Wer oder was ist eigentlich populistisch?

Die Roten, die Blauen, die Schwarzen, die Gelben, die Grünen?

Leider lässt der Eintrag im Duden zum Stichwort Populismus nicht erkennen, welche Begriffsgeschichte das Wort bis heute hinter sich brachte. Immerhin, schon 1980 wurde das Wort eines Eintrags für würdig befunden. Bis etwa 2005 als eine voreilig vom damaligen Kanzler herbeigeführte „Protestwahl“ das Parteiensystem umstürzte, kannte ich es als Fachbegriff für Herrschaftsstrategien, die dazu dienten, das Volk bei der Stange zu halten, z. B. „Brot und Spiele“.
Unter Mitwirkung der Fachleute von der Bundeszentrale für politische Bildung gelang es danach binnen kurzer Zeit diesem Begriff eine neue Richtung zu geben. Fortan verwendete man das Wort nicht mehr um Herrschaftsstrategien vergangener Zeiten zu benennen oder auch aktuelle, wie die Kombination von RTL 2, gepaart mit dem Schüren von Politikverdrossenheit. Dem Wort wurde ein neuer Sinn gegeben. Es gilt nicht mehr „herrschende Bösewichte kaufen sich ein blödes Volk“, sondern „gewiefte und selbstsüchtige Feinde unserer Demokratie stacheln unbedarfte Massen dazu auf, sich gegen die wohlmeinende Mehrheit zu wenden“. Eine neue Gefahr für unsere Demokratie war geboren: Verführer die den Bürgerinnen und Bürgern in einfachen Worten die Welt erklären wollen, die doch eigentlich nur von den sachkundigen und objektiven Experten des Open Society Fund, der Initative soziale Marktwirtschaft oder der Atlantikbrücke richtig erklärt werden kann.

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„Wer weiß denn sowas?“ (ARD)

oder:

Medien bilden.

Hurra! Ich weiß was „biodeutsch“ ist. Ein Fachwort, das wieder einmal im Dunstkreis von wiki-irgendwas jemanden gefunden hat, der es trotz seiner Halbwertszeit von 6 Monaten für wichtig hält. Und selbstverständlich hat wieder einmal wiki-irgendwas die Deutungshoheit – wie bei vielem Schwachsinn, der digital verbraten wird.

Ohne Wiki-irgendwas hätte ich jetzt nicht gewusst, dass das Grundwort „Deutsch“ ist und das Bestimmungswort „Bio“. (Grundschule, 3. Jahrgang; liest sich natürlich nicht so gut wie „Determinativkompositum“) . Ich wüsste auch nicht welche tonangebenden Experten, Journalisten, journalistischen Experten, Verfasser von Bachelor-Arbeiten, Vorsitzende von Vereinen zum Schutz aller Lebewesen ( Bestimmungswort Bio) oder aller Deutschen (Grundwort deutsch) oder 10-20 jährige Polit-Aktivistinnen es für nötig halten, dieses Wort zu benutzen. Nie im Leben hätte ich mir seinen (Un)sinn zusammengereimt, obwohl mich politisch nichts mehr treibt, als von Pubertierenden verstanden zu werden.

Deswegen halten mich auch manche für eine (Links-)Populistin. Begrifflichkeit nachzuschlagen unter wiki… . Obwohl aus meiner Sicht Populist*innen diejenigen sind, die nicht  Einfaches vernebeln, sondern vermeintlich Kompliziertes einfach erklären wollen. 

Wer die Frage beantworten kann, warum ein Deutschamerikaner nicht Amerikadeutscher heißt und ein Deutschtürke nicht Türkeideutscher, hat´s begriffen. Ist mir ein Rätsel, wie ich vor ein paar Jahren die letztere Frage beantworten konnte – ohne wiki…irgendwas. Vielleicht weil ich nicht vergebens die Grundschule besucht habe.

Persönliche Geschichte

Ich habe den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits nicht aufgegeben, um mir jetzt erzählen zu lassen, nach Merkel, unserer Wertegemeinschaft und der westlichen Zivilisation könne nichts mehr kommen. Es könnte ein ganz dickes Ende kommen, ein solches oder  ein anderes. Ich tu was ich kann für ein ganz anderes.

 

Das Sektenwesen – Buchempfehlung

Das Bild stammt von Hanno Böck und zeigt Robert Kurz auf dem attac Kapitalismus-Kongress 2008.

Robert Kurz; DIE ANTIDEUTSCHE IDEOLOGIE; Vom Antifaschismus zum Krisenimperialismus: Kritik des neuesten linksdeutschen Sektenwesens in seinen theoretischen Propheten; Unrast Verlag; 2003

Dass ich mich 2017 im Vorfeld des Bundestagswahlkampfs veranlasst sehen würde, zu einem Buch zu greifen, das sich mit den »Antideutschen« auseinandersetzt, wäre mir angesichts des seltsamen, bemüht intellektuellen Jargons der Korinthenkackerinnen auf einer PDS-Landesmitgliederversammlung in Bayern (2005?) nicht  in den Sinn gekommen. Anders als von mir erwartet hat sich diese Art linker Marotten, so sah ich es damals, nicht verwachsen oder verflüchtigt, sondern der Einfluss dieser lose miteinander verbundenen Gruppe nahm zu.

Robert Kurz schrieb 2003 in seinem Vorwort : »Dieses Unternehmen geht mit einer perfiden geschichtspolitischen Strategie einher, die das Grauen von Auschwitz dafür instrumentalisiert, die proimperiale Konversion der Antideutschen abzusichern und die radikale Linke in pseudo-moralische Geiselhaft zu nehmen. Das ist allerdings nur möglich, weil diese Linke auch mehr als ein halbes Jahrhundert nach dem Ende des Dritten Reiches den Zusammenhang von Kapitalismus, Antisemitismus und deutscher Geschichtskatastrophe noch immer nicht ausreichend geklärt hat. Daß der begriffliche Apparat des traditionslinken Denkens an dieser Aufgabe scheitert, wird von den Antideutschen ausgenutzt, um den NS von der Modernisierungsgeschichte abzulösen und die bürgerliche Subjektform zu verteidigen.
Eine konsequente Kritik der antideutschen Ideologie ist also deshalb gefordert, weil in diesem Denken exemplarisch der begriffliche Verfall und die analytische Insuffizienz einer obsolet gewordenen linken Theoriegeschichte zum Vorschein kommen. Es geht darum, ob die Weichen in der radikalen Linken der BRD für eine Erneuerung emanzipatorischer Kritik über das arbeiterbewegungsmarxistische Paradigma hinaus gestellt werden – oder für einen endgültigen Rückfall in die Affirmation kapitalistischer `Vernunft´ und `Zivilisation´, die nichts anderes darstellt als den Interessenstandpunkt des männlichweißen westlichen Metropolensubjekts in der Weltkrise des modernen warenproduzierenden Systems.«

2017 gibt es Anlass zu befürchten, dass die Vor-,  Mit- und Nachläufer dieses »neuesten linksdeutschen Sektenwesens«, wie Robert Kurz es nennt, in den anstehenden Krisenjahren dazu beitragen werden, dass die Profitinteressen die Oberhand behalten. Drohende autoritäre Antworten auf die Krise des kaptalistischen Weltsystems ( → Immanuel Wallerstein) dürfen wir nicht zulassen. Die antideutsche Ideologie erschwert nicht allein wegen ihrer ideologischen Dummheit sondern auch wegen ihrer politischen Blindheit in hohem Maß das Bilden handlungsfähiger inhaltlicher Mehrheiten gegen Profit und Profiteure. Ich muss mich notgedrungen mit ihnen auseinandersetzen.
»Es hat einige Überwindung gekostet, dieses Buch zu schreiben.« So beginnt  Robert Kurz seinen Band von 276 Seiten. Heute, im Januar 2017, geht es mir ähnlich. Über diesen Link ist eine Art Zusammenfassung, erreichbar: geraffte Darstellung des Inhalts     Lesende mögen mir eine möglicherweise fehlerhafte Diktion nachsehen. Sie ist die Folge einer Übersetzungsanstrengung.

In drei Abschnitten setzt sich Robert Kurz mit dem auseinander, was er `antideutsche Ideologie´ nennt. … Weiterlesen „Das Sektenwesen – Buchempfehlung“