Werner Ruf: Der Islam – Schrecken des Abendlandes

Zur Vorstellung des Verlags

„Eine theologische Debatte führt notwendigerweise immer zur grundlegenden Frage des Umgangs mit den Texten, deren Bewertung und angenommenen Relevanz. Doch »der Islam« ist weit davon entfernt, eine einheitliche Religion zu sein, vielleicht noch mehr als es das Christentum ist mit seinen katholischen, evangelischen, orthodoxen,koptischen und den zahlreichen nahöstlichen Kirchen, seinen evangelikalen Sekten etc. Die ernsthafte Behandlung dieser Frage würde also zwangsläufig auch in eine Auseinandersetzung mit den beiden großen Glaubensrichtungen des Islam, Sunna und Schi°a, führen wie zur Behandlung der vier großen Rechtsschulen des Islam und den unzähligen Formen des Volksislam, die sich vom subsaharischen Afrika über den Vorderen Orient, den zentralasiatischen Raum bis in die Südsee ziehen.“ (Seite 27)

Was sich gegenwärtig gerne selbst als Religionskritik/Spezialfall Islam darstellt, erfüllt den vorgeblichen Anspruch in  aller Regel nicht.  Religionskritik begnügt sich nicht mit  der Herausstellung von Widersprüchen innerhalb kanonisierter Texte, erst Recht nicht mit einer  Zusammenstellung von „Stellen“, die geeignet sind, die eigene Perspektive zu unterstützen. Religionskritik zeichnet die Entwicklung der als heilig betrachteten Schriften nach,  und bezieht dabei das gesellschaftlich- historische Umfeld ein, in dem diese entstanden und in denen die Inhalte immer von Neuem interpretiert wurden. Die Kritik betrachtet auch die Wechselbeziehungen zwischen den Gläubigen und einer andersgläubigen Umgebung im Lauf der Geschichte und analysiert evt. vorhandene Organisationsstrukturen und die Aufgaben der in ihnen tätigen Menschen. Wer sich auf „den Islam“ bezieht, konstruiert in Wirklichkeit „Essentials“, die mehr darüber aussagen, wie der Kritiker den Islam sieht als über die Glaubensinhalte der in Frage stehenden Religion. Der Autor Werner Ruf geht dieser Konstruktion eines einigen und einheitlichen Islam nach. Er  kennzeichnet sie als  neuen Versuch,  bürgerliche Herrschaft über die Abwehr innerer und äußerer Feinde zu stabilisieren, wenn nicht sogar zu überführen in ein autoritäres, nach außen aggressiv vorgehendes Regime.  Wer auch immer „den Islam“ als vorgestellte Gesamtheit kritisiert, sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass er sich damit möglicherweise implizit in den Dienst bürgerlicher Herrschaft stellt.

Im Punkt 10 werden islamkritische Akteure und Medien vorgestellt. Die Besprechung islamkritischer Postkarten in 10.5. bestätigt meinen Eindruck, dass diese manchmal inhaltlich und formal als in der Tradition des „Stürmer“ stehend anzusehen sind.

 

 

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