Geldschwemme in der Bundeskasse

Artikel und zugehöriger Kommentar in meiner Tageszeitung haben mich heute mal wieder zu einer Stellungnahme veranlasst. Auch meine Silberlinge tragen zur Bundeskasse bei. Den auf eine Stimme für die Partei DIE LINKE verweisenden Schluss werden sie mir wahrscheinlich wieder streichen….

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Urlaubsidyllen

Bild: Eigenes Bild des Ortes Nisyros aus dem Jahr 2003  – Die Insel Nisyros ist heute, mehr als 40 Jahre nach meinem ersten Besuch, immer noch nur per Fähre erreichbar. Die topographischen Gründe dafür werden sich – glücklicherweise – nicht ändern.

Nach dem Ende der griechischen Militärdiktatur  machte ich 1975 zum ersten Mal Urlaub in der Ägäis. Transportmittel: Europabus und Fähren.  Das Armenhaus jenseits des Tellerrandes der damaligen EWG  lockte mit  billigen Preisen für Unterkunft und Verpflegung – auch für Ouzo und Retsina –  und mit der wichtigsten Zutat zum Urlaubsglück : einer schier grenzenlosen Gastfreundschaft. Diese Gastfreundschaft wurde auch getragen von der Hoffnung, die Überlassung des eigenen Schlafzimmers an Sommergäste –  die Familie schlief derweil unterm Moskitonetz im Garten – werde sich erweisen als erster Schritt zu einem kleinen Wohlstand. Das Frühstück in der Küche bestand aus griechischem Mokka mit Wasser, trockenem Weißbrot und kandiertem Obst aus dem eigenen Garten.

Was für ein Idyll für die ersten Touristen aus den entwickelten Teilen Europas: Familien, die rund um den öffentlichen Platz, in der Nähe der Basilika alle zusammenwirkten um gemeinsam in ein besseres Leben durch Tourismus zu starten: Der kleine Jorgos  wieselte mit „Greek Coffee“  auf einem runden Tablett, getragen an einem Henkel,  vom Elternhaus zur bunten Ansammlung wackliger Tischchen auf dem Marktplatz. Seine Großmutter saß im Schatten und putzte die Bohnen für das Abendessen, das man sich in Dimis Küche anschauen konnte, bevor man durch Deuten mit dem Finger bestellte. Nach  dem Aufenthalt am menschenleeren Strand setzte man sich zu den Alten, lernte Tavli spielen und feierte mit Ouzo oder Retsina die Völkerverständigung.

Wer sich genauer umschaute erfuhr, dass der Weinbauer nebenher Sandalen verkaufte, die sein Cousin fertigte. Der  Schneider servierte vor der Werkstatt  Kaffee und Tee und die von seiner Frau gemachten Baklava. Den jungen Mann, der abends bei Dimi bediente, sah man tagsüber auf der Ladefläche des dreirädrigen Lieferautos mit den Gasflaschen für die Energieversorgung der Küchen. Bedurfte man ärztlicher Hilfe suchte man am späten Nachmittag die Ambulanz auf und traf dort am Schreibtisch der Patientenaufnahme das Mädchen, das einem am Vormittag am Kiosk die Papastratos verkauft hatte. Der Doktor sprach Englisch, auch ein paar Ältere, die es im Bürgerkrieg gelernt hatten und gerne mal über Politik diskutierten.  Jeder half natürlich auch dem Bruder bei der Melonenernte und anderntags dem Schwager beim Auslegen der Netze unter den Olivenbäumen. Das Brot backte am frühen Morgen im mit Holzkohle  beheizten Ofen der Yannis. Er verkaufte es dann frisch bis gegen 10 Uhr vormittags.  Der gleiche Yannis, der danach dem Panagiotis beim Ausladen und Schlachten seiner frisch gefangenen Fische half. Den Kramladen für Konserven, Zucker und Kurzwaren führte nebenher Eleni. Sie kam irgendwo aus dem Haus, sobald die Ladentür quietschte. Manchmal hörte man sie auch bloß rufen. Dann konnte sie gerade für ein paar Minuten von ihrer anderen Arbeit nicht weg. Die kandiertenTomaten und die Seife, die sie im Laden verkaufte, stellte sie nämlich selbst her.

Wir hingegen kamen aus einer wirtschaftlich viel weiter entwickelten Welt, in der alles seine Ordnung hatte. Bei uns putzten Großmütter kein Gemüse für andere, sondern sie hatten eine Rente. Arbeiter hatten etwas gelernt und blieben lange in der selben Firma. Dass beinahe jeder mit irgendetwas handelte, mit Honig, mit selbst gesammelten Gewürzen, mit handgewebten Taschen… das gab es bei uns seit langem nicht mehr. Wir waren ja ein fortschrittlicher rundum industrialisierter Sozialstaat. Selbst in den Dörfern der Mittel- und Hochgebirge gab es Arbeit z. B. in der Porzellan- und Textilindustrie oder in den ausgelagerten Betriebsstätten von Siemens, Bosch und AEG . Die  Hausfrauen stiegen  im November und im Dezember früh um 5 in den Werksbus um  bei der „Quelle“ ein paar Mark Weihnachtsgeld zusätzlich zu verdienen.

Gestern habe ich beim Spaziergang Anzeichen dafür entdeckt, dass wir uns gegenwärtig  dem früheren griechischen Idyll nähern. Die Industrie ist weg. Auch der winterliche Nebenerwerb in der  „Quelle“. In der aufstrebenden Tourismusgemeinde am kleinen künstlichen „See“ betreibt der Rentner nebenher eine mobile Forellenräucherei und erledigt abends noch schnell ein paar Getränkelieferungen. Die Frau des Landwirts, den  die Ausgleichszahlungen für Brache und Gründüngung über Wasser halten,  bietet  im „Geschenkelädla“ selbstgestrickte Socken an, selbst gebastelten Deko-Nippes und selbst gekochte Marmelade.  Der Facharbeiter mit 58 Jahren bezieht wegen Werksstilllegung nach Sozialplan ein Übergangsgeld und seine Frau betreibt im gerade abgezahlten Haus eine kleine Änderungsschneiderei. Der Maurer hat sich mit zwei Kumpels, einem Exschreiner und einem Ex-Gärtner, selbstständig gemacht und erledigt für die wachsende  Zahl der, manchmal auch zugezogenen, alten Einwohner alle Arbeiten rund ums Haus. Der einzige Unterschied zum griechischen Idyll: Sie alle kennen sich nicht und wohnen nicht  rund um den Marktplatz. Ihre wirtschaftliche Situation jedoch ist sehr ähnlich. Im Deutschen  fasst man diese Lebensweise der niederen Schichten in der Redewendung: „Wir kommen so über die Runden“.

In der Ägäis kann Panagiotis vom Verkauf seines Fangs,  geschlachtet von  Helfer Yannis, nicht mehr leben. Dimis Küche und die geflochtenen Stühle auf dem Marktplatz gibt es nicht mehr, weil europäische Normen das Betreten von Küchen zur Speisenauswahl verboten haben. Der „Feta“ für den Bauernsalat kommt jetzt aus der Käserei Bayreuth e. G. .  Eleni kann ihre kandierten Tomaten zum Frühstück nicht mehr verkaufen, weil es in den Bettenburgen ein  Frühstücksbüffet mit dänischem Speck, Heinz Baked Beans und deutschen Eiern gibt. Auch die Ambulanz gibt es nicht mehr, wer ärztliche Hilfe braucht, muss vorher auf die Bank.

In den  strukturschwachen Gebieten Deutschlands  werden immer mehr Menschen von   „Tourismus-Perspektiven“ erfasst.  Deswegen haben sie alle ein bisschen Hoffnung…  . Bald wird es in dem neuen Hotel  wenigstens Saisonarbeitsplätze geben mit niedrigen Löhnen und dann – dann geht´s wieder aufwärts! Schon immer war  auf sich stolz, wer ohne Sozialleistungen  „über die Runden kam“.  Wir haben ja immerhin den Standard des damaligen griechischen Idylls, während in Griechenland die Menschen, die heute in der boomenden Tourismusbranche arbeiten, nicht wissen, wie sie über den Winter kommen sollen. Deshalb glauben sie fast alle der Frau Merkel,  wenn sie sagt „Uns geht´s gut.“

„Unsere“  freie Marktwirtschaft  hat schon längst  bewiesen, dass sie ihr Wohlstandsversprechen nirgendwo hält. Böse, kritische Ökonomen behaupten, sie könne es gar nicht halten.  Der Tourismus blüht bei uns in den mühsam mit öffentlichen Mitteln gepäppelten Naturresten  oder in den „renaturierten“ Industriebrachen. Die Finanzindustrie lebt von den Ratenkäufen des  Rentners, der 2000 € in die mobile Fischräucherei investiert hat und von den Krediten für das 100-Betten-Hotel, denen bald eines mit 200 Betten folgen soll. Der Verkäufer des Geländes für das Vier-Sterne-Hotel mit Wellnessangebot und Thermalbad legt den Erlös, aufgestockt durch ein paar Kredite,  in neuen erstklassigen Ferienwohnungen an. In allen Ländern der Welt gibt´s jetzt  mindestens 10 + x   Menschen mit  wirtschaftlicher Macht, die systematisch ihre frühere Heimat,  die Welt und alle ihre Bewohner ausnehmen. Diese Oligarchen wohnen allerdings nicht mehr wie früher auf ihren weltbekannten privaten Inseln. Sie halten sich aus steuerlichen Gründen fast das ganze Jahr über in internationalen Gewässern auf – entweder auf ihren eigenen Yachten oder in ihrer Suite auf einem der  luxuriösen „Kreuzfahrtschiffe“, die mit Lieschen Müllers „Aida“ und den Landausflügen mit dem Bus nicht das geringste gemein haben.

Uns geht´s gut. Wir haben Urlaub. Wir sehen die Flüchtlinge nicht – nicht  die Steuerflüchtlinge in ihren schwimmenden Luxussuiten  und auch nicht die ertrinkenden Armutsflüchtlinge. Wir laufen vom Zeltplatz aus entspannt um den künstlichen See, genießen die saubere Luft und auf dem Bänkchen am öffentlichen Uferweg die Spätsommersonne. Mittags  gönnen wir uns am Ständchen des Rentners  ein Brötchen, belegt mit geräucherter,  zartrosa Lachsforelle aus dem See, denn dafür reicht das Urlaubsbudget.  Den Rentner freut´s und uns auch. Ist das Leben nicht schön?

 

 

Kleiner Vor-Wahlen-Dialog

Wenn ich schon „Mutti „höre wird mir übel, sie arbeitet gegen ihr Volk. ..wie lange noch? ?? –

Das geht so lange wie „ihr Volk“ darauf hofft, von den Regierenden und Mächtigen bemuttert zu werden, statt den Versuch zu machen, sich selbst zu regieren!

Was ist schon bedingungslos?

Ich weiß. Gerade in der Politik ist es weit verbreitet, Wörter ohne Bedeutung zu verwenden, einfach weil sie schön klingen, das Herz anrühren, der Persönlichkeit schmeicheln und v. a. m. .

Kaum zu überbieten ist allerdings die Gedankenlosigkeit der Befürworter eines sog. bedingungslosen Grundeinkommens. Mit diesem Text verabschiede ich mich deshalb aus einer gesellschaftlichen Debatte, deren inhaltliche Bedeutungslosigkeit infolge von Begriffsausweitung ins Grenzen-, Boden- und Uferlose  die Umsetzung meiner zwei grundlegen Kernforderungen für menschliche Gesellschaften massiv behindert.

Diese lauten:

Jeder, der Arbeit will,  muss eine Arbeit bekommen, die seinen Interessen und Fähigkeiten entspricht und ein auskömmliches Leben erlaubt.

Alle, denen die gesellschaftlich notwendige Arbeit eine Last ist, haben das Recht sie ohne Begründung zu verweigern  ohne ihr Recht auf Glück zu verlieren.

Beide Rechte müssen gesellschaftlich garantiert werden. Die aktuelle Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen missachtet das Recht derer, die eine Arbeit wollen, indem sie das Recht auf Arbeit ersetzt durch ein Recht auf Alimentation.

zum Text

Ich frag einfach mal..

Manche empfinden das Folgende vielleicht nicht als politisches Problem. Ich schon. Die Gesellschaft in der wir leben (müssen) wird nämlich gemacht. Von wem? Mit wessen Zustimmung? In wessen Interesse?

Glauben Sie, die Auskunft „Das lohnt die Reparatur nicht.“ beruht immer auf Sachkenntnis?
Wer macht die Ärmel des Mantels von Otto kürzer, wenn Sie kein Gardemaß haben?
Wie kommen Sie zum Facharzt, wenn es zum Ort seiner Praxis kein öffentliches Verkehrsmittel gibt?
Wie viele Kilometer wären Sie zu Ihren frischen Frühstücksbrötchen unterwegs, wenn Sie die Mühe in Kauf nähmen?
Wie lange haben Sie gebraucht und wie viel Geld haben Sie aufgewendet um die notwendigen Voraussetzungen für Ihre elektronische Steuererklärung zu schaffen?
Wie lange braucht per Post Ihr persönlicher, handschriftlicher Gruß an die entfernt wohnende Tante im Seniorenheim, die sich so sehr darüber freut?
Wie lange warten Sie auf einen Facharzttermin?
Wie viel Zeit und Geld haben Sie aufgewendet, um für sich die Möglichkeit des Homebankings zu schaffen, weil es an Ihrem Wohnort/in Ihrer Nähe keinen Bankschalter mehr gibt?
Wer hat Ihnen beigebracht, wie Sie den Überweisungsautomaten im Bankraum bedienen müssen, um ab und zu mal etwas zu überweisen? Wie lange hat es gedauert?
Wie lange suchen Sie im Internet nach einer Pauschalreise, weil sie keinem Mitarbeiter eines Reisebüros mehr sagen können, was Sie sich vorstellen?
Wie viel Geld mussten Sie vorab ausgeben, damit Sie überhaupt ein e-book lesen können?
Wie oft haben Sie schon Waren zurückgesandt, weil anscheinend die Qualitätskontrolle heute der Kunde selbst macht?
Warum erreicht Sie heute so viel gedruckter sprachlicher, rechtschriftlicher und grammatikalischer Müll?
Wie erklären Sie sich, dass bald im 2-3000-m²-Supermarkt die Waren nicht mehr von 8 – 20 Uhr dasselbe kosten?

Haben Sie´s gemerkt? Die Arbeit, die anderen nicht mehr angeboten wird, machen SIE nach Ihrer Erwerbsarbeit. SIE lernen mit den Qualitätseinbußen zu leben. SIE versuchen mit erheblichem Zeitaufwand herauszufinden, wann ihre Lieblingsschokolade am günstigsten ist, die Busfahrt oder das Benzin. Warum? Weil digital automatisiert und algorithmisiert größere Profite zu erzielen sind als durch Dienst am Kunden. Muss man das als Fortschritt empfinden? Muss man wirklich den Ideologen Recht geben, die behaupten, es ginge nicht anders?

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht mit wie viel Zeit und Geld Sie als Bürger und Kundin in Vorleistung treten, damit für den Lieferanten oder die Behörden alles einfacher, schneller und billiger geht? – Was sich aber seltsamerweise in IHREM Geldbeutel weder als billiger bemerkbar macht, noch IHNEN Zeit spart.

Geld teilen?

„Für 222 Mio. € kann man entweder einen Fußballer kaufen oder 5.276.919 Kinder ein Jahr lang ernähren.“

„Mit den 40 Mrd. Strafzahlungen der internationalen Banken könnte man 5.276.919 Kinder 180 Jahre lang ernähren.“

Wird erkennbar dass hier Milchmädchen am Werke sind?

Mit Euros und Dollar auf Speichermedien aus Papier oder seltenen Erden kann man überhaupt niemanden ernähren – nur mit Getreide, Bohnen oder Speck. Diese würden gegenwärtig für alle aufrecht gehenden Zweibeiner reichen. Es geht nicht ums Geld, sondern ums Teilen.

Wer meint, mit dem Verteilen von Geld sei etwas geändert, ist dem kapitalistischen Glauben schon auf den Leim gegangen.

Wahlkampfmodus

Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, mich hier um Wahlen und mögliche Wahlausgänge nicht zu kümmern. Voraussichtlich werde ich die nächsten Jahre jedoch weiterhin unter einer Kanzlerin Merkel leben müssen – entweder in der Kombination schwarz/gelb, in der Kombination schwarz/rosa oder schwarz/grün, vielleicht auch schwarz/gelb/grün. Vor diesem Hintergrund sehe ich mich nun doch veranlasst Wahlwerbung zu machen, wie schon öfter in meinem Leben Wahlwerbung für eine möglichst starke, voll funktionsfähige Opposition. Der Wahltag nähert sich und damit läuft auch die Zeit ab, in der deutsche Sozialdemokraten  temporär vortäuschen, sich den Problemen der arbeitenden Menschen zuzuwenden. Weiterlesen „Wahlkampfmodus“