Die zunehmende Anzahl von Nagelstudios ist …

Bildquelle: von Bia nails (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons

 

ein Anzeichen für
  • eine steigende Zahl erwerbsloser Friseurinnen
  • mangelnde finanzielle Ressourcen für die Investition in ein Maniküretui
  • spätrömische Dekadenz
  • das Verschwinden von Tätigkeiten, bei denen Nägel abbrechen können
  • einen größeren Anteil älterer Menschen, die zum Bemalen von Nägeln zu tattrig geworden sind
  • weltweiten Wohlstand
  • die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung modischer Trends
  • Schwachsinn
  • Zunahme/Abnahme des Empfindens für Schönheit
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Die Gefährlichen

Gestern habe ich sie wieder einmal getroffen, die gewöhnlichen unpolitischen Wähler. Sie stehen mit dem Kuli vor dem Stimmzettel, holen den Würfel aus der Hosentasche und  entscheiden dann, welche der mittigen fünf Parteien infrage kommt. Obwohl sie sich selbst für gute Demokraten halten, weil sie ihr Wahlrecht wahrnehmen: sie sind nicht weniger gefährlich als die Mitläufer der AfD. Sie gehören auf jeden Fall zu denjenigen, die später im Sportpalast jubeln.

 

 

Gut beschrieben haben sie diese beiden:

Kreisler – Blumengießen

Brauer – Köpferl im Sand

 

Ein Anschlag auf politische und soziale Rechte

Einschließlich des appellativen Schlusses – den kürzt der Nordbayerische Kurier mir gelegentlich weg – hat mein Lokalblättchen meinen Leserbrief  zum Programm der AfD ungekürzt und mit passender Überschrift und Bildunterschrift abgedruckt.LB_AfD_März16

Hintergründig

Wehret den Anfängen – aber wo fängt was an?

Ich spreche, lese, schreibe auf einem akzeptablen Niveau meine Muttersprache und zwei weitere. Im Urlaub gebe ich mir Mühe in der Landessprache Brot einzukaufen, Guten Morgen, Bitte und Danke zu sagen. Im Wirtshaus rede ich, wie mir der Schnabel gewachsen ist: leidlich frängisch.

Gegenwärtig nervt man mich mit Anforderungen, gefälligst angeblich rassistische, sexistische, nationalistische Töne zu vermeiden. Denn: Da fängt „es“ an.

Innerhalb der Grenzen Deutschlands stört es mich, wenn sich in meiner Anwesenheit Fischköpfe in einer Sprache unterhalten, die ich nicht verstehe und der Sprachgebrauch mancher Mitmenschen erkennen lässt, dass sie zu faul sind, ein passendes deutsches Wort zu suchen, lieber das – vermeintlich – Englische der Werbung nachäffen, weil sie sich dann besonders „cool“ vorkommen. Bin ich eine Nationalistin?

Ich weigere mich, Englisch zu sprechen mit einem Einwohner meines Dorfes, der seit vielen Jahren in Deutschland wohnt und mit einer Deutschen verheiratet ist. Glücklicherweise ist er amerikanischer Staatsbürger. Da bekomme ich Beifall von allen, die etwas gegen Amis haben.

Wenn ich gegenüber einem  Zugezogenen  aus dem Mittelmeerraum sanften Druck ausübe,  mit mir Deutsch zu sprechen, bekomme ich Beifall nur von den Rechten. Bin ich eine um Integration bemühte, verkappte Sprachpädagogin oder eine Alltagsrassistin?

Ich bin keine „-istin“ nur eine bildungsbürgerliche Kuh mit einer gewissen Überheblichkeit.

Der moralische Verbraucher

– eine Polemik

„Zutaten: fair gehandelter brauner Bio-Rohrzucker, Bio-Dinkel-Vollkornmehl, Möhren vom Öko-Bauern um die Ecke, Bio-Eier … . “ Wenn man sich schon Süßes gönnt, muss es wenigstens moralisch vertretbar sein. Bio und – wenn schon aus dem globalen Süden importiert – dann zumindest „fair“ gehandelt.

Ähnliches gilt für T-Shirts  und Jeans oder umweltfreundliche Waschmittel und vor allem für mindestens vegetarisches, am besten veganes Essen. R. H., der in den vergangenen Jahren eine Produzenten/Konsumenten-Genossenschaft auf der Grundlage erneuerbarer Energien mit auf die Beine gestellt hat, bekäme bei den Klimarettern auf facebook kein Bein auf die Erde: Er holt sich für die Pause immer noch das landesübliche Leberkäs-Brötchen. Seine Verdammnis ist gewiss!

Der politisch korrekte Verbraucher ( PCC)  ist die gegenwärtige, laizistische Version des Puritaners. Allerdings nicht unter Wahrung der übrigen Grundsätze der „Amish“, wie Verzicht auf Maschinen, die Strom oder Primärenergieträger nutzen. Da inzwischen die Waren für den Bedarf des PCC zumindest in größeren zentralen Orten auch in 1000 – m² – Märkten zu erschwinglichen Preisen angeboten werden, kann man auf der Grundlage moderner Logistik  die Notwendigkeit eigene Arbeit aufzuwenden in Grenzen halten.  Das hauptsächlich unterscheidet den PCC von den Generationen gläubiger Menschen, die sich konsequent der Aufforderung des AT beugten und beugen: “ Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen.“ (Genesis, 3:19 ). So gelingt es den aktuell vorhandenen Menschen der entwickelten Länder höheren Moralansprüchen zu genügen, ohne sich deshalb körperlich verausgaben zu müssen, weder im eigenen Garten, noch beim Kneten von Brotteig. Auf lieb gewordene Gewohnheiten wie das Übergießen der Spaghetti mit einer schnell aufgewärmten  Soße aus dem Glas muss man nicht verzichten, die ist nämlich auch vegan erhältlich.

Der Aspekt der „sozialen Distinktion“ in allen Formen des Verbraucherverhaltens sei hier eingangs nur benannt. Es geht mir um eine bisher nicht oder nur sehr selten beleuchtete Seite eines neuerdings wieder in Mode gekommenen moralischen Rigorismus: Moralisch legitimiertes Konsumverhalten erspart einem die politische Auseinandersetzung mit dem gegenwärtig herrschenden System der Ausbeutung von Mensch und Natur. Endlich ist es uns vergönnt – zumindest denjenigen, deren Einkommen über der Armutsgrenze liegt – gut zu sein, ohne die Mühen der Widerborstigkeit auf uns nehmen zu müssen. Alles wird gut, wenn wir täglich darauf achten, dass wir unsere veganen Würstchen gewandet in Biobaumwolle am Massivholztisch zu uns nehmen,  für die Winterkleidung den lieben Schäfchen ihre Wolle nicht wegnehmen und auch keinen toten Tieren das Leder für die Schuhe. Es ist faszinierend, wie viele vegane Ersatzstoffe der „alternative Markt“ inzwischen zur Verfügung stellt. Ich weiß nicht, was passierte, setzte sich die Erkenntnis einer verstorbenen Tante durch, dass auch die Halme schreien, wenn man sie schneidet. Wie macht man aus Fallobst Schuhe?

Erschwingliche „Bio“-Güter gibt es leider nur auf der Grundlage zumindest mechanisierter, teilweise auch industrieller Landwirtschaft. Mit Sätuch, Sichel oder Sense sind die Mengen an Dinkel nicht zu erzeugen, die Dennree zu tragbaren Preisen auf den Markt wirft.

Die Bereitschaft, für das T-Shirt einen höheren Preis zu zahlen, führt nicht zu einer besseren Entlohnung der Produzentinnen, sondern nur zu höheren Profiten der Anbieter, die auf dem Markt der Distinktion die Nase vorn haben.

Kein einziger Kleinbauer oder nomadischer Viehzüchter am Rand der sich ausbreitenden ariden Zonen Afrikas bekommt einen Brotfladen mehr, weil ich  darauf warte, dass die freigelassenen Kühe von Bauer Maier nebenan von selbst verenden, statt ihre Milch für meine Ernährung zu nutzen. Dass die afrikanischen Rosen, die ich einkaufe, fair gehandelt sind ist keine Entschuldigung: Fläche und Wasser werden vertan, die  für  Hirse gebraucht würden.

Der moralische Antrieb und die mit ihm verbundene rege Missionstätigkeit der Esserinnen und Esser veganer Leberwurst und der fair handelnden T-Shirt-Trägerinnen hat vor allem zwei unmittelbare Wirkungen:

  • PCCs können sich als die moralisch Überlegenen darstellen. Das tut ihnen gut.
  • Der moralische Verbraucher glaubt, durch seine Kaufentscheidung tatsächlich die Qualität der Warenproduktion beeinflussen zu können. Er ist es, der angeblich über seine Kaufentscheidung  Unternehmen dazu zwingt, Sweatshops in Bangladesh stillzulegen und auf Schadstoffe in der Landwirtschaft zu verzichten. Dabei bestätigt genau dies die neoliberale Ideologie. Es ist nämlich genau diese Ideologie, die   die Kaufentscheidungen der mündigen Verbraucher als quasi demokratische Einflussnahme auf die Warenproduktion bejubelt.

PCCs entbinden sich selbst – und befreien dadurch auch die Gesellschaft – von der Notwendigkeit gemeinsam,  von demokratischer Meinungs- und Willensbildung zu grundlegenden Fragen:  Wie, wofür, für wen wollen wir welche Güter bereitstellen?  Darüber wird nicht gemeinsam gesellschaftlich entschieden sondern in der individuell moralisch legitimierten Konsumtion.

Der nachhaltige Erhalt lebenswichtiger Stoffkreisläufe wird   nicht dadurch gesichert, dass ein neues Marktsegment die moralischen Bedürfnisse höherer Einkommensschichten befriedigt. Der PCC fügt sich reibungslos ein in die marktvermittelte Steuerung  der Ausbeutung von Mensch und Natur. Er ist nicht einmal Sand in diesem Getriebe.Der in einen Konsumstil verwandelte Protest ist das postmoderne Erbe einer quasireligiös motivierten Fügsamkeit, die gesellschaftliche Konflikte um die Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen nicht aufgreift, austrägt und demokratisch entscheidet. Der moralische Verbraucher trachtet danach, die Welt zu verbessern durch die Hebung der Moral der Einzelnen. Die Heilsarmee lässt grüßen.Einen kleinen Unterschied gibt es: Wein,  Bier und Zigaretten sind erlaubt, solange ein BIO-Sechseck das Etikett ziert.

Im Alltag entscheide ich mich oft für Bio-Produkte.Sie schmecken besser.

 

 

 

Vom Schulfach zur Kreativität

Mein Brotkörbchen ziert eine der 24 Servietten, die ich mit ca. 13, 14 Jahren als Geschenk für meine Mutter mit dem Monogramm „E“ für Else in Kreuzstich bestickt habe. Die nötigen Techniken habe ich an der Labenwolf-Oberrealschule im Handarbeitsunterricht gelernt, denn in der bayerischen Verfassung hieß es damals im Art. 131 noch: „(4) Die Mädchen sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen.“ Erst seit dem 20. Juni 1998 hat  in Bayern auch das Recht der Buben Verfassungsrang,  in Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders unterwiesen zu werden.

Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, Handarbeit für etwas anderes zu halten als eine Möglichkeit Schönes und/oder Nützliches zu schenken für wenig Geld.