Das brennende Haus

Ich habe einen Text wiedergefunden, den ich vor Jahren verfasst habe – vor allem für Fans revolutionärer Umbrüche. Seit 1989 gibt es solche nämlich in wachsender Zahl. Sie bedenken nicht mehr, dass Umbrüche in aller Regel mit Verlusten an Menschenleben verbunden sind und mit großer materieller Unsicherheit. Auch dann, wenn man auf Guillotinen verzichtet. Visionäre Hoffnung ist nur eine Seite, eine Perspektive auf die möglichen Ereignisse. Diese sind nämlich unkontrollierbar.

zum Text

Assoziationen

Gestern hat in unserem Ort Linda Gail Lewis mit Chris Aron & the Croakers gespielt. Musik aus der Zeit meiner Kindheit und frühen Jugend, wo wir langsam lernten, dass die Bevölkerung der Vereinigten Staaten lange nicht so frei war wie angenommen. Am Umgang unserer Befreier mit „Gottes zweiter Garnitur“ auf deutschem Boden war unschwer zu erkennen, dass Rassismus nicht „typisch deutsch“ ist – wie manche heute immer noch gerne glauben. Die Suche der Militärpolizei nach in die Illegalität abgetauchten Draft-Resisters aus amerikanischen Kasernen in Deutschland tat nach 1964 ein übriges. Seitdem verfolge ich die Außenpolitik der USA mit einer gewissen Aufmerksamkeit.

[Willi Heinrich, Gottes zweite Garnitur, 1962]

betr.: Julian Assange

Nur weil Streckbänke nicht mehr üblich sind, kann man nicht behaupten, es gebe keine Folter mehr. Die (Widerstands)Kraft von Menschen zu brechen – dafür gibt es inzwischen vielerlei Methoden.
Foltermethoden werden angewandt gegen alle möglichen „Verdächtigen“. Verdächtig werden ist nicht so schwer wie sich manche denken. Julian Assange ist einer von möglicherweise vielen Fällen, in denen anerkannte, vorgeblich rechtsstaatliche Institutionen Vorwürfe konstruieren, die missliebige Meinungen unterdrücken sollen. Während in Deutschland auf breitester Front gegen Rassismus gekämpft wird, besser: gegen das, was manche dafür halten, schleichen sich durch die Hintertür Zustände ein, die sich Orwells 1984 annähern. Oder auch „Fahrenheit 451“. Noch werden keine Bücher verbrannt, aber Information wird so gut es geht unterdrückt. Quellen, Autoren, Texte werden als wahrscheinlich unwahr an den Rand der gesellschaftlichen Debatte verschoben, etc.
Julian Assange ist ohne jeden Zweifel ein Kämpfer für Transparenz des Handelns von Regierenden und Herrschenden. Was mit ihm gemacht wurde und noch gemacht wird hat der UN-Berichterstatter Nils Melzer öffentlich kritisiert. Berichtet wird über Melzers Kritik nur selten.

Interview mit Nils Melzer