Boxheimer Dokument

Für die Wilhelm-Leuschner-Stiftung habe ich 2007 das Boxheimer Dokument aus der Fraktur der Zeitung  in der es veröffentlicht wurde, in heute gut lesbare Schrift übertragen. Ich stelle es hier zur Verfügung.  Die Folgepünktchen im hier wiedergegebenen Text sind so enthalten. Werner Best  hatte den Text als Diskussionspapier vorgelegt.

Boxheimer Dokument

„uneingeschränkte sexuelle Selbstbestimmung“

Gerade wieder gelesen: „Für ein uneingeschränktes Recht auf sexuelle Selbstbestimmung“. Blödsinn, der zur Zeit unter „Schwestern“ leider Konjunktur hat.

Weiterlesen „„uneingeschränkte sexuelle Selbstbestimmung““

Brexit

Bild: Screenshot „Guardian“ online

Gestern hat sich eine knappe Mehrheit der Briten für den „Brexit“ entschieden.Die britische Tageszeitung „Guardian“ stellte dazu vor einigen Minuten die Frage:

„How did UK end up voting to leave the European Union?“

Die wahrscheinlichen Antworten werden mit europäischer Politik nichts zu tun haben. Es ging ja nicht um europäische Ökonomie, nicht um europäische Demokratiedefizite, nicht um das europäische Grenzregime …. nur um symbolisch aufgeladenes Taktieren zwischen links und rechts in Großbritannien. Sobald die Menschen das dort und in anderen Ländern begriffen haben, werden wahrscheinlich europäische Regierungen zukünftig nicht von 50-60 % der Wahlberechtigten bestimmt werden, sondern von 30. Was manche als Sieg direkter Demokratie feiern, könnte sich als Abschaffung der bisher verbliebenen Reste der parlamentarischen entpuppen,  als Festigung der ohnehin fast unangefochtenen Herrschaft des obersten Prozents. Cui bono? Cameron hat doch nicht versehentlich das Referendum eingeleitet, oder?

Rassismus – wo fängt er an?

Vorsicht: Das von pixabay heruntergeladene kostenlose Bild  zu diesem Beitrag arbeitet mit bildlichen Rassestereotypen! Ich habe lange überlegt, ob seine Verwendung moralisch vertretbar ist. Das Bild ist unter dem Namen „continents“ veröffentlicht. In welcher Beziehung die verwendeten Stereotype zu den Kontinenten und ihren Bevölkerungen stehen ist unklar. Deshalb nehme ich mal an, seine Verwendung ist gerechtfertigt.

oder

Hätte man Darwins Forschung und Theorieentwicklung vielleicht verbieten müssen?

Das Unterscheiden ist die Mutter jeglicher Wissenschaft. Manche Menschen können allerdings Differenzieren (Unterscheiden) nicht von Diskriminieren (Abwerten, Herabsetzen) unterscheiden.

Weiterlesen „Rassismus – wo fängt er an?“

Religiöse und andere Überzeugungen

Es gibt unter religiösen und kirchlich organisierten Menschen welche, an deren Fähigkeit zu vernünftiger Überlegung man zweifeln muss, sicher auch welche, die zu kriminellem Verhalten neigen oder zu Wahnvorstellungen.

Leider gilt der Umkehrschluss nicht. Unter Religions- und Kirchenkritikern ist der Anteil an Dummen, Krimininellen und Irren nicht geringer.  Damit ich auch von diesen gut verstanden werde: „Ein Kirchenaustritt nützt dir gar nichts, du Depp.“

Hurra! Immer mehr Veganer*innen!

Bildquelle: eigenes Foto

„Besser essen im Kampf gegen den Hunger  der Welt.“

„Guter Mampf statt Klassenkampf“

Von Tag zu Tag absurder: Im veganistischen Kampf gegen den Hunger in der Welt verzehren immer mehr Menschen hierzulande leberfreie Leberwurst, eifreie Backwaren,  Bio-Smoothies aus Wasser und kleingehackten, industriell und pestizidfrei angebauten „Wild“kräutern … . Dabei ist Ernährung so einfach: Hirsebrei mit einer Prise Salz pro Topf, vielleicht ein Apfel und, absolut zwingend, ein  Glas sauberen Wassers. Das oder Vergleichbares in ausreichender Menge fehlt gegenwärtig mindestens 10 % der Weltbevölkerung.

Sich von denaturierten Nahrungsmitteln üppig zu ernähren als individueller Beitrag gegen den Hunger –  ein nicht zu überbietender Zynismus der Satten.

 

 

 

 

Hände auf die Bettdecke!

Bild: Screenshot eines Ausschnitts des Artikels im Nordbayerischen Kurier vom 20. Mai 2016

Nicht nur meine Lokalzeitung übernahm vom evangelischen Pressedienst in Baden-Württemberg eine Meldung, nach der ein Verwaltungsgericht bestätigte, dass ein 12-jähriger zu Recht die Schule wechseln musste,  weil er durch sein Fehlverhalten die Fünftklässlerin „`in nicht unerheblichem Maße sexuell belästigt und beleidigt und so das Recht auf deren sexuelle Selbstbestimmung und deren Ehrgefühl verletzt‘ habe. Es spiele dabei keine Rolle, dass er sein Verhalten nach eigener Aussage nur  `als Spaß´ angesehen und das später auch gegenüber der Elfjährigen so bezeichnet habe.“

Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ist  zu begrüßen, weil die Entscheidung der Schule anerkannt, bestätigt, wurde. Das könnte die Wahrnehmung  pädagogischen Ermessens durch Schulen stärken.

Was ich weniger gut finde: Warum maßt sich ein Verwaltungsgericht an, die sexuell bezogene Handlungsweise eines Kindes öffentlich mit strafrechtlichen Kategorien zu bewerten? Zu Recht kann in Verfahren, bei denen Kinder betroffen sind oder aussagen, phasenweise die Öffentlichkeit ausgeschlossen werden. Warum wird kindliches Verhalten, dem man pädagogisch Grenzen gesetzt hat, vor einem Verwaltungsgericht an die Öffentlichkeit gezerrt?

Mir ist sofort dieses Lied von Ludwig Hirsch eingefallen: Spuck den Schnuller aus        Welchen Spielraum wollen wir Kindern lassen, die auf dem Weg zu einer selbstbestimmten Sexualität sind? Ich habe mich an die Zeit meiner eigenen Doktorspiele erinnert. Ab welchem Alter soll das Spiel „Windelstriptease“ in den Bereich gerückt werden, der rechtlicher Verfolgung ausgesetzt ist? Machen sich Eltern schwerer Verstöße gegen ihre Fürsorgepflicht schuldig, wenn sie ihren Kindern Freiräume lassen, auch Freiräume für sexuelle Erfahrung? Es geht unter etwa Gleichaltrigen doch nicht um Missbrauch und persönliche Würde, sondern um kindliche Unbefangenheit. Ab welchem Alter  kann oder darf  die nicht mehr unterstellt werden? Ab welchem Alter ist kindliches Verhalten in strafrechtlichen Kategorien zu bewerten? Ein 12-Jähriger, auch ein möglicherweise allgemein verhaltensauffälliger Schüler, ist eines auf keinen Fall: strafmündig. Ganz gleich, was er anstellt.

Was reitet einen evangelischen Pressedienst, dieses Verfahren einer breiten Öffentlichkeit zu vermitteln mit Nennung des Aktenzeichens? Man muss dabei doch davon ausgehen, dass dem so ans Licht der Öffentlichkeit gezerrten Kind an keiner Schule seiner Wohnregion mehr ein glückliches Leben beschieden sein wird. Ein 12-jähriger wird mit dem Label  „Sextäter“ versehen. Wie lange ihn diese Zuschreibung verfolgen wird, in welchem Ausmaß sie seine Entwicklung beeinträchtigen wird, ist nicht absehbar.

Der Bericht lässt mich befürchten, dass wir nicht mehr weit entfernt sind vom Revival einer pädagogischen Praxis in der Kinderhände ans Bettgestell gebunden wurden, um „Schlimmes“ zu verhindern.  Was vor Jahrzehnten als  Befreiung gedacht war, das öffentliche Reden über Sexualität, scheint sich in sein Gegenteil zu verkehren: Das der  Privatsphäre entrissene sexuell bezogene Verhalten selbst von Kindern wird öffentlich durch Hinz und Kunz bewertet. Die  vermeintlichen Täter werden nicht mehr vom Strafgericht zur Rechenschaft gezogen, sondern durch Mobbing und Shitstorms gerichtet.

 

Das Burkiniverbot von Neutraubling

By Giorgio Montersino from Milan, Italy (cool burkini) [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons

Möglicherweise ist DerekButter ein Alias. Derek jedenfalls schreibt heute  in der Online-Ausgabe meiner Tageszeitung einen Kommentar: „Die libanesisch-australische Designerin Aheda Zanetti, Erfinderin des Burkini, begründete ihre Innovation so: `Die Öffnung des australischen Rettungsschwimmwesens für Muslime und insbesondere muslimische Frauen inspirierte mich dazu, eine schariakonforme Schwimmbekleidung zu entwerfen.´ Nicht im letzten oder vorletzten Jahrhundert, sondern 2006. Also keine ästhetischen Gründe, sondern Re-Islamisierung gaben den Ausschlag. Möglicherweise herrschten in Neutraubling auch ganz andere Prioritäten. Man versuche einmal im Schwimmbad im Faschings-Vollkostüm ruhig ein paar Bahnen zu ziehen. Da bekommt der Rettungsschwimmer schnell Arbeit.“

Zum Gaudium der Zuschauer dürfen Männer jederzeit in wenig geeigneter Kleidung vom 5er oder 10er hüpfen, manchmal auch angetrunken, auch solche deren Trainingszustand anschließend gerade noch dazu ausreicht, im Hundstrab die Leiter am Rand des Sprungbeckens zu erreichen. Rettungsschwimmer bekommen immer Arbeit, wenn jemand sein Können überschätzt oder manche sich nicht umsichtig genug verhalten. Die Wasserwacht verlangt zum Erlangen des Rettungsschwimmabzeichens Silber 300 m Kleiderschwimmen in 12 Min. mit anschließendem Ausziehen im Wasser. Nach meiner Beobachtung  schaffen viele Männer, die sich im Schwimmbad tummeln,  keine 200 m in der Badehose ohne sich zwischendurch am Rand auszuruhen. Eine trainierte Frau im Burkini  jedoch dürfte 300 m „Kleiderschwimmen“ problemlos schaffen.  Meines Wissens muss man  beim Lösen der Eintrittskarte  keinen Leistungsnachweis Schwimmen vorlegen und jeder darf Rettungsschwimmerinnen beschäftigen, wie er lustig ist. Völlig vergessen hat Derek auch, dass immer weniger Leitkulturangehörige überhaupt schwimmen können, denn sie nehmen häufig am Schwimmunterricht nicht teil. Allerdings nicht aus religiösen Gründen, sondern weil Mama befürchtet, sie könnten sich erkälten. Manche drücken sich auch, weil sie sich  den „Wer hat den längsten?“- Wettbewerben unter der Dusche nicht stellen wollen. Die Zeiten von “ zäh wie Leder, hart wie Kruppstahl, flink wie ein Windhund“ sind nämlich vorbei. Unsere nicht mehr schwimmende Leitkultur wird gnadenlos überrannt von durchtrainierten muslimischen Kleiderschwimmerinnen! Wenn das nur keine Keime des Terrorismus sind!

Jede Menge „randständige“ Menschen pieseln mit weltverloren entspanntem Blick ins Becken. Damit in Zusammenhang stehende Hygieneprobleme werden nie aufgeworfen.Es sind oft Männer, weil es die ohnehin für ihr Recht halten, an jeder Ecke ihr Wasser abzuschlagen. In kleineren Bädern fallen Schwimmende sogar auf, die das Wasser verlassen, Richtung Toilettengebäude gehen und dann anschließend wieder ins Becken: „Warum bist du denn jetzt raus?“  Die im Stoff des Burkini verborgenen Bazillen gefährden jedoch in hohem Maß die Gesundheit anderer Badegäste,  da sie möglicherweise nicht mehr durch leitkulturelle Harnsäure in Schach gehalten werden können.

Es gibt pietistische Gemeinden, die für Mädchen lange Haare vorschreiben, auch knöchellange Röcke. Sie verbieten ihnen auch die Teilnahme am Schulfasching und anderen Gott nicht wohlgefälligen Lustbarkeiten. Christlich orientierte Minderheiten mit einem eigenwilligen religiösen Brauchtum scheint es jedoch für  Leute wie DerekButter nicht zu geben. Unter der Überschrift „Scheitel – Religiöse Begriffe aus der Welt des Judentums“ kann ich in der Jüdischen Allgmeinen lesen: „Traditionsgemäß bedecken religiöse Frauen ihr Haar entweder mit einem Tichel (Kopftuch), Hut oder einem Scheitel (Perücke). Rav Moshe Feinstein (1895–1986) ist nach intensiver Recherche zu der Schlussfolgerung gelangt, dass es Frauen erlaubt ist, ihr Haar an der Stirn zwei Daumen breit zu zeigen. Der Sohar jedoch, das Hauptwerk der Kabbala, besteht darauf, dass die Frau ihr ganzes Haar ohne Ausnahme bedecken muss (Band 3, Seite 126a), und beschreibt auch ausführlich, welchen Segen die Frau und ihre Familie sich damit verdienen.“ [ http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15118 ] – Regt sich irgendjemand über Scheitel verdeckende Jüdinnen auf? Dürfen die doch auch machen, wie sie wollen. Warum aber dürfen  Frauen, die möglicherweise Ayshe Özgür heißen, in der öffentlichen Badeanstalt keinen Ganzkörperbadeanzug tragen? Es sei hier  darauf hingewiesen, dass auch Triathletinnen manchmal Ganzkörperbadeanzüge tragen. Eine trennscharfe Definition zur Unterscheidung  islamisch-fundamentalistischer Rückfälle von den Schwimmanzügen für kalte Gewässer ist notwendig und muss in die Badeordnungen zwingend aufgenommen werden!

DerekButter geht es weder um Religion im 21. Jahrhundert noch um Frauenrechte. Es geht um Mobilmachung gegen diejenigen, deren Herkunft und Gewohnheiten eine Zugehörigkeit zum Islam vermuten lassen, um Menschen, die man gerne weg- oder aussperren würde, hinauswerfen oder abschieben. Wie ist  eigentlich das Verhalten  muslimischer Männer zu bewerten, die in unsere Bäder gehen, und die Möglichkeit nutzen, sich durch das Tragen leitkultureller Badehosen  in der Menge zu verbergen? Das ist doch Heimtücke!