Höhle, Lehm, Stein und das Geistige

Warum leben Menschen in Höhlen? Weil sie Schutz suchen und es in ihrer Umgebung Höhlen gibt.
Warum leben Menschen in Hütten aus geflochtenen Zweigen und bestreichen sie mit Lehm? Weil sie Schutz suchen und es in ihrer Umgebung Buschwerk und tonige Erde gibt.
Warum leben Menschen in Häusern aus Stein? Weil sie Schutz suchen und es in ihrer Umgebung Steine gibt, die man aufschichten kann.


Das Lebendige
Am Anfang steht die Notwendigkeit des Überlebens, des Überlebens des Individuums und der Art. Beide Notwendigkeiten sind ineinander verwoben, und machen jede individuelle Existenz gleichzeitig zu einer gesellschaftlichen. Das ist keine besondere menschliche Eigenschaft. Es gibt den einsamen Wolf und den Rudelführer – Arten, die den Einzelgänger genauso kennen wie das Herdentier, eine große Vielfalt von Rollen zulassen und gleichzeitig begrenzen. Die Sphäre, in der individuelle und gemeinsame Bedürfnisse abgeglichen werden, ist in hohem Maß konfliktträchtig. Unter Wölfen und unter Menschen. In der menschlichen Geschichte hat sich gezeigt, dass das Fokussieren auf Jenseitiges, vorgeblich Ewiges, menschliche Werte, Höheres, Geistiges, ein gemeinsamer Glaube die Konflikte abfedern, mildern kann. Es wird verwiesen auf eine höhere Instanz, die quasi als Schiedsrichter und über den realen Dingen stehend alles Individuelle und alles Gesellschaftliche leitet, ins rechte Verhältnis setzt, eine Instanz, deren Schiedssprüche anerkannt werden. Es ist unerheblich, ob diese Instanz hauptberuflich die Erde erschaffen hat, den Sonnenwagen über das Firmament zieht oder für unser aller ewiges Leben ihres gelassen hat. Dass die Methode, die innerhalb von Gruppen Gemeinsamkeit stiftet, gleichzeitig dazu verhilft zwischen den verschiedenen Gruppen schlimmste Gewaltausbrüche herbeizuführen, Kriege, ist seit langem bekannt. Es ergeben sich daraus folgende Fragen: Woraus resultiert die Macht der Herrschenden? Haben die hervorgerufenen Gewaltausbrüche ein Ziel? Wenn ja, welches?

Macht und Ohnmacht
Zu dieser Eingangsfrage gibt es Antworten die man in mehreren Traditionslinien bündeln kann:
A:
Herrschaft wird als von einem Gott gestiftete Machtausübung angesehen, die von der Gottheit in die Welt gesetzt wurde, um das Überleben der Gruppe zu gewährleisten. Kritik an der so legitimierten Herrschaft benutzt die Leitlinien der herrschenden Religion selbst als Hebel gegen ausufernde Macht oder unzureichende Erledigung der gottgegebenen Aufgaben, Wahrnehmung der besonderen Verantwortung.
B:
Machtausübung ist Teil des menschlichen Verhaltensrepertoires. Deshalb gibt es auf der psychischen Ebene geeignete Reaktionsmuster, die geeignet sind Macht zu begrenzen. Weniger mächtige Menschen können sich fähig machen -lernen – Mächtige in ihre Schranken zu weisen.
C:
Organisierte Machtausübung setzt Fähigkeiten voraus, die geeignet sind, Hungerperioden zu mildern oder zu verhindern. Macht ist innig verbunden mit der Fähigkeit die Nahrungsmittel zu beschaffen, die das Überleben der Gruppe sichern. Machthabende, die keine Bereitschaft zeigen die gemeinsam erzielten Überschüsse gerecht zu verteilen, werden angefeindet. Dies gilt für Familien, Clans und Völkerschaften gleichermaßen.

Der Menschen Recht
Gibt es eine zeitliche Abfolge dieser Weltsichten oder Traditionslinien, die eine Vorstellung von geschichtlichem Fortschritt begründen? Jede dieser Traditionslinien hat über die Zeit dazu beigetragen, Macht und gewaltsame Konflikte zu legitimieren, dem Gegner eine Verletzung der jeweils eigenen Linie zu unterstellen und dadurch die eigene Gewaltausübung zu rechtfertigen. Keine dieser Traditionslinien birgt in sich eine Tendenz zur Gewaltlosigkeit, die einen absoluten Respekt vor dem menschlichen Leben beinhalten würde.
Wer auch immer gegenwärtig mit der Losung hausieren geht, seine Form der Machtausübung sei die einzig anzuerkennende Form das uneingeschränkte Recht jedes Einzelnen auf ein möglichst langes Leben zu garantieren, der ist kein Wissenschaftler. Jeder einzelne Mensch, seine Gesellschaften und die Herrschenden, die Mächtigen, die Regierenden, müssen das Faktum zur Kenntnis nehmen, dass es Kräfte, Ereignisse gibt, die menschlicher Kontrolle in den von Menschen überschaubaren und gestaltbaren Zeiträumen nicht unterliegen. Seien es die Winde, der Regen, die Temperatur, bakterielle oder virale Mitbewohner auf diesem Planeten, Biber oder Wölfe, fossile Energieträger, die Wellen des Meeres oder Strahlen – der Katalog ist unvollständig und wird unvollständig bleiben. Jeglicher Macht, die sich mit einem Verweis auf überlegene Weisheit und Wahrheit zum Beschützer der Individuen und ihrer Gesellschaften aufschwingt, ist mit Skepsis zu begegnen. Nicht einmal bekennende und praktizierende Christen, die ich kenne, sind frei von Zweifeln an ihrer Religion, an göttlicher Weisheit und Allmacht und der Berechtigung ihres Vertrauen in weltliche religiöse Instanzen. An anderer Stelle habe ich das in diese Sätze gefasst: „Sowohl im Christentum als auch im Islam werden als Mystiker diejenigen bezeichnet, die behaupten, jeder Mensch habe einen eigenen Zugang zur Wahrheit. Der Papst, manche Religionsgelehrte und Mächtige behaupten,  die Wahrheit brauche die Vermittlung durch Experten. In unserer  säkularen Welt sollte man deshalb ganz besonders misstrauisch sein gegenüber denjenigen, die behaupten, die Wahrheit sei etwas, das Experten und dem qualifizierten Personal vorbehalten ist.“

Wissenschaftliche Wahrheit
Die Wissenschaften haben Übereinkünfte dahingehend getroffen, welche Methoden zur Erkenntnisgewinnung in ihrem Gegenstandsbereich gelten. Das schließt jedoch nicht aus, dass gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen eine Korrektur dieser Methoden erfordern. Die Aussage „Was wahr ist, muss wahr bleiben“ ist in Bezug auf wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung nur bedingt richtig, nämlich nur dann wenn in Bezug auf die Erkenntnisse deren Gültigkeitsbedingungen klar beschrieben sind.
Was als gesicherte Erkenntnis gilt ist das Ergebnis zeitraubenden Widerstreits. Was im Vorgriff auf ein mögliches Ergebnis als Grundannahme formuliert und zur Diskussion gestellt wird, ist eines mit Sicherheit nicht: wahr. Es lohnt sich den feinen Unterschieden nachzugehen, die durch die Wörter Vermutung, Hypothese, Annahme, Theorie umrissen werden. Auch die Vermutung einer Wissenschaftlerin bleibt eine Vermutung, so lange nicht viele andere von dieser Vermutung ausgehend Überprüfungsmodelle entwickelt haben, Ergebnisse hervorgebracht und miteinander abgeglichen haben. Deshalb verwende ich im Bereich der Wissenschaft(en) lieber das Wort richtig. Die Unterscheidung hilft klarzustellen, dass die Aussage keine absolute Wahrheit darstellt, sondern für bestimmte Gegenstände unter bestimmten Umständen gilt. Der Philosoph Ludwig Wittgenstein spricht in diesem Zusammenhang von Wahrheitswerten. Es ist eine Anmaßung wenn Faktenchecker genannte Experten sich als Wahrheitsbesitzer ausgeben. Erst Recht dann, wenn es sich um gesellschaftsbezogene Aussagen handelt, die im günstigsten Fall als wahrscheinlich richtig angenommen werden, weil sie von vielen Menschen, meistens den herrschenden, geteilt werden. Die Durchsetzung gesellschaftlicher Wahrheiten mit diktatorischen Mitteln ist weit verbreitet, sobald die Propaganda zu den damit verbundenen Wahrheiten nicht mehr greift.

Meinen Mitmenschen rufe ich zu: „Viel Spaß bei der Wahrheitsfindung und der Kontrolle der gedachten, vorgestellten und praktizierten Abwege, ihr Kronen der Schöpfung!“

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