Vor einem Runden

Man kann sich seines Lebens freuen so lange es dauert, ohne sich ständig einreden zu müssen, es währe ewig oder nach mir kämen noch 300 Mio. Jahre Menschheit, für deren Zukunft ich Verantwortung trüge. Ich kenne diese Haltung, aus der Zeit der Schwangerschaft und der Kindheit meiner Tochter. Da gehört sie auch hin. Alles hat seine Zeit…
Z. B. hat ein Altersgenosse ein tolles Händchen dafür, Augenblicke in Bildern festzuhalten. Ich backe gerne und genieße jede Scheibe eines neuen Brotes, weil keines schmeckt wie das andere. Ich habe auch keine Veranlassung, meine Geschmacksnerven vor Riesling, Grauburgunder, Bacchus und Silvaner zu schützen, weil irgendwelche Organe nicht mehr mitspielen. Auch das finde ich toll. Mir ist es sogar gelungen – toi,toi,toi – meiner Trägheit ein Schnippchen zu schlagen und täglich ein gewisses Pensum zu gehen, weil ich seit meiner Kindheit das Radfahren nicht mag. Lieber 10 km zu Fuß als 3 mit dem Rad. Von mir aus kann das noch ein paar Jahre so gehen. Von einem Krieg würde ich mich dabei sehr ungern überraschen lassen. Deshalb kümmere ich mich da noch.
Warum das alles zustande kommt? Weil die Menschen wie die meisten anderen Viecher zu 99,9 % gleich sind – und damit sie sich gegenseitig nicht langweilen, unterscheiden sie sich in 0,1 %. Solange man die anderen nicht für minderwertigere Exemplare hält als sich selbst, ist das in Ordnung.

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