Warum wählen sie rechts?

Vor allem in Gegenden mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit wie z. B. Bitterfeld fuhr am vergangenen Wochenende die AfD  Spitzenergebnisse ein. Nicht nur das: Sie schaffte es Wähler zu mobilisieren, die trotz allen Bemühens in den vergangenen Jahren von der LINKEN nicht angesprochen werden konnten, die sich aufs Nichtwählen verlegt hatten.

Mein Aufsatz dazu knüpft an unserem Verständnis von der menschlichen Arbeit an und dem Wunsch fast aller Menschen, zu arbeiten. Die Ausschüttung von Lohnersatzleistungen ist für die meisten keine befriedigende Alternative, selbst wenn die gezahlten Beträge hoch genug wären. Warum ist das so? Warum wählen Menschen rechts, die möglicherweise gar nicht rechts sind, sondern nur eines wollen: existenzsichernde Arbeit.

Meinen Text sehe ich auch als einen Beitrag zur Strategiedebatte der LINKEN. Den von Oskar Lafontaine auf den Nachdenkseiten hergestellten Bezug zur Flüchtlingsproblematik [http://www.nachdenkseiten.de/?p=32210#more-32210] sehe ich nicht. Es ist Zeit, wieder einen Bezug zur Arbeit und den arbeitenden Menschen herzustellen, das Recht auf Arbeit ins Zentrum zu stellen – nicht das Recht auf  bessere Lohnersatzleistungen, das Recht auf Faulheit oder ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Welchen Inhalt müsste eine linke Alternative transportieren, die keine halbseidenen Kompromisse eingeht? Dazu mache ich einen Vorschlag.

Der Wert der Arbeit_fin

Werbeanzeigen

Auswandern? Wegen der AfD?

In dem Teil der Social Media, in dem ich mich bewege, mehrt sich – zumindest verbal – nach den Ergebnissen der AfD bei den Landtagswahlen vom letzten Sonntag die Zahl potentieller Auswanderer.

Auswandern würde ich nur, wenn ich überzeugt wäre, es sei woanders besser, wirklich besser, nicht nur graduell hie und da im Detail ein bisschen. Solange Leib und Leben nicht bedroht sind, ist das Reden von Auswanderung hauptsächlich eines: Geschwätz. Ich meine damit Auswanderung, nicht die Übernahme einer Auslandstätigkeit für einen überschaubaren Zeitraum, was natürlich nicht ausschließt, dass man zunächst mal geht und letztlich auch woanders bleibt.

Die Armutsmigranten des 19. Jahrhunderts in die USA sind nicht ausgewandert, weil´s dort besser war, sondern, weil sie zuhause hungerten. Ich wohne in einer Gegend, wo´s schon immer viel Steine gab und wenig Brot. Jeder zweite hat Verwandtschaft in den USA – nicht erst als Folge von Eheschließungen mit Besatzern, sondern als Folge von Auswanderung.

Bei der großen Mehrheit der im Deutschland des 20. Jahrhunderts politisch und rassisch Verfolgten entstand eine Einsicht in die Notwendigkeit räumlicher Veränderung erst mit dem Erleben von unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben – für Millionen zu spät. Viele konnten auf der Grundlage erzwungener Verkäufe (Arisierung) die notwendigen Mittel nicht mehr rechtzeitig aufbringen.

Einige nomadisch lebende Stämme ausgenommen sind Menschen ähnlich sesshaft wie Ameisen. Deswegen sind sie ja „regierbar“. Ohne Not klinkt sich keiner aus.

Verteidigen? – Kann ich nicht mehr hören!

Bild: Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872), The Battle of Jericho. Gemeinfrei, auch in den USA, wegen Ablauf des Urheberrechts.

 

Ich weiß: Den Angriff des Joshua auf eine  befestigte Stadt Jericho hat es nie gegeben. Könnten wir nicht trotzdem zur Abwechslung mal  die Posaune blasen, statt uns  hilflos fiepend hinter die Barrikaden zu stellen?

Rassismus und Nationalismus feiern fröhliche Urständ. Aber muss man deshalb Merkel gegen die AfD unterstützen, wie es heute einer vorgeschlagen hat?

Seit 1982, also seit 34 Jahren, beschränken sich Linke auf die Verteidigung der bürgerlichen Demokratie und des Sozialstaats. Vielleicht wäre es doch eine bessere Strategie, sich als Angreifer zu profilieren und die eigenen Ziele in den Vordergrund zu stellen, statt immer nur zu sagen: „Das dürft/könnt ihr mit uns nicht machen.“ Dabei vergeht kein Tag, an dem sich die Herrschenden nicht ein anderes Übel ausdenken. Von Tag zu Tag wächst aber weniger der gerechte Zorn als die Müdigkeit, angesichts der alltäglich, nahezu pausenlos strapazierten  Worte entsetzlich, furchtbar, unmenschlich, mörderisch, … . Stetes Klagen treibt nicht zur Veränderung, sondern  in die Resignation!

Persönliche Erklärung

Wenn es um abzählbare Gegenstände geht, bleibt 1 und 1 gleich 2. Dabei bleibe ich auch für den Fall, dass mir  … Peter Sloterdijk, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer, Jürgen Elsässer, Henryk M. Broder, Donald Trump, Recep Erdogan, Viktor Orban, Horst Seehofer, Joachim Herrmann … und weitere Menschen zustimmen, die mir namentlich noch nicht bekannt sind.

Bin ich ein Sozialfossil?

Etwa zeitgleich zitiert mein Lokalblättchen den Geschäftsführer der Diakonie Bayreuth: “ Ein Geschäftsfeld fällt weg. “ [ Es geht um die Verlegung geflüchteter, unbegleiteter Jugendlicher an einen anderen Unterkunftsort.]

und

mich erreicht eine Einladungskarte für die Messe „ConSozial“, auf der nicht nur der Ausschnitt im Beitragsbild auffällt, sondern auch

Ausschnitt2Ausschnitt1

Vor Jahren habe ich mich dafür eingesetzt, dass „das Soziale“ der Wohltätigkeit von Kirchen und Hilfsorganisationen entrissen wird und in den Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge übergeführt. Manchmal haben wir´s geschafft. Da einen Kindergarten ohne Gebetbuch und dort ein städtisches Altenheim.

Heute gibt es einen „Sozialmarkt“. Im Klartext heißt das: Damit „Sozialunternehmen“ nicht nur kostendeckend sondern gewinnbringend arbeiten und sich die Weisheit eines betriebswirtschaftlich versierten Geschäftsführers leisten können, beschäftigen sie Niedrigstlöhner, evt. auch Ehrenamtliche und Fachkräfte zu Dumpinglöhnen. Gegenüber der Öffentlichkeit und der öffentlichen Hand tun sie dabei alles, um den Eindruck zu erwecken, dass dadurch öffentliche Mittel, die Pfennige von Steuerzahlern, eingespart würden .

Ich bleibe dabei: „Das Soziale“ ist eine öffentliche Aufgabe. Die dort anfallenden Arbeiten werden von Beschäftigten des öffentlichen Dienstes erledigt, die aus Steuermitteln anständig bezahlt werden. Anders lässt sich nämlich nicht gewährleisten, dass Krankenschwester, Altenpfleger und Erzieherin  mindestens so viel verdienen, wie erfahrene Facharbeiter im Handwerk.

Wir brauchen keinen Sozialmarkt und schon gar keine Pflegeroboter! Oder was meinen die sonst mit „Soziale Marktwirtschaft 4.0“? An Ludwig Erhard werden  die Verursacher der Einladung wohl eher nicht gedacht haben.