstützung bedürfen.
Dass man zum Schutz der Alten die Kinder von ihren Freunden fernhält, gemeinsam mit ihren Eltern in zu kleinen Wohnungen einsperrt, nicht mehr in die Schule gehen lässt, sie zunehmender Gewalt in den Familien aussetzt, das hingegen ist ganz normal. Kinder sind gegenwärtig anscheinend nicht verletzlich. Man verlässt sich auf die zumindest theoretisch vorhandene Möglichkeit, dass deren Beschädigungen sich im Lauf der Zeit verwachsen. Sie sterben ja nicht gleich.
Könnte die Entdeckung der besonders verletzlichen Alten etwas damit zu tun haben, dass in Deutschland ca. 36 % der Wahlberechtigten über 60 sind und 2021 eine Reihen von Wahlen ansteht, bei denen sich jetzt schon abzeichnet, dass sie vielleicht nicht stattfinden? Welche Bedingung muss denn erfüllt sein, dass Wahlen stattfinden können oder dürfen? Wahlen bei denen zwar stellvertretend für viele nicht mehr Zurechnungsfähige deren Betreuer Stimmzettel ausfüllen und abgeben dürfen, aber kein einziger Erwachsener mit Kindern stellvertretend für seine Kinder sprechen darf und auch die 16-jährigen nicht für sich selbst.

Alles planbar
Im Unterschied zu anderen Ländern kannte Deutschland `vor Corona´ keine bundesweite behördliche statistische Erfassung der Sterbefälle. Es war deshalb seit März ein leichtes, eine angenommene außergewöhnliche Ursache mit täglich öffentlich gezählten Kranken und Toten zu einer elementaren Bedrohung aller Menschen auszugestalten. Die Frage ist, warum man das tut. Die Überwachung der Atemwegserkrankungen durch das Robert-Koch-Institut [ https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-53.pdf ] zeigt für die Zeit seit 2018 nämlich ein anderes Bild.


Wie bedrohlich die Lage tatsächlich ist, ist in viel höherem Maß eine Frage der persönlichen Einschätzung als es uns die täglich mehrfach wiederholten Warnungen der Regierenden vermitteln. Dass man Zahlen benutzt um unterschiedliche Einschätzungen durch die Individuen als unwissenschaftlich zu denunzieren und ihnen autonome Entscheidungen in ihrem Alltag zu verbieten, das macht den Konflikt nicht zu einem Streit zwischen Wissenschaft und Glauben. Auch nicht zu einem Konflikt zwischen Glauben und Aberglauben. Letztere Unterscheidung täuscht die Möglichkeit eines richtigen, eines wahren Glaubens vor und maßt sich ein Urteil über religiöse Empfindungen an, eine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Religion. Solche Phasen gab es in der menschlichen Geschichte schon des öfteren.
Diese Phasen sind den Menschen in ihrer Gesamtheit nicht gut bekommen, sondern sie führten oft zu gewaltsam ausgetragenen Konflikten. Eine von mir sehr ernst gemeinte Frage an die historisch bewanderten Leserinnen und Leser: Gibt es zuverlässige Zahlen in der Frage wieviele Menschen zwischen 1517 und 1648 in Deutschland ihr Leben gelassen haben? Wieviele von ihnen durften an Altersschwäche sterben? Wieviele Tote hat die Pest verursacht? Wieviele Tote muss man religiös motiviertem und gewaltsam ausgetragenem Streit im persönlichen Umfeld zuschreiben? Der Hexenverfolgung und dem religiös motivierten Verbrennen religiöser und wissenschaftlicher Abweichler? Wieviele Menschen starben infolge der kriegerischen Ausseinandersetzungen zwischen den nach Repräsentation verlangenden Provinzfürsten und dem deutschen Kaiser, von denen fast jeder religiöses Denken zur Erreichung dynastischer Zwecke nutzte?
Die Hoffnung ist irrational, das Leben der Menschen und ihrer Gesellschaften sei planbar, wissenschaftliche Expertise könne in eine stetig steigende Lebenserwartung für alle münden, Krankheit und Tod besiegen. Ein paar geschäftstüchtige Leute verkaufen Wundermittel gegen den Tod – Gott bewahre keine Allheilmittel wie im Mittelater oder im Wilden Westen, denn wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung – sondern Impfstoffe. Andere, ebenso geschäftstüchtige, erzielen ein Einkommen aus Waffenproduktion und im Waffenhandel. Wieder andere verweigern einer zunehmenden Zahl von Menschen ein schützendes Obdach und bauen lieber anschließend leer stehende Büros – weil es sich rechnet und man ihnen diese Form des Erwerbs erlaubt.
Es gelingt gegenwärtig den Herrschenden, den Regierenden und ihren amtlich bestallten Vertretern einen Reibach zu machen, wie selten zuvor – unter dem Vorwand unser aller Gesundheit zu schützen.

Macht und ihr Gebrauch

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Macht. Macht beinhaltet das Vermögen, die Fähigkeit zu einem bestimmten Handeln1 . Macht ist eine Eigenschaft, die Individuen in unterschiedlichem Maß , aus unterschiedlichen Gründen, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bezügen zukommt. Sie kann aus begründetem Vertrauen genauso entstehen wie durch die Androhung von Gewalt. Nicht allein menschliche Individuen, sondern auch höher entwickelte Tiere kennen in ihren Verbänden eine Rangordnung, die sich z. B. in einem privilegiertem Zugriff auf die zur Verfügung stehende Nahrung oder in einer privilegierten Wahl der Sexualpartnerinnen unter den weiblichen Gattungsangehörigen zeigt.
Auch der Mensch, der sich selbst gerne als eine über anderen stehende Gattung ansieht, neigt zu machtgeprägten Formen des Zusammenlebens, die auf unterschiedliche Weise etabliert, begründet und gerechtfertigt werden.
Die Art und Weise wie und in welchem Umfang Menschen Macht anerkennen und die Regeln, die für ihre Berechtigung gelten sind historischem Wandel unterworfen. Da seit Menschengedenken zeitlich nebeneinander unterschiedliche Formen der Machtausübung bestehen, halte ich es für falsch einen geschichtlichen Fortschritt anzunehmen, der als Tendenz zu wachsender individueller Freiheit bezeichnet werden könnte. Alle Mächtigen mussten und müssen dessen gewärtig sein, dass ihnen bei einer zufälligen Gelegenheit andere begegnen und möglicherweise entgegentreten, die willens und fähig sind, ihrer Macht Grenzen zu setzen. Seit Jahrtausenden gibt es Regeln, die für das unablässige Ringen zwischen Macht Ausübenden und scheinbar Machtlosen gelten. Nicht alle Machtlosen lassen sich von Mächtigen auf Dauer die jeweiligen praktischen Ausprägungen ihrer Machtausübung gefallen. Von Zeit zu Zeit rotten sie sich zusammen, äußern ihren Unmut und – wenn das nicht hilft – greifen sie nötigenfalls zur Gewalt gegenüber den Machthabern. Damit ist nicht notwendigerweise verbunden, dass die neuen Machthaber dauerhaft als besser empfunden werden als die alten.
Anlass für meine Überlegungen sind Praktiken der politisch-gesellschaftlichen Machtausübung, die im Rahmen der gegenwärtigen Bedrohung durch eine infektiöse Erkrankung fast überall auf der Erde um sich greifen. Ob sich die von einer nicht öffentlich tagenden Konferenz (Videoschalte) erlassenen Maßnahmen von Bundesregierung und Ministerpräsidenten in Sachen Pandemie wesentlich von den Erlassen Wilhelms I. unterscheiden? Was die Möglichkeiten der Kontrolle anbelangt sicher nicht wesentlich anders entstanden als Erlasse Ludwigs XIV., Kaiser Wilhelm I.. Die reale gesellschaftliche Qualität der Machtausübung ist weniger von rechtlichen Festlegungen geprägt als von Öffentlichkeit und den Einflussmöglichkeiten bestimmter Kreise. Ob sich Lobbyismus außer in historischer Perspektive von den Möglichkeiten des Antichambrierens bei unserm guten Kaiser Franz unterscheiden lässt?

Demokratie und Obrigkeit
“ Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott.“ ist ein Satz aus den Schriften des Neuen Testaments2, der vor allem von denjenigen geschätzt wird, die sich von den Mächtigen Bevorzugung erhoffen. Was dabei gerne außer Acht gelassen wird: Die heiligen Schriften der monotheistischen Religionen verbinden mit diesem Anspruch auf Folgsamkeit Regeln, an die sich alle zu halten haben, auch die Obrigkeit. Neben der geforderten Fügsamkeit stehen göttliche Aufträge an die Obrigkeit: Jegliche Obrigkeit, erst recht eine demokratisch legitimierte, hat die Aufgaben zu erfüllen, die aus ihrer Rolle im gesellschaftlichen Gefüge erwachsen. Sie hat gegenüber Hilfsbedürftigen fürsorglich zu handeln. Sie muss Bedrohungen sachkundig und beherzt entgegentreten, das tun, wozu eine höhere Macht – aus moderner Sicht ist es die Bevölkerung – sie berufen hat. Sie hat die für allgemein gehaltenen Normen durchzusetzen. Sie muss gültiges Recht setzen und Missetäter einer gerechten Strafe zuzuführen. Auch eine demokratisch gewählte Obrigkeit ist daran gebunden. Nur göttliche Fügung kann ihren Wahlerfolg herbeigeführt haben.
Idealistisches Denken konstruiert sich als Gegenpol zur Macht gerne eine demokratische Bürgerschaft, die umfassend informiert ist, ihre Arbeit verrichtet, engagiert ihre Forderungen vertritt und vernünftige Wahlentscheidungen trifft, sozusagen Bürgerinnen mit Abitur.
So sind sie aber nicht, die Menschen. Der gerne zitierte moralische Imperativ des Immanuel Kant beschreibt nicht die Möglichkeit aller Menschen, sich mit Hilfe ihrer Vernunft selbst Grenzen zu setzen, sondern eine Hoffnung. Menschen sind bedauerlicherweise nicht vollkommen. Nicht allein Männer nicht, wie der beliebte feministische Spruch sagt: „Als Gott den Mann schuf, übte sie nur“ sagt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Spezies Mensch nur eine der vielen Spielarten des Lebendigen ist, die unter veränderten Bedingungen weniger werden oder sogar wieder völlig verschwinden. Real gibt es keine Obrigkeit, die auch nur annähernd so perfekt wäre, wie sie sich die Untertanen erträumen oder erhoffen. Sie besteht nämlich aus Menschen, die sich von ihren Untertanen nicht wesentlich unterscheiden. Sonst würden sie nicht gewählt, oder? Auch die beratenden Experten und Wissenschaftler sind Menschen – nicht besser und nicht schlechter als die bunte Mischung der Untertanen, bestehend aus Wirtschaftsbossen, Müllmännern und Oberlehrern. Jeder von ihnen schließt aus den beschränkten Erfahrungen seines eigenen Wirkungsbereichs auf die Welt. Besseres und Klügeres können Menschen nicht. Was sie unterscheidet: das Ausmaß ihrer Macht.

Anarchie?
Nur wenige Menschen träumen von einer machtfreien zukünftigen Gesellschaft in der alle Menschen gleich mächtig sind und das Beherrschen anderer nicht mehr gebräuchlich ist.  Anarchie, ein gesellschaftlicher Zustand ohne Machtausübung, wäre möglich, hätten alle Menschen täglich rund um die Uhr   die Fähigkeit  vernunftgeleitet allein sich selbst  zu beherrschen oder die ebenfalls übermenschliche Fähigkeit,  sich in andere so einzufühlen, dass sie ihrem Gegenüber nicht einmal aus Versehen etwas überstülpen, das bei ihm Unbehagen verursachen könnte.  Ob das als Vorteil anzusehen wäre, als ganz besonders menschlich, sei hier dahingestellt. Im Unterschied zu  anarchistischen Attentätern des 19. und 20. Jahrhunderts halten die meisten Anarchisten es nicht mehr für sinnvoll die  Träger von Macht demonstrativ zu erschießen.
Menschen sind auch bisher nicht die Krone der Schöpfung für die sich manche halten und ganz sicher auch nicht die Übermenschen, die sich Transhumanisten vorstellen. Es mag sie eines Tages geben. Wahrscheinlich werden die neuen Menschen in diesem besonderen Fall den Zeitraum der äffischen Vorgeschichte bis ins dritte Jahrtausend nach Christus reichen lassen und Wesen deren Hirn mit einem Chip verbunden ist, werden zum menschlichen Normalfall. Wie deren Gellschaften aussehen könnten? Vielleicht brauchen sie gar keine mehr, weil sich jeder Einzelne dank seiner überragenden Fähigkeiten gewalt- und machtlos selbststeuernd alles verschaffen kann, was er braucht. 
Wir wissen es nicht. Genau genommen, wissen wir nicht einmal wie lange das Brot reicht,das im Kasten liegt. Nur diejenigen, die keines haben, wissen zuverlässig, dass es nicht reicht. 
Montage aus eigenen Fotos, geknipst im Neanderthal-Museum

Das politische Dilemma der Obrigkeiten zu Zeiten der Pandemie
Aus Gründen, die ich bisher nicht kenne, hat man sich entschlossen, die notwendige Zustimmung oder Fügsamkeit der Untertanen mit Hilfe zweier altbekannter, wirksamer Strategien herzustellen: 1. der Erzeugung von Angst vor einer angeblich nie dagewesenen tödlichen Bedrohung 2. der Verbreitung inhaltsleerer Propaganda, die folgsame Bürger zu Helden des Alltags stilisiert. Wer das Ausmaß der Bedrohung bezweifelt und sich zutraut, über seinen Schutzbedarf selbst zu entscheiden, der wird, leider mit Zustimmung führender Köpfe der Opposition, von der Obrigkeit und ihren Helden zum Feind unserer Demokratie erklärt.
Diese Charakterisierung könnte schneller als gedacht auf die Obrigkeit selbst zurückschlagen, sollte eine wachsende Zahl von Menschen den Eindruck gewinnen, dass die Obrigkeit und ihre Weisen nicht weniger im Nebel stochern als ihre Untertanen. Sie könnten nämlich daraus den Schluss ziehen, dass die Obrigkeit einfach ihren Job nicht richtig macht. Schließlich hat man sie gewählt in Vertrauen darauf, dass sie alles besser wissen und können als ihre Untertanen.
Die Widersprüchlichkeit der enorm detaillierten Maßnahmen der Gesundheitsbehörden könnte in nicht allzu ferner Zukunft zum Anlass werden, an den Verstandeskräften der Obrigkeit zu zweifeln. Es ist nicht plausibel, dass infektiös wirksame Kontakte seltener werden, wenn die Bewohner von A nach B fahren dürfen, aber nicht die Bewohner von B nach A. Die Wirksamkeit von Ausgangssperren wird dadurch nicht verständlicher, dass Menschen in proppevollen öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren dürfen, bei der Arbeit manchmal einen MNS tragen sollen, sich aber nicht zu viert als Nachbarn aus 4 Haushalten zum Kartenspiel zusammensetzen dürfen, nicht einmal mit FFP2-Masken, die in Bayern ab dem kommenden Montag in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben sind. Bewohner unseres Landes fragen sich inzwischen, ob die Einnahmen aus den relativ hohen Geldstrafen für Maßnahmeverstöße nicht hauptsächlich den Zweck haben, den angehäuften Passiva der Staatsbilanz ein paar Einnahmen entgegenzustellen. Es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem ein großer Teil der Bevölkerung sich als belogen, verraten, verarscht und verkauft vorkommt und sich gegen die Obrigkeit wendet. Das Entstehen eines solchen Gefühls der an der kurzen Leine gehaltenen Menschen bedarf keiner besonderen Theorie betreffend die hinter den Maßnahmen stehenden Absichten der Machthaber 3.
Wer auf die Manipulation von Gefühlen als Machtinstrument setzt, riskiert immer deren Umschlag in schwer kalkulierbare andere Gefühle. Enttäuschte Hoffnung wandelt sich manchmal erstaunlich schnell in großen Ärger über den oder die Verursacher dieser Enttäuschung. Es könnte für die Obrigkeiten schwierig werden, den 5. verschärften Lockdown zur Vermeidung der 5. Welle durchzusetzen, wenn die Wellen im Herbst 2021 einfach nicht aufhören, wie das bei den alljährlichen im Winter auftretenden Infektionen der Atemwege der Fall ist. Diese sind nämlich bisher trotz Impfungen nicht verschwunden. Warum sollte sich daran etwas ändern?
Nicht einmal den Anschein der Existenz eines Plan B gibt es für einen gesichtswahrenden Ausstieg aus der Luftnummer, auf die sich weltweit die Obrigkeiten im Rahmen mehrerer Planspiele vorbereitet haben.4 Trotz aller Planspiele bleibt unkalkulierbar ob, wenn ja wann, die Stimmung der auf vielfältige Art Geschundenen umschlägt in Gewalt. Eine Gewalt die entweder mit Mitteln einer reaktionären Diktatur unterdrückt werden kann oder eine neue, möglicherweise nichtkapitalistische gesellschaftliche Alternative erzwingt. Die Lage ist offen.

  1. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, <https://www.dwds.de/&gt;, abgerufen am 11.01.2021.
  2. Römerbrief des Paulus 13:1
  3. Gemeinhin von den Fügsamen `Verschwörungstheorie´genannt
  4. Vortrag von Paul Schreyer, https://www.youtube.com/watch?v=SSnJhHOU_28

Anfänge, Enden und der Fortschritt

In den gegenwärtigen Debatten zur Unterscheidung von rechts und links ist eine der tragenden Wendungen die Aufforderung „Wehret den Anfängen!“. Infolge ihrer Inhaltslosigkeit wird sie von fast allen Diskutanten bemüht. Die Frage ist: Was ist der Anfang?

Selbst bei ganz klar materiell definierten Gegenständen wie einem Stück Paketschnur sind Anfang und Ende oft nicht definiert. Sie hat wie man will, 2 Anfänge oder 2 Enden. Einigen wir uns darauf, dass sie zwei Enden hat, sonst wäre dieser Satz in einer Handlungsanleitung sinnlos: „Um zu beginnen, ergreift man das eine Ende und legt es in eine Schlaufe.“ Diese Definition wird gestützt durch die weit verbreitete Wendung „Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.“ die mehrfach in Songtexten verarbeitet wurde. Von Menschen erlebte und beeinflusste Geschichte hat keine zwei Enden, sondern zwei Sichtweisen: eine, die sich in die Zukunft richtet und eine, die auf die Vergangenheit gerichtet ist. Das Bild einer aus Fasern gedrehten Schnur ist noch in anderer Hinsicht tauglich: Die Verwenderin der Schnur kann zwar die 2 Enden erkennen aber ohne Lupe oder Mikroskop nicht die Fasern unterscheiden, die bei der Herstellung der Schnur in einander verschränkt wurden. Zu Bewusstsein gebracht haben mir die hier verbildlichte Fragestellung zu historischen Sichtweisen 2 Texte: ein dreiteiliger Roman der Historikerin Ricarda Huch zum Dreißigjährigen Krieg1 mit dem ich mich zur Zeit beschäftige und der Aufsatz von Ulrich Teusch unter dem Titel „Politische Angst – damals und heute“ 2.
In den gegenwärtigen Sichtweisen auf den politischen Umgang mit einer möglicherweise gefährlichen Infektionserkrankung werden nach meiner Beobachtung folgende Fasern miteinander verwoben: die Entwicklung des deutschen Faschismus, antisemitische Traditionen in Europa , Massenvernichtung auf der Grundlage unterschiedlicher Religion, unterschiedlicher Herkunft und Kultur, wahrnehmbarer Unterschiede im Aussehen. Unterschlagen, als nicht brauchbar, unbegründet außer Acht gelassen werden die Fasern materielle Existenzsicherung, Spannungsverhältnis von Macht und Recht, demokratische Rechte und Stellvertretung, die autonome Unterscheidung von Krankheit und Gesundheit. Zwei Strängen will ich hier nachgehen.

Faschismus = Rassismus = deutsch?

Logischerweise kommt man zu unterschiedlichen Definitionen der Anfänge, denen zu wehren sei, wenn man den Anfang des Faschismus nicht in der europäischen Geschichte sucht, bezöge man Japan als Teil der Hitlerkoalition mit ein wäre sogar Welt angemessen, sondern allein in der nationalen Geschichte der Deutschen. Dieser Strang führte zu einer besonderen deutschen Schuld in den Punkten Kriegsanlass und – gründe, diktatorische Machtausübung , industrielle Massenvernichtung von als jüdisch definierten Menschen. Die Anerkennung einer Kollektivschuld der Deutschen ist wesentliche Grundlage der BRD-Staatraison und wurde den Bewohnern der DDR im Zuge der Zusammenführung beider deutscher Staaten übergestülpt.
Wer gelernt hat, Geschichte als Sammlung bedeutsamer Daten und bedeutender Menschen zu betrachten, lässt diesen besonderen, deutschen Faschismus nicht anfangs der Zwanziger beginnen, wie andere europäische Faschismen 3 auch, sondern am 30. Januar 1933 und übernimmt dabei implizit die Rede von der Machtergreifung, die keine war, sondern formal gesehen eine von gewählten Organen eines demokratischen Staates vollzogene Übertragung der Regierungsverantwortung angesichts der zerstörerischen Folgen der Weltwirtschaftskrise für die Lohnarbeiter. Also ein Vorgehen, das durchaus vergleichbar ist mit den Infektionsschutzgesetzen 1- 3 des Jahres 2020.
Über eine umfassende Ermächtigung für den Reichskanzler wurde angesichts des wirtschaftlichen und politischen Notstands im Parlament am 24. März 1933 abgestimmt. Die gerne zitierte „Mitte“ der deutschen Bevölkerung, die sich u. a. um die Zentrumsspartei scharenden christlich motivierten Teile der Bevölkerung und ihre parlamentarischen Vertreter stimmten dieser Ermächtigung zu. Entgegen den historischen Fakten wird gerne behauptet, das deutsche Volk habe im März durch seine Wahl der Ermächtigung der NSDAP und ihres Reichskanzlers zugestimmt. Die Wahlen vom 05. März 1933 waren de facto keine freien Wahlen. Die Arbeiterparteien SPD und KPD, ihre Mitglieder, Funktionäre und ihrer parlamentarischen Vertreter wurden bereits massiv und unterdrückt und bedroht. Die NSDAP erreichte unter diesen Bedingungen 43,9 % . Das war keine Mehrheit der Bevölkerung.3 Die Ermächtigung erfolgte durch die Parteien, deren ideologische Nachfolger auch gegenwärtig noch das bürgerliche Spektrum, die „Mitte“ abbilden. Zu der Frage, ob es ratsam ist, mit diesen Leuten Bündnisse gegen Rechts einzugehen um Schlimmeres zu verhüten, habe ich mich schon des öfteren geäußert. Bei den letzten freien Wahlen im November 1932 hatte die NSDAP einen schmerzlichen Einbruch erlitten. KPD und SPD hatten da gemeinsam 37,3 % der Stimmen erringen können, die NSDAP nur 33,1 %.
Die seltsamen Koalitionspraktiken der bürgerlichen Kräfte einschließlich der gegenwärtigen SPD in Deutschland halte ich für eine wesentliche Ursache des wachsenden Misstrauens gegen die deutsche Ausprägung der Parteiendemokratie.
Faschistische Diktaturen konnten sich auch nach Ende des 2. Weltkriegs in Staaten halten, mit denen die BRD freundlichen Umgang pflegte: in Portugal (Salazar und Nachfolger bis 1974) und Spanien (Franco und Franquismo bis 1977). Niemand, so hoffe ich, käme heute noch auf die Idee, die bis 1994 herrschenden rassistischen Regierungen Südafrikas als demokratisch legitimiert und/oder menschenrechtlich orientiert zu bezeichnen. Ähnliches gilt für die USA bis 1964, die ungleiche Gewichtung der Rechte arabischstämmiger Menschen in Israel, die Vernichtung der Armenier oder die Benachteiligung der Kurden in der Türkei. Ungleichbehandlung von Bevölkerungsteilen mit Bezug auf rassische, ethnische oder religiöse Differenzen gehört – auch im Wertewesten – keineswegs der Vergangenheit an. Als Teil des Wertewestens werden nämlich z. B. auch manche islamische Staaten betrachtet, die trotz massiver Benachteiligung von Frauen aktuell enge Freunde Deutschlands sind und sich unter der gegenwärtigen Regierung auf Waffenlieferungen deutscher Hersteller verlassen können. Meine Liste der Menschenrechtsverletzer ist unvollständig.
Trotz der Tatsache, dass hier nicht Fragen geklärt sondern aufgelistet und Antworten bestenfalls angerissen wurden: Wehren Bundesregierung, die sie tragenden Parteien und die Kanzlerin diesen Anfängen?
Das müsste ja ein Handeln beinhalten, das
für einen hohen Grad an materieller Gleichheit unter den Bewohnern des Territoriums sorgt
– militärische Einsätze außerhalb des eigenen Territoriums unterlässt
– die Möglichkeiten demokratischer Entscheidungen außerhalb der Parlamente erweitert durch Volksentscheide, Referenden, Abstimmungen

wirksamen Einfluss der Beschäftigten auf alle Entscheidungen von Betrieben gewährleistet,
– materielle Überschüsse der Produktion zu Gunsten der ganzen Bevölkerung abschöpft.

Medizinische Wissenschaft ist Dienst am Mitmenschen?

Zahlreiche historische Belege gibt es dafür, dass der Erwerb und die Verbreitung von Wissen zum Thema Gesundheit über Jahrhunderte, Jahrtausende durch religiöse Tabus massiv beschränkt wurde. Z. B. waren anatomische Studien verboten, Heilkundige wurden der Hexerei bezichtigt, heilsame Kräuter oder Stoffe wurden/werden wegen berauschender Nebenwirkungen verboten usw. Eine lange Tradition in der heute entwickelt genannten Welt, hauptsächlich in den monotheistisch geprägten Weltgegenden, verknüpft die Fragen körperlicher und psychischer Gesundheit mit den Anforderungen, die religiöse Autoritäten als einen Gott gefälligen Lebenswandel propagieren. Die augeschriebenen und mit religiöser Praxis verbundenen Regeln haben oft einen realen, materiellen, hygienebezogenen Hintergrund, geschöpft aus dem Erfahrungswissen der Menschen. Diese materiellen Bezüge wurden und werden auch dazu genutzt, Machtverhältnisse zu begründen oder zu stabilisieren, denn das Leben der Menschen ist ständig durch vielerlei Einflüsse und Ereignisse gefährdet. Von den Herrschaften, den Regierenden, den Machthabenden wurde und wird im Gegenzug erwartet, dass sie Leben und Gesundheit schützen gegenüber einer gefährlichen Umwelt, zu der giftige pflanzliche Stoffe genauso zählen wie gefährliche Tiere, Blitz und Donner, Dürren und Überschwemmungen oder Krankheiten. Die jeweiligen Herrschaften erwarten, dass dieser geforderte Schutz vergolten wird mit einem arbeitsamen und gottgefälligen Leben, das ihren Wohlstand sichert. In bedrohlichen Situationen wurden und werden die arbeitenden Menschen an die Einhaltung religiöser Riten erinnert, ans inbrünstige Gebet und die Einhaltung von Regeln damit sie Götter, Gott, König oder den Nachbarn nicht erzürnen. Je belastender die geforderten Praktiken, desto größer der individuelle Beitrag zur Rettung aus beängstigender Lage. Steigert das, die individuelle Gesundheit?
Zur Entwicklung medizinischen Wissens, dem medizinischen Fortschritt, hat seit Beginn des wissenschaftlichen Zeitalters eine besondere Wertung in hohem Maß beigetragen: dass nicht alles, was zwei Beine hat, aufrecht geht und spricht ein Mensch ist. Mit der Eroberung der Welt innig verknüpft ist die Annahme, dass andersartige Menschen – solche mit anderer Hautfarbe, anderer Sprache, anderen Gewohnheiten per definitionem keine Menschen sind. Man darf sie einzeln und in Gruppen aus ihrer Heimat wegführen, unterjochen, verkaufen, sich zu Tode schuften lassen, vergewaltigen und nach Belieben maltraitieren – auch als Versuchstiere benutzen wie gegenwärtig z. B. die armen Bewohner Lateinamerikas 5. Deren Risiko bei der Erprobung von Impfstoffen ist ein Beitrag zum Schutz der Bewohner der Industrieländer. Rassismus hilft spätestens seit der Kolonialisierung im 19. Jahrhundert auch dazu, herauszufinden, wieviel Blut ein Mensch verlieren kann ohne zu sterben, wie man in Schlachten verletzte Gliedmaßen so behandelt, dass die Arbeitsfähigkeit auf möglichst hohem Niveau erhalten bleibt, womit man einen Kämpfer versorgen muss, dass ihn in der Schlacht keine Schwäche ereilt. Dazu gehört neben einer Mindesternährung auch die Einschränkung der Tötungshemmung durch propagandsitisch erzeugte Überlegenheitsgefühle, Rauschmittel, Psychopharmaka und die Abwehr der Infektionsgefahren fremder Länder, in denen man eigentlich nichts zu suchen hat.
Es ist kein der medizinischen Wissenschaft innewohnendes Prinzip, zur Gesundheit beizutragen und die Lebenserwartung zu erhöhen. Wie man einen Menschen am besten schützt ist eine andere Frage als die, was man ihm zumuten kann, ohne seine Nützlichkeit zu beeinträchtigen. Die Forschung orientiert sich an diesen unterschiedlichen und einander möglicherweise widersprechenden Fragestellungen. Dem entsprechen die erarbeiteten Ergebnisse.
Das kann z. B. an den derzeit gültigen Regelungen für den Gebrauch von Masken gezeigt werden. Seit Jahrzehnten liegen umfassende Untersuchungen zu der Frage vor, zu welchem Zweck welche Schutzmasken getragen werden sollen oder müssen. Ebenso bekannt ist seit Jahrzehnten, dass jegliche Art von Masken den Sauerstoffaustausch behindert und es daher für ihren Gebrauch zeitliche Beschränkungen geben muss und die körperliche Konstitution der Maskenträgerinnen berücksichtigt werden muss. In Deutschland – sicher auch in anderen europäischen Ländern – schlägt sich das nieder in Vorschriften zum Arbeitsschutz. Trotzdem wird die Frage des Gebrauchs eines textilen Mund-Nasen-Schutzes von den Regierenden und den nachgeordneten Behörden zur moralischen Frage ausgestaltet, überhöht. Einem Teil der Bevölkerung verschafft die Regierung mit dem Aufruf zum Tragen eines MNS das Gefühl moralischer Größe, während sie gleichzeitig weder gewährleisten will noch kann, dass tatsächlich gefährdete Einzelne kostenlos eine Maske erhalten, die ihrem individuellen Schutzbedarf entspricht in den Situationen, denen sie real ausgesetzt sind.
Dabei ist so gut wie allen Menschen klar, dass wesentlich für das unbeschadete Überleben einer Erkrankung – auch einer Verletzung – maßgeblich ist, ob man das Problem zuverlässig erkennt; wie schnell Hilfe zur Stelle ist; wie gut, sinnvoll und zielgerichtet nötigenfalls die medizinische Versorgung und pflegerische Betreuung ist. Die aktuell üblichen PCR Tests zum Nachweis einer Infektion sind keine diagnostischen Hilfsmittel. Die medizinische Versorgung in der Fläche, in unterschiedlichen sozialen Zusammenhängen und materieller Lage wurde in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt. Kassenpatienten, die sich krank fühlen, warten oft wochen-, wenn nicht monatelang auf fachärztliche Untersuchungen. Wer mit massiven körperlichen Beeinträchtigungen leben muss, kämpft in aller Regel mit der Krankenkasse um die Übernahme der Kosten für Hilfsmittel, die das Leben erleichtern. Es wurde nichts unternommen, um ausreichend Personal für Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu werben, zu qualifizieren und angemessen zu bezahlen.
Weder die alltäglichen Gruselnachrichten aus dem Hause RKI in der `tagesschau´ und in `heute´ haben mit diesen Fragestellungen zu tun. Erst Recht nicht die in Abständen auf undurchsichtige Art veränderten Hochrechnungen, Überschlagsrechnungen, Schätzungen von Virologen und Epidemiologen zur Gefährdungslage. Es ist im Rahmen der medizinischen Wissenschaften gar nicht der Job von Virologen oder Epidemiologen, jemanden vor dem sicheren, möglichen oder unwahrscheinlichen Tod zu retten, sondern die Aufgabe der Haus- und Klinikärzte. Diese bleiben in Deutschland konsequent unbefragt.
Wer in Zusammenhang mit wissenschaftlicher Medizin unterstellt, dass deren Anfänge in der Sphäre der Mitmenschlichkeit liegen und sie ihre Wurzeln hat im Streben nach Gesundheit, der irrt. Heilen ist auch ein Erwerbszweig. Dies schon seit Jahrhunderten. Der hippokratische Eid ist in Teilen vergleichbar den Zunftordnungen des Mittelalters. Wer heilt hat 1. Recht und als Arzt – 2. daraus resultierend zumeist ein gutes Einkommen. Wo und wann heilen Virologen? Die momentan herrschende Praxis politisch/verwaltungstechnisch als schutzwürdig definierte Menschen zu einer Impfung zu überreden, ist kein Schutz, sondern ein obrigkeitlicher Eingriff.
Wer im Interesse der Mitmenschlichkeit Anfängen wehren will, der muss:
soziale, materielle und gesellschaftliche Grundlagen für Gesundheit schaffen,
Individuen ermöglichen, die eigene Gesundheit einzuschätzen und Gesundheit und Krankheit zu unterscheiden
sie befähigen Hilfebedarf anzumelden und dessen Befriedigung auch zu erlangen
über die notwendigen materiellen, wissensmäßigen Grundlagen und Fähigkeiten verfügen, die eigenen Abwehrkräfte zu stärken
die Versorgung von Kranken so organisieren, dass zeit- und ortsnahe Hilfe gemäß dem individuellen Bedarf für alle kostenfrei gewährleistet ist.

Der Gesundheitsmarkt

Nicht jeder, der vorgibt an meiner Gesundheit interessiert zu sein und mir Heilung verspricht, wo keine möglich ist, ist ein von Einfühlsamkeit geprägter Helfer. Wo keine möglich ist? Auch die oben angesprochene medizinische Wissenschaft kann den Tod nicht überwinden, sondern im günstigsten Fall oft nur verzögern. Letzteres oft nicht frei von Schmerzen und Belastungen, die für viele nur schwer zu bewältigen sind. Unter Einsatz riesiger Werbemittel werden Mittelchen verkauft, die Menschen Erleichterung versprechen, wo ein paar Tage Bettruhe, Hühnersuppe und kalte Wadenwickel Wunder bewirken. Die Möglichkeit in einem Hospiz gut betreut zu werden erhalten jährlich ca. 33.500 Menschen.6 Fast nur solche, die lange genug auf der Grundlage unhaltbarer Heilungsversprechen dazu beigetragen haben, die Taschen der Pharmakonzerne und ihrer Aktionäre zu füllen.7 Glücklicherweise gibt es noch viele Familien, die gewillt sind, kranken und körperlich eingeschränkten Verwandten zur Seite zu stehen. Noch werden fast 80 % der Pflegebedürftigen Menschen in Deutschland ganz oder teilweise von ihren Angehörigen versorgt.8 Diesen ihre gemeinsam selbstgewählte Aufgabe zu erleichtern bei gleichzeitiger Sicherung der eigenen materiellen Existenz ist ein wichtiger Teil der Gesundheitspolitik.
In der gegenwärtigen Lage werden Menschen als Wissenschaftsfeinde, antiaufklärerische Typen diffamiert, die individuelle, eigene Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit haben. Das hat den Zweck, die Tatsache zu verschleiern, dass das Übergreifen der Marktlogik auf Gesundheit und Pflege nicht den Kranken und Hilfebedürftigen dient, sondern den Profitinteressen der Aktionäre der Pharmaindustrie und privatisierter Krankenhäuser.

  1. Ricarda Huch; Der große Krieg in Deutschland;
  2. https://multipolar-magazin.de/artikel/politische-angst-damals-und-heute
  3. https://www.bundestag.de/resource/blob/190456/f8d637d1039a06a614cff0264f8b5d10/reichstagswahlergebnisse-data.pdf
  4. z. B. Kroatien 1928, Italien 1922 , Spanische Legion 1920, Portugal 1928,
  5. https://www.nachdenkseiten.de/?p=68495
  6. https://www.spektrum.de/news/1-4-millionen-krebstote-fuer-2020-erwartet/1724942;
  7. https://www.dhpv.de/service_zahlen-fakten.html
  8. https://pflegende-angehoerige-ev.de/
    auch interessant:
    https://www.neulandrebellen.de/2021/01/der-lockdown-der-mit-allem-aufraeumt/

Herstellen

Immer wieder stoße ich in der öffentlichen Debatte auf eine Erscheinung, die ich der großen Überschrift „mangelnde Einsicht in die Vorgänge menschlicher Produktion und Reproduktion“ zuordne. Anders kann ich mir manches nicht erklären. Es scheint zur Zeit nicht allein die Tendenz zu geben, Geschichte als überholte Wissenschaft zu betrachten. Mehr und mehr Menschen glauben sogar, dass digitale Kommunikation unter Nutzung elektromagnetischer Wellen einen Echtzeit-Zugriff auf wissenschaftliche Wahrheit und reale Gegenstände ermögliche. Es ist erstaunlich, dass Menschen auf Quantencomputer hoffen, sich Reisen in ferne Galaxien erträumen und dabei verdrängen, dass selbst die Entleerung ihres Darms Zeit braucht. Zeit die einfach vergeht, individuelle Lebenszeit. Zeit, die Menschen verwenden um das eine zu tun und das andere zu lassen: Trinken, Schlafen, Tanzen, Essen, Malen, Waschen, Singen, Backen… .

Stichwort des heutigen Tages: Zeitpläne für Impfungen
Durch die Presse tobt ein Streit zwischen Regierung, nachgeordneten Verwaltungen auf Länderebene, Impfwilligen und Herstellern, Transporteuren, Anwendern von Impfstoffen. Gesucht werden Schuldige daran, dass Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher noch nicht geimpft sind und somit vor dem sicheren Tod gerettet. Ich habe den Verdacht, dass es immer mehr Menschen gibt, die fest davon überzeugt sind, dass zu digital organisierter Zeit das Zaubern zu den grundlegenden Fähigkeiten der Industrie gehört. Mir wurde bisher nicht bekannt, dass irgendein Mächtiger, Politiker oder einer ihrer bezahlten Denker die Wissenschaftlichkeit dieser Denkungsweise infrage gestellt hätte. Das Wort Industrie selbst ist eine sprachliche Neubildung des beginnenden industriellen Zeitalters auf Grundlage der lateinischen Wurzel industrius – industria.1 . Inhaltliche Bedeutung: beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit. Gibt es diese ohne Berücksichtung der Dimension der Zeit?

Wäre die Bereitstellung der von vielen herbeigesehnten Impfstoffe schneller vonstattengegangen in Verantwortung eines der Herren Drosten, Spahn oder Söder? Effizienter? Wer ist für die Fehler verantwortlich? Einer der drei? Alle gemeinsam? Oder vielleicht einzig und allein die Kanzlerin? Gar die Politik, wer und was das auch sei? Vielleicht doch eher z. B. Bill Gates und Elon Musk?

Bis Mitte des vergangenen Jahres wusste die große Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands einschließlich der politisch Verantwortlichen nicht, dass in der letzten größeren Grippewelle KW 40/2017 – KW 20/18 (Zeitspanne von 32 Wochen) nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 25.100 Menschen an Influenza verstarben. Auch Menschen mit Abitur wussten es nicht, die dazu neigen, sich nach Ablegen einer schulischen Prüfung bis ans Lebensende für umfassend informiert und gebildet halten. Der dazu gehörige jährliche Vergleichszeitraum etwa zwischen KW 40/2020 – KW 20/2021 ist noch nicht abgeschlossen. Auch im Winter 2017/18 verstarben eher ältere, alte betagte Mitmenschen – Menschen mit nachlassenden Verstandeskräften, die oft keine Kontrolle mehr darüber haben, was sie essen, ob sie ausreichend essen, ausreichend trinken und Darm und Blase nicht mehr kontrollieren können. Unter derartigen oft `altersbedingt´ genannten Schwächen leidet sicher auch ihre Immunabwehr. Vorgeschädigte Menschen oder solche mit chronischen oder akuten anderen Krankheiten erkranken in den winterlichen Infektionswellen ebenfalls leichter. Dieser Sachverhalt hat im Winter 2017/18 wenig interessiert, obwohl die Medien vielfach über Krankenhausflure berichteten, auf denen in langen Reihen Krankenbetten standen, vorwiegend belegt mit alten Menschen, bei denen schwere Krankheitsverläufe nicht selten sind. An der Schwelle zum Jahre 2021 empfinden sich ca. 70 % der volljährigen Bevölkerung als lebensbedrohlich gefährdet, weil zu wenig Impfstoff da ist, Lieferketten unzuverlässig arbeiten, Kühlbehälter nicht einwandfrei funktionieren, Handlungsanweisungen oder Gebrauchsanweisungen für das Impfen unvollkommen oder unvollständig sind… . Freiwillig werden Masken getragen, damit man sich in diesem Winter solche Bilder nicht ansehen muss. Welchen Anspruch haben diese Leute an die beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit (.s.o.) ihrer Mitmenschen in Produktion und Verteilung? Glauben sie wirklich benötigte oder erwünschte Materialien – hier ein Impfstoff – würden auf Knopfdruck ausgespuckt wie die Semmeln aus dem Backautomaten im Supermarkt? Werden Impfstoffe oder Semmeln im homeoffice hergestellt? Es scheint so manchen Mitmenschen entgangen zu sein, dass nach wie vor die meisten Menschen täglich auf die Arbeit gehen, denn irgendwo müssen doch die Masken genäht werden und nach wie vor der Teig für die Semmeln gemixt. Nur nachts auf ein Bier zum Nachbarn gehen dürfen sie nicht. Das ist gefährlich. Die zur Wissenschaft erklärte Weisheit der Regierenden hat in die Trickkiste des Mittelalters gegriffen und die Liederlichkeit der niederen Stände zur Ursache einer todbringenden Epidemie erklärt. Noch stehen Hexenverbrennungen aus.

Wissenschaft braucht Zeit
Es sind genau diejenigen, die andere der Unwissenschaftlichkeit – esoterischer Gesundheitspraktiken, des Glaubens an übersinnliche Kräfte – bezichtigen, die selbst offensichtlich annehmen, die Industrie könne hexen. Das kann sie nicht. Die Hoffnung auf einen nach Möglichkeit bis heute abend für alle Bewohner Deutschlands ausgelieferten Impfstoff ist nicht weniger und nicht mehr rational als die Annahme, man habe mit einer Stärkung des Immunsystems – Bewegung an der frischen Luft, Vitaminen, ausreichend Nahrung – ganz gute Überlebenschancen. Wobei man dessen eingedenk sein sollte, dass die angebliche Unwissenschaftlichkeit der einen auf Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende alte Erfahrungen der Menschen mit infektiösen Erkrankungen zurückgreift. Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit der anderen beruht auf einem Wissen, das selbst nach 400 Jahren moderner Wissenschaftsgeschichte in Sachen Gesundheit begrenzt und wenig verlässlich ist. Wer meint, er sichere sich das ewige Leben dadurch, dass er sich noch während des Erkaltens einfrieren lässt, hat eine Hoffnung. Diese könnte sich durchaus als falsch erweisen und damit auch die Investition in die wissenschaftlich begründete Überwindung des eigenen Todes mit Hilfe einer zweckgebundenen Lebensversicherung als unrentierlich.

Werkzeuge, Energie- und Zeitaufwand:
Nicht der Gebrauch von Werkzeugen könnte die Grenze zwischen Homininen und Affen abgeben, sondern deren Herstellung. Geklärt ist diese Frage nicht. Zielgerichteter Gebrauch von Werkzeugen ist ein dem Menschen eigenes Verhalten, dessen Entwicklung mit der zeitlichen Dimension verknüpft ist: dem Zeitaufwand für die Suche nach geeigneten Materialien (z. B. Feuerstein), dem Zeitaufwand für dessen Bearbeitung und dem Zeitaufwand für dessen Verwendung zur Sicherung des Überlebens. Das geht nicht in Sekunden! Auch nicht unter den Bedingungen automatisierter, digitaler Produktion. Nicht allein das Abheben eines Spans braucht Zeit, auch der 3-D-Drucker spuckt nicht auf Zuruf von Alexa Gegenstände in den Raum, die er aus der Luft geschöpft hat. Wann sich Nährstoffmassen zu Gegenständen verdrucken lassen, die aussehen wie Brot, wissen wir nicht. Ob ich mir das wünschen soll, weiß ich nicht so recht. Trotzdem tummeln sich im digitalen Kommunikationsraum immer mehr Menschen, die der Hoffnung anhängen, Mensch werde in kurzer Zeit keiner produktiven Arbeit mehr nachgehen müssen, die einen Beitrag dazu leistet, dass er sich mit den Gegenständen versorgt, die er zum Überleben braucht. Sie sind der festen Überzeugung, dafür werde man in Zukunft keine Zeit mehr brauchen – zumindest fast keine.
Mir ist nicht bekannt, ob jemals der Versuch gemacht wurde, den menschlichen Zeitaufwand zu quantifizieren der insgesamt gebraucht wird um aus einem Quantum Getreidesamen ein Frühstücksbrötchen zu machen. Die industrielle Bäckerei bäckt Brötchen schneller. Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der dazu notwendigen Maschinen, der Erntemaschinen, der Transportmaschinen? Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der Hilfsstoffe, die den Herstellungsprozess bis zum Automaten im Supermarkt begleiten, damit er Brötchen ausspucken kann? [Pestizide, Düngemittel, Beiz- und Konservierungsmittel, Schmiermittel, Bindemittel, viele Zusatzstoffe, die wir nicht kennen.]
Meine These: Der Gesamtzeitaufwand für die Herstellung meines Frühstücksbrötchens wird nicht geringer, dadurch dass es andere backen. Es gibt keine zuverlässigen Berechnungen dahingehend, wieviel technisch erzeugte Energie in der ganzen Kette vom Korn zum Brot aufgewandt werden muss, die nicht die menschliche Energie nutzt, die ein Mensch aufbringen kann, wenn er ausreichend gut ernährt ist. Gegenwärtig lebende Menschen halten es für wahr, dass rechnerische Modelle die Realität darstellen und wissenschaftlich sind. Warum rechnet dann keiner nach, wieviel Zeit und Energie 8 Mrd. Menschen aufwenden müssten, wenn sie ihre Brötchen selber backen? Dann hätten wir wirklich einen auf die Realität bezogenen Vergleich der Leistungsfähigkeit von Selbstversorgung und industrieller Produktion. Dass die fortschreitende Arbeitsteilung den Menschen in ihrer Gesamtheit real Arbeit „gespart“ hat, scheint mir nicht hinreichend belegt zu sein.

Mein Verdacht:
Die Herrschenden lassen diesen Sachzusammenhang von ihren Lohnwissenschaftlern und -denkern nicht durchdenken und nicht durchrechnen. Vermutlich weil sonst offensichtlich würde, dass 1000 + x Luxusyachten über die Meere schippern, in denen ein großer Teil menschlicher Energie und menschlichen Zeitaufwandes (= Arbeit im physikalischen Sinn) gebunden ist, den die Bewohner der industriell entwickelten Länder zwar für den Spezialfall Brötchenversorgung – Mist sammeln, säen, düngen, ernten, backen – nicht mehr aufbringen müssen, denen man aber trotzdem weiterhin täglich 8- 10 Stunden fremdbestimmte, nervtötende und manchmal gefährliche Arbeit zumutet. Tendenz steigend für diejenigen, die Arbeit haben. Von der Einsparung ihrer Arbeit haben also allgemein die Menschen nichts, sondern nur die Yachteigner. Am wenigsten haben davon die Menschen , deren Hirse- und Gemüsefelder der Produktion von Ölpflanzen für Treibstoffe, fair gehandelten Rosen und Weihnachtserdbeeren weichen mussten.

Quellen:
1. https://www.dwds.de/wb/Industrie