Allianzen schmieden für die Umverteilung!

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erstellt z. B. im Auftrag des Bundes das sozio-ökonomische Panel.

„Unter dem Dach des DIW Berlin ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP), eine Serviceeinrichtung der WGL, beheimatet.

Das SOEP ist die seit 1984 laufende größte deutsche Wiederholungsbefragung von privaten Haushalten und Personen.

Die Planung dieser Längsschnittstudie sowie die Aufbereitung und Weitergabe der gewonnenen Daten werden hier durchgeführt.“

[ Quelle: http://www.diw.de/de/diw_01.c.100315.de/forschung_beratung/soep_service/soep_service.html ; abgerufen 19.02.2016,10:35 ]

 

Für das neueste zur Verfügung stehende Datenmaterial  auf Grundlage der Daten zu 2013 weist das Institut ein Medianeinkommen von 19.733 €  aus. D.h.  50% der Haushalte stehen mehr, 50 % der Haushalte weniger  als mtl.  rd. 1645 € zur Verfügung.

Bei  169 % des Medianeinkommens fängt laut DIW Panel der Reichtum an. D. h. das DIW meint,  Haushalte mit  rd. 33.350 € jährlich oder  mtl. rd 2780 € seien „reich“.

Haushalte jenseits der 286 % des Medianeinkommens = 56 500 € werden gar nicht mehr differenziert erfasst. Begründung: Die wirklich Reichen und Superreichen mit verfügbaren Einkommen im  7- oder sogar 8-stelligen Bereich – das wäre das mindestens 30-fache der „Reichen“ mit 33 350 €/Jahr –  kommen im Panel nicht vor, weil sie nicht auskunftsfreudig sind. Die Zahlen werden nicht erhoben. Deshalb kann man dann auch z. B. der Hungerhilfsorganisation „Oxfam“ vorwerfen, dass ihre Berechnungen zur Schere zwischen Reichtum und Armut unscharf sind.

Die Bevölkerungsgruppe, bei der lt. DIW der „Reichtum“ anfängt kann mit hochgerechnet ca. 2800 € zur Verfügung stehendem Einkommen im Monat

  • eine Wohnung im Grünen (mit Kindern) oder eine sanierte Wohnung im Zentrum finanzieren. (1000 € Miete kalt und mehr sind nicht unüblich)
  • einen Mittelklassewagen (lt. ADAC z. B. VW Tiguan, Mercedes A-Klasse,  um die 700 € monatliche Betriebskosten, vielleicht auch nur einen Ford Focus oder einen VW Passat für „nur“ 600 €/Monat.
  • 1 x Krippe und 1 x Kindergarten für zusammen mindestens ca. 500 € bezahlen

und vom „Reichtum“ bleiben danach monatlich 700 € übrig, um z. B. 4 Köpfe mit Bioäpfeln und nachhaltiger Kleidung zu versorgen, wie man es politisch korrekt tun will. Auch ein Kinobesuch mit Mindestlohn für den Babysitter wäre drin, eine Tageszeitung, der DSL-Anschluss für Telefon, PC und Fernsehen. Ob´s dazu noch für einen Urlaub auf dem Bauernhof  oder auf Mallorca reicht, ist eine Frage richtigen Jonglierens.

Unbestreitbar ist, dass man auf dieser Höhe des „Reichtums“ mehr Spielräume hat, als die alte Dame mit Grundsicherung. Man braucht keinen Mittelklassewagen – möglicherweise wenn man z. B. in der Pampa wohnt, aber zwei Kleinwagen um auf die Arbeit zu kommen. Man kann auch einen Teil der Betreuungskosten für die Kinder durch Einsparungen bei  Heizung und Warmwasser hereinholen. In der Pampa ist vielleicht auch die Wohnung billiger. Die Fahrtkosten zum Arbeitsplatz fressen aber auch einiges auf, denn öffentliche Verkehrsmittel stehen fast nirgends zur Verfügung. Aber ist das „reich“?

Ich denke, es ist Zeit, dass sich die Armen und die „Reichen“ mit weniger als von mir aus 100 000 € im Jahr zusammentun, um den wirklich Reichen über Steuern einen Teil des Einkommens zu entreißen, das sie zum größten Teil nicht über Arbeit sondern über Kapitalerträge erzielen. Dann reicht es für kostenlose Bildungs- und Sozialeinrichtungen, für preiswerte und umweltfreundliche öffentliche Verkehrsmittel – und vielleicht sogar für Kleidung Made vom Nachbarn und die wöchentliche Lieferung einer Gemüsekiste vom Biobauern. – Und für ein menschenwürdiges Leben aller, die nicht, noch nicht oder nicht mehr arbeiten können. Wer ein bisschen mehr hat als andere, sollte derDebatte um absolute und relative Armut entgegentreten und endlich eine Debatte über relativen und absoluten Reichtum einfordern.

Wer Daten zur Meinungsbildung sucht, wird auf den Seiten des DIW fündig. Man muss sie aber kritisch lesen!(siehe auch Beiträge des „Grundkurses Denken“ in diesem Blog ).

Was der Mensch für ein anständiges Leben mindestens braucht,  kann man bei Lutz Hausstein  hier nachlesen. Wer mehr hat, ist deshalb noch lange nicht reich, sondern hat gerade mal die Spielräume, die man z. B. braucht um eine langlebige, nachhaltige  A+++ – Waschmaschine zu kaufen, wenn die alte kaputt ist – nicht die Effizienzklasse B als Schnäppchen beim Discounter. Es ist auch nicht auszuschließen, dass diese „Reichen“ ab und zu ein mal ein paar Euro übrig haben für eine linke Partei, der sie nicht unbedingt angehören müssen, für Ärzte ohne Grenzen oder Hunger- und Flüchtlingshilfe. Wer etwas verändern will, sollte sie nicht politisch liegen lassen.

 

 

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