Schutz und Kontrolle

Je länger die Zeitspanne dauert, in der alles Erdenkliche zu meinem Schutz unternommen wird – ich befinde mich im „Risikoalter“ für eine durch einen Virus verursachte Erkrankung – desto verdächtiger wird für mich der Gebrauch des Wortes „Schutz“. Ich kann es einfach nicht trennen von den sog. W-Fragen. Wer schützt wen, wovor, warum, wann?

Ein wesentliches Ziel von Erziehung ist es doch, junge Menschen dazu zu befähigen, achtsam zu sein.

– Sie müssen lernen, ihre eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf andere einzuschätzen
– Sie müssen lernen, die Befindlichkeit anderer wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf sich selbst einzuschätzen
– Sie müssen lernen ihre eigenen Interessen wahrzunehmen und die anderer, damit sie im gesellschaftlichen Leben eine Entscheidung darüber fällen können, ob sie die eigenen durchsetzen wollen oder die anderer respektieren.
– Sie müssen lernen reale, materiale Risiken wahrzunehmen und einzuschätzen: die Hitze der Herdplatte, die Höhe der Leiter, die Tiefe des Wassers…

Das Be-schützen beinhaltet Handlungen, die einen noch unmündigen jungen Menschen vor Risiken bewahren, die er noch nicht übersehen kann. Tagtäglich müssen Erziehende darüber entscheiden, in welchem Umfang das Beschützen notwendig ist und welche Handlungen es am besten unterstützen, wenn gleichzeitig dem Prozess der Verselbständigung des Einzelnen entsprochen werden soll. Wenn staatliche Instanzen den Anspruch anmelden mich, eine Erwachsene, eine sog. mündige Bürgerin beschützen zu wollen, schrillen bei mir die Alarmglocken.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s