Tortenlogik

Bildquelle: Divya KuduaFlickr: IMG_3481

Da ich nicht annehme, dass sich der Tortenwerfer auf dem Parteitag der LINKEN in die Tradition des Millowitsch-Theaters stellen wollte, empfiehlt sich schon die Frage „Warum?“. Es folgt der kurze Versuch einer Antwort.

Unter manchen Mitgliedern der LINKEN hat es sich eingebürgert, Reizwörter zur Unterscheidung von links und rechts zu verwenden, statt Inhalte. Da kommen dann solche Ableitungen zustande wie: S.W. unterscheidet Gastrecht und Asylrecht. Wer die Wörter Gastrecht und Missbrauch des Gastrechts verwendet, übernimmt rechten Sprachgebrauch, ist also rechts.

Es gibt bei dieser Einschätzung  offensichtlich Überschneidungen mit einer Gruppe von Mitgliedern, die sich für die folgende inhaltliche Ableitung begeistern: Es gibt einen Staat Israel. Da die Generation der Staatsgründer Israels von den Nazis verfolgt und weitgehend vernichtet wurde, sind alle nachgeborenen Bürgerinnen und Bürger des Staates Israel geborene Antifaschist*innen. Die Notwendigkeit einer Unterscheidung zwischen links und rechts ist deshalb bezogen auf den Staat Israel hinfällig geworden. Wer die Regierenden des Staates Israel als Nationalisten und Kriegstreiber bezeichnet, ist deshalb ein Antizionist. Wer ein Antizionist ist, ist ein Antisemit. Antisemiten sind Rassisten. Ergo: S.W. ist eine Rassistin, die eine Torte schon verdient hat.- Also natürlich auch rechts.

Sich eine komplexe Welt so einfach zurechtzulegen, halte ich tendenziell für nicht der Aufklärung, der Erhellung dienend, also nicht für links.  Eine solche Kette von Vereinfachungen versucht eine ökonomisch bewanderte und überzeugte Kritikerin des Kapitalismus moralisch zu desavouieren, in die Schmuddelecke zu stellen, mit dem Label „Querfront“  zu versehen und dem Spaltpilz das nötige Wasser zuführen, damit sich der Fruchtkörper richtig gut entwickeln kann. Wie immer wäre die erste Frage: Zu wessen Nutzen? Ich kann und will  mir  diese Frage nicht abgewöhnen.

Vermutlich hat Jens Mertens Recht, der schon 2010 schrieb: „Denn für die Regierungsfähigkeit auf Bundesebene müssen zwei inhaltliche Grundpfeiler der Partei geschliffen werden. Einerseits ihre Ablehnung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und andererseits ihre Ablehnung zu einer EU neoliberaler Ausprägung, wie sie in dem Lissabonvertrag festgeschrieben wird.“ Selbst handfeste Mesalliancen scheinen dabei für manche Pragmatiker*innen nicht tabu zu sein.

 

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s