L´optimisme

»Ich war jetzt ein paar Jahre nicht in Urlaub, weil ich gespart habe. Heuer geht´s 3 Wochen nach Mexiko zum Wale gucken. Wer weiß wie lange es sie noch gibt.«

Eine Nachbarin in Deutschland, etwa im Jahre 2013 n. C., ca. 160.000 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten einer `Homo Sapiens´genannten Spezies

Völlig unabhängig davon, wie viel Geld sie zusammengespart hat: Mit Sicherheit hat sie allein mit den geschätzten 730 l Kerosin als persönlichem Anteil am Verbrauch des Düsenclippers ein höheres Quantum an CO2 freigesetzt als es 10 Urlaube an der Ostsee mit sich gebracht hätten. Weil sie und andere dies noch können – dieses und im `Tropical Island´ baden, bis Ostern auf künstlich beschneiten Pisten Skifahren und auf einem Traumschiff um die Welt fahren – sind die meisten der Mitmenschen in meiner näheren Umgebung, ähnlich wie Voltaires Candide, der festen Überzeugung, sie lebten in der besten aller möglichen Welten. Völlig ungeachtet aller wahrgenommen realen Ereignisse.
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Dummheit vs. Vernunft

Ein Richter setzt einen Rechtsterroristen auf freien Fuß. Die Enkelin eines nationalsozialistischen Ministers äußert sich dümmlich zum Klimawandel. Ein amtierender Gesundheitsminister bewertet ebenso sachkundig die soziale Sicherheit von Arbeitslosen. Es folgt in allen Fällen ein Sturm der Entrüstung, der die aufgeführten Personen des öffentlichen Lebens zu Dummen erklärt.

Weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Entrüsteten bleibt die Zahl der täglich durch Krieg, Hunger und Flucht umkommenden Menschen. Die breite Öffentlichkeit nimmt schon seit Jahrzehnten die durch Ressourcenkämpfe und geopolitische Machtkämpfe verursachte Zahl von Toten nicht mehr zur Kenntnis. Größte Aufmerksamkeit hingegen finden in der Bevölkerung die vermutlich durch Feinstaub, Lärm, erhöhte Blutfette oder Zucker in Limonade und Joghurt herbeigeführten vorzeitigen Todesfälle. Manche Menschen erreichen die durchschnittliche Lebenserwartung von 81 Jahren nicht.
Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Betrieben, 240 waren es im Jahr 2016, darf hierzulande vernachlässigt werden. Ebenso die im Jahr 2016 erfolgten 2698 Neuverrentungen nach Unfällen im Arbeitsleben. Keiner Rede wert sind die Menschen, die nach längeren Heilungsprozessen und Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr arbeitsfähig sind. Deutschland fürchtet sich vorm Terrorismus [23 Tote durch Anschläge in 2016, tote Täter mitgezählt] und beklagt virtuellen Hass, Verrohung und Respektlosigkeit gegenüber Polizisten.

Die herrschende Wirtschafts- und Eigentumsordnung, die weltweit jährlich unzählige Tote und Verletzte verursacht und auch die eingangs erwähnten, vehement kritisierten Figuren hervorbringt – diese Ordnung wird ohne jeden Zweifel für vernünftig gehalten.

„Gegen Rechts“ – Eine politische Mode

Wöchentlich erreichen mich einige Mails, die mich auffordern, mich doch an einer Aktion „Gegen rechts“ zu beteiligen. Ich halte mich für eine historisch leidlich informierte Antifaschistin.  „Gegen rechts“ sagt mir nichts.  Vor allem dann nicht, wenn diese Losung verbunden wird mit Wörtern und Worthülsen zu deren inhaltlicher Bestimmung man im kleinen Kreis – etwa am Küchentisch – mehr als die Nacht nach dem Abendessen bräuchte: Nation und Nationalismus; Hautfarbe und Rassismus; Judentum und Antisemitismus;  Trump und der Antiamerikanismus ; Weltkriege und Militarismus; koloniale Ausbeutung und Imperialismus; …
Antifaschistin werde ich  bleiben, bis man mich waagrecht hinaustragen muss. Aber bei „Gegen rechts!“ werdet ihr mich nicht  finden.  Bei „Für links!“ schon. Warum, das habe ich hier zusammengeschrieben.