Mein gerechter Zorn

Beitragsbild: By Soluvo (talk) (originally created by Julian Claus), via Wikimedia Commons

Heute hat er mich gepackt, der gerechte Zorn. Hier ist meine überarbeitete Antwort zu lesen an einen, der meint, die Annahme widersprüchlicher Klasseninteressen sei ein alter Hut. Er ist ja leider nicht der einzige „aufgeklärte Bürger“, der damit hausieren geht.

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Menschentierrechte

Die Akzeptanz für die Skandalisierungen der Organisation PETA ( People for the Ethical Treatment of Animals) wäre vielleicht größer, würde diese auch Menschen als schutzwürdige Wirbeltiere mit Schmerzempfinden betrachten.

Wo bleiben gesetzliche Verbote für Arbeiterintensivhaltungen?

intensiv   Quelle: wikicommons

„Populist!“

„Wie mies muss eigentlich eine Kandidatin der herrschenden Klasse sein, um unter diesen Bedingungen und mit diesen Machtressourcen gegen einen politisch unerfahrenen Aufschneider und Rabauken wie Trump zu verlieren?“ schreibt Rosalux auf FB zur Ankündigung eines Aufsatzes von Ingar Solty „Der amerikanische Brexit-Moment. “

Ich frage anders:

Wie mies muss eigentlich eine LINKE und eine Linke sein, die über Monate hinweg aus alter Gewohnheit eine miese demokratische Kandidatin unterstützt?

Weiterführend frage ich: Wie sind eigentlich LINKE und Linke für die Wahlen 2017 aufgestellt, wenn sie sehr häufig deutlich erkennen lassen, dass ihnen zu den rechts-tumben Auslassungen der abgehängten Hälfte nichts Besseres und Hilfreicheres einfällt als „Rausschmeißen“, „Maul halten“ und alle zu Faschisten zu erklären, die in einem kleinen Punkt möglicherweise die falsche Sprache verwenden?

Woher kommt es wohl, dass noch während ich dies schreibe in meinem Ohr eine Mickymausstimme tönt: „Querfront! Querfront! Querfront!“

The day after …

Wie schön, dass die guten Amerikaner*innen ab Januar  einen  hässlichen Präsidenten haben. Wir müssen jetzt nicht weiter darüber nachdenken, welchen Anteil  „aufgeklärte Linke“ daran hatten, dass er gewählt wurde. Auch nicht darüber, wie wir 2017 schwarz-blau verhindern. Wir werden ab 20. Januar immer wissen, wer schuld ist. Und das politically correct!

ἰδιώτης

oder

Darauf zu hoffen, dass andere meinen Demokratiebedarf  decken, ist naiv.

 

Das Wort Idiot „leitet sich vom griechischen ἰδιώτης (idiotes) her,[1] das wertfrei bis heute in etwa `Privatperson´ bedeutet. Es bezeichnete in der Polis Personen, die sich aus öffentlichen-politischen Angelegenheiten heraushielten und keine Ämter wahrnahmen, auch wenn ihnen das möglich war.“ [wikipedia]

Ich halte es für angemessen die Menschen so zu bezeichnen, die unter relativ demokratischen Verhältnissen ihre Bürgerrechte nicht ausüben und darüber klagen, dass andere – Politiker, Organisationen, bezahlte Experten – ihren Interessen nicht Rechnung tragen. Wen, was ich meine? Ich füge drei Beispiele an. Die aufgeführten Fälle sind  in meinem persönlichen Umfeld so aufgetreten. Ich nehme an, dass sie jedem Leser bekannt vorkommen.

  • Ich wurde als Nichtmitglied um Unterstützung gebeten für ein Anliegen von Menschen, die einer Kirche angehören, für diese Beträge entrichten, aber mit einer Entscheidung des Kirchenvorstandes bzgl. des technischen Ablaufs von Trauerfeiern, nicht einverstanden sind. An der Wahl der Mitglieder dieses Vorstandes haben sie sich nie beteiligt.
  • Menschen, die zwar einen Beitrag für eine Gewerkschaft entrichten, am Leben der Gewerkschaft aber nicht teilnehmen, also auch nicht mitentscheiden über die Besetzung haupt- oder ehrenamtlicher Funktionen, beschweren sich über Positionen und Handlungsweisen der Gewerkschaften. Auch manche Betriebräte interessiert  nämlich nur, was einen unmittelbaren Bezug zu dem Betrieb hat, in dem sie selbst beschäftigt sind.
  • In meinem Ort als Einwohner gemeldete Menschen beschweren sich über die kostenträchtige Umgestaltung gemeindlicher Immobilien und Grundstücke, waren aber noch nie auf einer Bürgerversammlung, die sich mit diesen Fragen beschäftigte.

Das alles ist nicht weiter schlimm. Wollte man sich um alles kümmern, was einen betrifft, bliebe selbst unter der Bedingung, den eigenen Lebensunterhalt nicht verdienen zu müssen weder Zeit zum Essen noch zum Schlafen, von Muße will ich gar nicht reden. Es wird also jeder eine Auswahl treffen, entlang von dem, was er für besonders wichtig, weniger wichtig, zu  vernachlässigen hält. Ich werde damit leben müssen, dass ich den Angelegenheiten, die ich für mich nicht selbst regeln kann oder will, mit dem zufrieden sein muss, was andere für mich tun. Andere sind nicht von Amts wegen berufen, meine Interessen wahrzunehmen, während ich selbst meine Priorität bei der Gartenarbeit, beim Brotbacken oder beim Fernsehkrimi setze. Da es aus meiner Sicht kein Gemeinwohl gibt sondern bestenfalls einen gemeinsamen Willen, können auch meine bezahlten Angestellten, die Mandatsträger oder Vorstände einer Partei, ohne mein Zutun nicht wissen, was sie zu tun und zu lassen haben.

Alle müssen ihre Interessen einbringen, damit darüber mehrheitlich entschieden werden kann. Das macht Mühe, ohne jeden Zweifel. Spare ich mir diese Mühe und mandatiere  andere, muss ich mit der  Realität leben, dass  andere dieses Mandat möglicherweise anders ausüben, als ich es gern hätte. Selbst wenn ich meine Interessen klar formuliert habe, gibt es keine Garantie dafür, dass andere sie teilen. Es ist nicht per se undemokratisch, dass meine Vorschläge nicht angenommen werden.

 

 

„postfaktisch“

Den/die dafür verantwortlichen Wortschöpfer sollte man am Schlafittchen packen, und mit dem das Resthirn enthaltenden Körperteil gegen die Bettkante schubsen. Das könnte vielleicht ein Einsehen dafür vermitteln, dass nicht die Fakten verschwunden sind, sondern die Wahrnehmungfähigkeit.