Freihandel

LB CETA:

zu: KURIER vom 28.10.2016 und „Trunk warnt…“ S. 1 und Tagesthema S. 4, „Wallonen bessern bei CETA nach“.

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Experten

Jeder, der einen Geldbeutel hat, hält sich für einen Wirtschaftsfachmann.

Jeder, der unter Einflussnahme von Erwachsenen volljährig wurde, hält sich für einen Bildungsfachmann.

Der Sachverstand mancher akademisch ausgebildeter Experten dieser Fachgebiete ist nicht besser entwickelt. Im Gegenteil: Sie finden deshalb so hohe Anerkennung, weil ihre Expertise für die erstgenannten ohne schmerzbehaftete Gedankenarbeit einsichtig ist.

Einfach irre…

Beitragsbild: Screenshot

Gerade lief ein Fernsehspot, der Otto Normalverbraucher Kleinkredite zu 0,0 %  andient.

Der Dachdecker, der sich regelmäßig nach dem Winter um die Frostschäden an unserem Schieferdach kümmert, beklagt, dass er keine Kredite zur Erneuerung seiner Gerätschaften bekommt.

Banken müssen für ihr  bei der EZB geparktes  „Geld ohne Verwendung“ Strafzinsen zahlen.

Der buchmäßige Reichtum der oberen Zehntausend wächst minütlich.

Ein 74-jähriger Mann rollt durch sein Amt, kichert vor sich hin und nuschelt „I hob Recht.“

Es ist an der Zeit. – Wofür?

Bildquelle: David Flam; vintage: boy dressed in uniform: über flickr [ https://www.flickr.com/photos/freeparking/494295686 ]

„… die alte Friedensbewegung ist eben hauptsächlich eins: alt“

Was  soll mir diese Formulierung aus den Reihen des linken Nachwuchses unter 35 sagen? Über den stilistischen oder polemischen Nutzen  von Tautologien will ich mich  nicht weiter auslassen.  Was aber treibt einen, einen der als Linker gesehen werden möchte,  dazu,  Alter – wovon auch immer –  für ein inhaltliches Argument zu halten?

Nach 2,6 Mio. Jahren von Gewalt begleiteter Menschheitsgeschichte, könnte es im beginnenden 21. Jahrhundert doch langsam modern werden, auf Gewalt nicht nur  im Umgang unter Individuen weitgehend zu verzichten, sondern auch zwischen menschlichen Kollektiven. Ausgerechnet einer mit „linkem Anspruch“ polemisiert angesichts eines drohenden 3. Weltkriegs gegen die sich langsam  wieder formierende Friedenbewegung mit einer Anspielung, die sowohl Bertha von Suttner als auch Rosa Luxemburg zu von der Zeit hinweggespülten altmodischen Figuren erklärt. Er polemisiert, indem er auf die Scharen grauer Häupter anspielt, die zur Zeit noch die Friedensdemos prägen. Einsatz für den Frieden als politische Aktivität einer glücklicherweise infolge biologischer Prozesse bald zur Vergangenheit gehörende Altersgruppe von Ex-Soldaten, Kriegskindern, Kriegswaisen, Kriegerwitwen, Kriegsversehrten? Tausende von Generationen haben sich wo immer möglich den „Werbern“ entzogen oder sogar  aufgelehnt gegen die Mächtigen, die in ihrem Eigeninteresse ihre Untertanen massenhaft in den Tod schickten.  

Der massenhafte Tod auf unzähligen Schlachtfeldern, an unzähligen Orten. Das ist wirklich alt! Uralt! Sowas von uncool, oder wie auch immer der aktuell unter 35-Jährige zu sagen pflegt.

Soll es jetzt „links“ wirklich modern werden, an der Seite der demokratischen Streitkräfte der freiheitlich westlichen Welt statt für Gott und Vaterland die Menschen im Interesse der Verwirklichung ihrer eigenen Rechte totzuschlagen? Lebt ein moderner Linker in der Vorstellung, dass militärische Disziplin sich in der „Nach-Postmoderne“ –  die Zeitalter lösen sich  ja schneller ab als ich denken kann  – zum Ausdruck demokratischer Diskussionskultur verwandelt? Macht dieser moderne Linke tatsächlich Politik unter der Prämisse, dass die gewählten Chefs demokratischer Staaten in vollem Bewusstsein ihrer schweren Verantwortung unter schlimmsten Seelenqualen militärische Einsätze vorbereiten, die der Sicherung des Friedens und der Freiheit der Völker dienen?  

Die abschließende Formulierung Wenn wir Militarismus kritisieren, müssen wir das überall tun.“ lässt mich annehmen, dass „moderne Linke“ keine Interessen mehr kennen,  diese deshalb auch nicht mehr analysieren müssen und sich daher auch Lösungsvorschläge  für reale Interessenkonflikte sparen können.

Es lebe der Appell! Moralisten aller Länder vereinigt euch!

„sich verändern“

Meine Enkelin Nina (1 Jahr, 8 Monate) hat mich gestern etwas gelehrt. Wie?

Da der Rechner ausgeschaltet war, ließ ich sie zunächst gewähren als sie begann wie eine Große auf  der Tastatur zu arbeiten. Die Art wie sie es tat, ließ mich dann doch um meine Tastatur fürchten. Ich nahm sie weg und legte sie an einen für Nina nicht zugänglichen Ort. Ich hatte die Rechnung ohne Nina gemacht: Sie fand heraus, wo ich die Tastatur versteckt hatte und laute Unmutsäußerungen sollten mich dazu bewegen, sie wieder dahin zu legen, wo Nina sie bedienen konnte. Ich lenkte Nina ab und deckte die Tastatur nun wirklich so zu, dass diese völlig ihrem Blick entzogen war. Sie war „fort“.

Auch erwachsene Menschen, selbst ihre Organisationen, „funktionieren“ nicht anders.

Deshalb ist äußerste Vorsicht geboten, wenn jemand behauptet, etwas habe „sich verändert“. Ohne Handeln interessierter Kräfte verändert sich nichts! Sobald die Veränderung wahrgenommen wird, erhebt sich Geschrei. Dann muss für Ablenkung gesorgt werden. Währenddessen kann etwas dazu unternommen werden, was die Wahrnehmung dieser Veränderung vergessen lässt. Die Aussage: „Das ist fort.“ lässt nicht einmal mehr Unmut aufkommen, geschweige denn laute Empörung.

Nichts verändert sich, ohne dass es verändert wird. Unter Menschen, vor allem unter Politiker*innen, ist die Redeweise beliebt: „Wir müssen unser Wollen und Handeln den Gegebenheiten anpassen, die `sich verändert´ haben.“  Das ist  vielleicht nicht eine glatte Lüge, aber diese Redeweise verschleiert, wer verändert hat und sorgt dafür, dass die Wahrnehmung der Veränderung aus dem Gedächtnis verschwindet. Ein solches Vorgehen ist hochgradig manipulativ.

 

 

 

Urteil

Ich verlinke hier auf einen Artikel meines Lieblings-Juristen Prof. Dr. Thomas Fischer in der ZEIT. Er bespricht einen Fernsehfilm der ARD, den ich mir nicht angesehen habe, weil mein Programmheft mich zu einem Vorurteil  bzgl. des Films anstiftete.

Film, Darbietungsweise und Zuschauerbeteiligung leisteten anscheinend  genau das, was ich erwartet hatte: Die Erzeugung gesunden Volksempfindens auf  Grundlage der umfassenden Unkenntnis der Zuschauer.

Zur Nacharbeit von Thomas Fischer in der ZEIT

Thema Friedenspolitik

In der Nummer 193 der Zeitschrift „Arbeiterstimme“ ist ein Aufsatz erschienen, den ich hiermit mit Zustimmung der Arbeiterstimme zur Verfügung stellen möchte.

Abschrecken, rüsten, Krieg führen

Die „Arbeiterstimme“ verdient eine größere Verbreitung, Bestellmöglichkeiten kann man dem Kopf des Artikels entnehmen oder hier finden:  www.arbeiterstimme.org  .

Die „Arbeiterstimme“ halte ich für ein „Muss“ für alle, denen eine dialektisch-materialistische Analyse gegenwärtiger Zustände wichtig ist.