Wahlen in Frankreich

Bildquelle: BillFromTheHill at German Wikipedia, transfered from de.wikipedia by W like wiki.Own work (Original text: Selbstgemacht aus File:Europa geografisch map

Gerade in die elektronische Post gegeben:

Leserbrief zu den Wahlen in Frankreich, Berichterstattung des KURIER vom 08.05.

„Auch wenn Marine LePen erwartungsgemäß in Frankreich keine Mehrheit erreicht hat – einen Grund zum Aufatmen haben weder Franzosen noch Europäer. Mit Emmanuel Macron hat sich eine Person durchgesetzt, die in Frankreich entschieden sog. Arbeitsmarktreformen à la Schröder voranbringen will und gemeinsam mit Deutschland weiterhin dem Europa der Banken Vorrang gibt gegenüber einem Europa der Menschen. Er hat auch mehrfach erklärt, dass er bereit ist, diese Veränderungen, genauso übrigens wie Trump, im Bedarfsfall per Dekret mit präsidialer Macht, durchzusetzen. Der Sieg Macrons ist also verbunden mit zunehmender materieller Unsicherheit für die Mehrheit der französischen Bevökerung. Wie wir aus unserer eigenen Geschichte wissen, ist das immer eine Steilvorlage für eine nationalistische und rassistische Politik.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird sich der Sieg über LePen als Pyrrhussieg erweisen, der die soziale Spaltung Europas vergrößern wird. Das macht aber nichts. Solange die innereuropäischen Steuersparmodelle und der daraus resultierende Sozialabbau funktionieren, geht es „uns“ gut. Alles nicht so richtig gelogen, denn wer weiß schon, wer „uns“ ist. Das nämlich ist der grundfalsche Kern der meisten Fake-News: das „Uns“. Mindestens 50 % der europäischen Bevölkerung gehören zum „Uns“ nicht dazu.“

 

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Selbstbild-Überprüfung

Nicht zu fassen, wie viele Tests es mittlerweile gibt, die es dem individualistisch entarteten Menschen der Postmoderne ermöglichen, seinen politischen Standort, wenn schon nicht zu finden, dann wenigstens zu erfahren. Nur „Erkenne dich selbst“ in der BRIGITTE war schöner.

Mäuseland

Die hier wiedergegebene  Geschichte vom Mäuseland wird unter anderem auf Tommy Douglas (1904 -1986) New Democratic Party of Canada zurückgeführt. Gefunden habe ich sie heute auf den „Nachdenkseiten“.

In Fabeln und Parabeln lässt sich unsere gesellschaftliche Realität gut abbilden, finde ich. Die Geschichte selbst lässt erkennen, warum ich die Geschichte „Mäuseland“ mit einer  Katze bebildere.

Das Mäuseland

Dies ist die Geschichte von Mäuseland. Mäuseland war ein Ort, an dem all die kleinen Mäuse lebten und spielten, geboren wurden und starben. Sie lebten eigentlich ganz so, wie du und ich.

Sie hatten sogar ein Parlament. Und alle vier Jahre gab es eine Wahl. Sie gingen an die Urnen und gaben ihre Stimmen ab. Ganz so, wie du und ich. Bei jeder Wahl gingen also all die kleinen Mäuse zahlreich an die Wahlurnen und wählten eine Regierung. Eine Regierung von großen, fetten, schwarzen Katzen.

Jetzt mögt ihr denken, daß es seltsam sei, wenn Mäuse sich Katzen als Regierung wählen, aber betrachtet nur einmal die Geschichte Kanadas der letzten 90 Jahre, und ihr werdet vielleicht erkennen, daß sie nicht viel dümmer waren als wir.

Ich will gar nichts gegen die Katzen sagen. Das waren nette Leute. Sie führten die Regierungsgeschäfte mit Würde. Sie machten gute Gesetze – das heißt, gut für Katzen. Aber waren die Gesetze auch sehr gut für Katzen, so waren sie doch eher schlecht für die Mäuse. Eines der Gesetze besagte, daß ein Mäuseloch groß genug für eine Katzenpfote sein mußte. Ein anderes legte Geschwindigkeitsbegrenzungen für den Lauf der Mäuse fest, so daß eine Katze sich für ihr Frühstück nicht allzusehr anstrengen mußte.

All die Gesetze waren gute Gesetze. Für Katzen. Aber Ach! Wie hart waren sie zu den Mäusen! Das Leben wurde schwerer und schwerer. Als die Mäuse es nicht länger ertragen konnten, beschlossen sie, etwas zu unternehmen. Also zogen sie in großer Zahl zu den Wahlen. Sie wählten die schwarzen Katzen ab. Stattdessen wählten sie die weißen Katzen in die Regierung.

Die weißen Katzen hatten eine großartige Kampagne geführt. Sie sagten „Was in Mäuseland fehlt, sind politische Visionen!“ Sie sagten „Das Problem in Mäuseland sind diese runden Mäuselöcher die wir hier haben. Wenn ihr uns wählt, werden wir rechteckige Mäuselöcher einführen.“
Und das taten sie. Und die rechteckigen Mäuselöcher waren doppelt so groß, wie die runden. Nun konnte eine Katze mit beiden Pfoten hineinlangen. Das Leben wurde schwerer als je zuvor. Als sie es nicht mehr ertrugen, wählten sie die weißen Katzen ab und setzten die schwarzen Katzen wieder ein. Dann wählten sie wieder die weißen Katzen, dann wieder die schwarzen. Sie versuchten es mit zur Hälfte schwarzen und weißen Katzen. Das nannten sie Große Koalition. Sie wählten sogar eine Regierung aus gepunkteten Katzen: Das waren Katzen, die versuchten wie Mäuse zu klingen, doch sie ernährten sich genauso wie die anderen Katzen.

Seht ihr, Freunde, das Problem hatte nichts mit der Farbe der Katzen zu tun. Das Problem war, daß es Katzen waren! Und weil es Katzen waren, kümmerten sie sich natürlich um die Interessen der Katzen, statt um die der Mäuse.

Schließlich jedoch, war da eine kleine Maus, die hatte eine Idee. Und sie wandte sich an ihre Artgenossen und sprach „Schaut Freunde! Warum wählen wir immer wieder eine Regierung, die nur aus Katzen besteht? Warum wählen wir nicht stattdessen eine Regierung aus Mäusen?“ „Oh!“ riefen die Mäuse erschreckt, „Er ist ein Kommunist! Sperrt ihn ein!“

Und so sperrten sie ihn ins Gefängnis.

Aber ich will euch daran erinnern: Daß man eine Maus oder einen Menschen einsperren kann, eine Idee aber nicht!