Auswandern? Wegen der AfD?

In dem Teil der Social Media, in dem ich mich bewege, mehrt sich – zumindest verbal – nach den Ergebnissen der AfD bei den Landtagswahlen vom letzten Sonntag die Zahl potentieller Auswanderer.

Auswandern würde ich nur, wenn ich überzeugt wäre, es sei woanders besser, wirklich besser, nicht nur graduell hie und da im Detail ein bisschen. Solange Leib und Leben nicht bedroht sind, ist das Reden von Auswanderung hauptsächlich eines: Geschwätz. Ich meine damit Auswanderung, nicht die Übernahme einer Auslandstätigkeit für einen überschaubaren Zeitraum, was natürlich nicht ausschließt, dass man zunächst mal geht und letztlich auch woanders bleibt.

Die Armutsmigranten des 19. Jahrhunderts in die USA sind nicht ausgewandert, weil´s dort besser war, sondern, weil sie zuhause hungerten. Ich wohne in einer Gegend, wo´s schon immer viel Steine gab und wenig Brot. Jeder zweite hat Verwandtschaft in den USA – nicht erst als Folge von Eheschließungen mit Besatzern, sondern als Folge von Auswanderung.

Bei der großen Mehrheit der im Deutschland des 20. Jahrhunderts politisch und rassisch Verfolgten entstand eine Einsicht in die Notwendigkeit räumlicher Veränderung erst mit dem Erleben von unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben – für Millionen zu spät. Viele konnten auf der Grundlage erzwungener Verkäufe (Arisierung) die notwendigen Mittel nicht mehr rechtzeitig aufbringen.

Einige nomadisch lebende Stämme ausgenommen sind Menschen ähnlich sesshaft wie Ameisen. Deswegen sind sie ja „regierbar“. Ohne Not klinkt sich keiner aus.

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