Wer weiß denn noch, was rinks und lechts ist?

Lieber Pelzmärtel,

seit ca. 50 Jahren wende ich mich gegen Ungerechtigkeit  und die Zerstörung der natürlichen Lebensbedingungen. Ich setze mich ein für bessere Löhne, bessere Renten, bessere Gesundheitsversorgung, bessere Schulen, bessere Nahrungsmittel, eine bessere Infrastruktur (Verkehrsmittel aller Art, bessere Versorgung mit Wasser und Abwasser, Gemeindebibliotheken, öffentliche Bäder … ).

Beständig werde ich deswegen – völlig schuldlos, allein wegen meiner freien Meinungsäußerung – in die linke Ecke gestellt.  [  😦  ] .

Bitte, lieber Pelzmärtel, hilf mir gegen die raffgierigen Eliten und ihre Meinungsdompteure. Geht das? Vielleicht helfen schon ein paar Streiche mit Deiner Reisigrute.

Christa

P. S. In meiner Kindheit kam am 11. November der Pelzmärtel („Bulzermärtel“). Er hatte ein dickes Buch bei sich, in dem meine guten und weniger guten Taten aufgezeichnet waren. Es gab dafür entweder eins mit der Rute oder Schokolade, Nüsse und Orangen aus dem Sack.

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Maizière und Afghanistan

Trotz ca. 70 000 ziviler Toter und einer ebenso großen Zahl von Verwundeten konnte der seit 15 Jahren andauernde Kampf gegen den Terror in Afghanistan durch westliche Verbände, darunter auch welche der Bundeswehr, noch nicht erfolgreich abgeschlossen werden.  Der deutsche Innenminister ist gemeinsam mit der dortigen Regierung, die  inzwischen in einem Land mit ca. 31 Mio. Einwohnern über eigene Sicherheitskräfte von 350 000 Mann verfügt, zu dem Schluss gekommen, man könne sich dort  sicher fühlen, vorausgesetzt Amerikaner und Deutsche unterstützen weiterhin die Sicherheitsbemühungen der dortigen Regierung. Dummerweise begreifen das nach insgesamt fast 40 Jahren Krieg vor allem junge Menschen nicht. Sie versuchen sich den dort herrschenden Zuständen zu entziehen. Da fragt man sich schon: „Wie kann man sich nur unsicher fühlen in einem Land, in dem knapp über ein Prozent der Bevölkerung offiziell zum Töten legitimiert ist und dazu noch ein paar andere aus diesem oder jenem Grund herumballern?“

Nur wenn man Geflüchtete konsequent zurückschickt, können sie zuhause von überzeugten Demokraten ehrlich über die insgesamt gute Sicherheitslage in ihrem Land informiert werden, nicht wahr, Herr de Maizière? Zumindest bei einem Teil der deutschen Bevölkerung kommt das sicher gut an.

Quellen:

„13 Jahre hat die International Security Assistance Force (ISAF) ihren Beitrag zur Sicherheit in Afghanistan geleistet. Der ISAF-Einsatz endete am 31. Dezember 2014. Viel wurde seither erreicht. Die afghanischen Sicherheitskräfte haben inzwischen eine Stärke von rund 350.000 Mann und die Verantwortung für die Sicherheit in ihrem Land übernommen. Sie dabei zu unterstützen, diese Verantwortung wahrzunehmen, ist Ziel von Resolute Support. Deutschland beteiligt sich seit dem 01. Januar 2015 an Resolute Support gemäß des Beschlusses des Deutschen Bundestages vom 18. Dezember 2014 mit bis zu 850 Soldaten. “ [ http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/!ut/p/c4/04_SB8K8xLLM9MSSzPy8xBz9CP3I5EyrpHK9pPKU1PjUzLzixJIqIDcxu6Q0NScHKpRaUpWql5iWnpGYl1lckpinX5DtqAgAq46kFA!!/ ]

„Die US-amerikanische Brown Universität listet auf, wie viele Todesopfer der Afghanistan-Krieg seit 2001 gefordert hat. Das Ergebnis: Rund 68.000 Menschen haben ihr Leben verloren, seit die internationalen Truppen in das Land eingerückt sind und das Taliban-Regime gestürzt haben. Etwa genauso viele wurden seitdem verletzt. “ [ http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-rund-68-000-todesopfer-laut-studie-seit-2001-a-1036670.html ]

Finanzierung der Unterstützung Geflüchteter

Vor ca. 10 Tagen berichtete mein Lokalblatt, in der Erstaufnahmeeinrichtung der Kreisstadt könne man nur zu bestimmten Tageszeiten warm Duschen. Wohlmeinende befürchteten, Arbeit suchenden Asylbewerbern  könnten Jobs entgehen, weil sie stinken.

Ich selbst kam nicht umhin, mich daran zu erinnern, dass ich Mitte der Siebziger kein WC, sondern nur ein Plumpsklo zur Verfügung hatte und den Badeofen heizen musste, wenn ich warm duschen oder baden wollte. In meinen bisher unveröffentlichen Lebenserinnerungen liest sich das so: “ Im Bad im 1. Stock, stand eine gusseiserne Wanne mit vier Löwenpranken als Füßen und einem weiß emaillierten Holzbadeofen. Ich weiß also noch aus eigener Erfahrung, dass man sich auch ohne tägliche warme Dusche in einem Zustand halten kann, der einen nicht zur Geruchsbelästigung für seine Mitmenschen werden lässt. Die aktuelle Debatte darüber, was man für eine menschenwürdige Existenz wirklich braucht, hat deshalb für mich einen etwas anderen Charakter als für die Generationen, die nach uns mit Zentralheizung, warmem Wasser aus der Wand und dem Verbrauch größerer Mengen desodorierender Produkte aufgewachsen sind. Gesundheitsförderliche Sauberkeit kann, so lange es Wasser gibt, auch ohne Deo, antibakteriellen WC-Reiniger und Sagrotan gewährleistet werden.“ Ca. 4 Jahre haben wir so gewohnt.

Ein weniger wohlmeinender deutschstämmiger Nachkriegsflüchtling wies anschließend in einem Leserbrief ans erwähnte Blättchen darauf hin, dass es auch ihm bis in die sechziger Jahre möglich war, sich mit Hilfe kalten Wassers, einer Schüssel und eines Stückes Seife  sauber zu halten.

Kann die Frage, was machbar ist, nicht geklärt werden ohne auf Nationalität und Menschenwürde Bezug zu nehmen? Einfach ein bisschen niedriger gehängt, pragmatischer? Es geht doch um lebenspraktische Herausforderungen, die mit ein bisschen Sachverstand  einer Lösung zugeführt werden können. – Vorausgesetzt man erkennt an, dass allen Menschen, auch Geflüchteten,  die Sicherung ihrer materiellen Existenz zusteht und noch einiges mehr! ( Siehe: http://www.unhcr.de/mandat/genfer-fluechtlingskonvention.html  – und http://www.un.org/depts/german/menschenrechte/aemr.pdf )

Es scheint jedoch Menschen zu geben, die es für bedauerlich halten, dass aus den Zwangsumsiedlungen, Vertreibungen und Fluchten des 2. Weltkriegs völkerrechtliche Konsequenzen gezogen wurden und werden.

Alltag

Was braucht ein Mensch, der über längere Zeit unterwegs war und bestenfalls ein Bündel, einen kleine Tasche bei sich hat mit ein paar Kleidungsstücken zum Wechseln, Seife und Kamm?

Das zuerst Not-Wendige ist:  ein Dach über dem Kopf als Schutz vor Kälte und Nässe, ein sauberer Platz, vielleicht ein Feldbett, um sich auszuruhen, eine Gelegenheit sich zu waschen, Nahrung in Form von Brot, Grieß-, Hirse- oder Reisbrei … . In unserem Klima, in dem Gewaschenes normalerweise nicht von einem Tag auf den anderen trocken wird, braucht´s dazu noch mehrere Teile aller Arten von Kleidungsstücken zum Wechseln.

Nachdem sich Mensch in einer beschützten, aber möglicherweise beengten Umgebung einigermaßen erholt hat, kann man ihn bei eigenen Anstrengungen unterstützen, ein Obdach zu finden, das ihm und seiner Familie ein Zuhause werden kann. Ob es zum Zuhause wird, liegt nicht allein an der Höhe aufzuwendender Geldmittel, sondern hauptsächlich am Entscheidungsspielraum. Suche ich etwas in einer Gegend, wo schon Leute aus meinem Dorf, Verwandte wohnen? Kann ich mich dort sicher fühlen, auch wenn ich mich am Anfang noch nicht richtig verständigen kann? Wie wichtig sind mir der Schutz  durch eine Gruppe und Privatsphäre? Kann ich, können wir mit einem Zimmer und gemeinsamer Benutzung von Küche und Bad zurechtkommen? Wie lange? Das sind Fragen, die individuell zu beantworten sind. Die individuellen Antworten sollten nach Möglichkeit berücksichtigt werden. Die Inhaftierung Schuldloser in Massenlagern ist durch nichts zu rechtfertigen.

Muss man wirklich entwurzelten Menschen durch Residenzpflicht und Zuweisung eines Heimplatzes den Platz zum Wurzelschlagen aufzwingen? Fiele ihnen das Wurzelschlagen nicht leichter an einem Ort, den sie sich nach einigen Wochen des Zurechtfindens selbst ausgesucht haben?

In dem Dorf in dem ich wohne (ca. 1900 Einwohner) gibt es einen kleinen Supermarkt, wo man nicht nur Kartoffeln kaufen kann, sondern auch Reis, Couscous, viele Arten von Mehl und Brot. Nach meiner Kenntnis bezahlt eine nahegelegene größere Stadt für das Catering täglich pro Person in der Flüchtlingsunterkunft 27,50 an einen örtlichen Unternehmer. Die untergebrachten Menschen müssen essen, was  ihnen der Caterer vorsetzt. Für deutlich weniger als die Hälfte (!) könnten sie sich in unserer Gegend problemlos – das weiß ich als Hausfrau und Einkaufende und gelegentlich „auswärts“ Essende –  selbst versorgen, sei es im Supermarkt, Bioladen, im Dönerimbiss, im italienischen Restaurant, beim Chinesen, Griechen oder Thai. Sie bräuchten dazu nicht einmal eine Kochstelle in ihrer Unterkunft.  Warum wird ihnen die Entscheidung über die eigene Ernährung nicht selbst überlassen?

Wem ist damit gedient, dass man Einzelnen nicht erlaubt, spontan Verwandte, Angehörige zu besuchen, die es auf dem langen Treck woanders hin verschlagen hat? (Residenzpflicht)

Über die Menschenwürde entscheidet nicht allein die Höhe des aufgewendeten Betrages. Entscheidend sind selbstbestimmte Handlungsspielräume. Was wäre dagegen zu sagen, nähme jemand beengtes Wohnen ohne Privatsphäre, Pullover statt Heizung, Brot mit Obst- oder Gemüseaufstrich statt Gulasch mit Nudeln in Kauf, um Geld an die Verwandschaft schicken zu können, die zuhause hungert? Könnte Mama Merkel doch froh sein, wenn es für einen Teil der Ärmsten dieser Welt auf diese Art möglich würde, dass sie da bleiben, wo sie sind. Ganz pragmatisch kann entschieden werden, was für öffentliche Kassen günstiger ist: Wöchentliche Bargeldzuteilungen zur Essenbeschaffung für jeden einzelnen Bewohner einer Unterkunft oder bürokratisch, zentralistisch beschaffte Mahlzeiten, eine Gemeinschaftsverpflegung die aus Gründen der Hygiene einzeln verpackt und mit Wegwerfgeschirr angeliefert wird. Grob überschlagen kostet die erste Lösung maximal 310 € pro Kopf im Monat, die zweite nachweislich 850 € pro Kopf. Man erzähle mir bitte nicht, dass die individualisierte Form monatlich Verwaltungskosten von 540 € pro Person verursacht!

Wer zahlt´s?

Wie alle Leistungen zur Hilfe in schwierigen Lebenssituationen muss die Unterstützung aus Steuergeldern finanziert werden. Aktuelle Gerüchte zu Finanzierungsmöglichkeiten reden von einer Erhöhung der Mehrwertsteuer, d.h. die Verbraucher sollen die Finanzierung sicherstellen. Dabei ist mittlerweile allen bekannt, dass eine Mehrwertsteuererhöhung vor allem Geringverdiener überproportional belastet.  Wie immer wurde eine Belastung der sehr gut Verdienenden, der Reichen und der Superreichen vom Finanzminister von vornherein ausgeschlossen. Würde man sich zu letzterem endlich durchringen wären sozialer Wohnungsbau und menschenwürdige Teilhabe am gesellschaftlichen Leben problemlos zu bezahlen – für Ansässige und für Zugereiste – ohne dass man die Armen gegeneinander ausspielt und einer Rechtsentwicklung Vorschub leistet. Es  bliebe sogar noch einiges übrig für die Entwicklung der Infrastruktur, die Unterstützung der Energiewende und die Finanzierung weiterer Anliegen der großen Mehrheit der Bevölkerung.

Fluchtursachen bekämpfen, nicht flüchtende Menschen

Mit großem Publikumserfolg läuft seit längerer Zeit bei VOX eine Serie unter dem Titel „Goodbye Deutschland! Die Auswanderer“. Äußerst mitfühlend wird dort immer wieder beschrieben, welch große Hoffnungen  die Menschen mit ihrer Ausreise verbinden, die Deutschland verlassen – zwischen 600 000 und 800 000 jährlich. Die Zahl der 2015 bei uns angekommenen Geflüchteten könnte zur Zeit gerade die Zahl der Abwanderer erreichen. Diejenigen, die Deutschland verlassen, gehen freiwillig, d.h. sie fällen eine begründete persönliche Entscheidung. Die Umsiedlungsgründe sind vielfältig. Sie reichen von Eheschließung über berufliche Verpflichtungen bis hin zu allgemeiner Unzufriedenheit mit Einkommen, „typisch deutscher“ Reglementierungssucht und spießigen Nachbarn. Die Folgen der  Entscheidung haben sie zu Recht ausschließlich persönlich zu tragen.

Wer flüchtet, geht aber nicht freiwillig unter Abwägung von Vor- und Nachteilen einer Umsiedlung. Wer flüchtet wird getrieben von Gefahr für das eigene Leben und/oder das Leben Angehöriger. Gefahr für das Leben besteht in Kriegssituationen und bei Hunger. Neben Dürreperioden tragen auch militärische Auseinandersetzungen zu Hunger bei. Felder werden verwüstet, Ernten zerstört und Vieh getötet.

Der Beitrag der entwickelten Länder zum Hunger in der Welt ist beträchtlich:

  • In immer mehr Gegenden der Welt muss die kleinbäuerliche Subsistenzwirtschaft der industriellen Agrarwirtschaft weichen. Statt Getreide und Gemüse für die eigene Familie zu produzieren, arbeiten die ehemaligen Kleinbauern zu Hungerlöhnen auf Rosen- oder Palmölplantagen, die für den Bedarf der entwickelten Länder produzieren. Das dort verdiente Geld reicht oft nicht aus, das Importgetreide zu kaufen, das die Überschussländer auf dem Markt anbieten. Resultat: Hunger.
  • Subventionierter Agrarexport aus den entwickelten Ländern zerstört die lokalen Märkte für Lebensmittel. Die noch vorhandenen inländischen kleinbäuerlichen Produzenten können preislich nicht konkurrieren.
  • Der Klimawandel trägt dazu bei, dass in gefährdeten Gebieten immer größere Teile der Ernten durch Überschwemmungen oder Dürren vernichtet werden. Zu Entschädigungszahlungen sind die Spitzenreiter des CO2-Ausstoßes nicht bereit, erst Recht nicht zu einer wirksamen Reduktion des Schadstoffausstoßes.

Dass es im wesentlichen die USA und die Länder der EU sind, die die Fluchtursachen herbeigeführt haben und täglich erneut herbeiführen, kann als erwiesen gelten.

Im ersten Halbjahr 2015 genehmigte die Bundesregierung Kriegswaffenexporte in die Vereinigten Arabischen Emirate im Wert von 1.859.000 Euro. Nach Katar durften im gleichen Zeitraum Waffen im Wert von 11.496.000 Euro ausgeführt werden. An Saudi-Arabien wurden im Mai 2015 Sammelausfuhrgenehmigungen unter anderem für Luftfahrzeuge erteilt. Quelle: Rüstungsexporte in die Golfregion, Bundestagsdrucksache vom 17.09.2015, Nummer 18/6016, von Die Linke (Jan van Aken, Wolfgang Gehrcke, Christine Buchholz u. a.) Antwort BMWI. – Gibt es jemanden, der ernsthaft behaupten könnte, die in den östlichen Mittelmeerraum und nach Arabien gelieferten Waffen würden in den dortigen Konflikten nicht eingesetzt? Zum Wohl der deutschen Rüstungsindustrie werden gesetzwidrig Exporte von Kriegswaffen in Krisen- und Konfliktgebiete erlaubt und getätigt!

An alle, die von der ständigen Angst umgetrieben werden, es könnte auch nur einem Menschen ausländischer Herkunft besser gehen als einem beliebigen deutschstämmigen: Der Sozialabbau der vergangenen Jahrzehnte, der bei uns bisher um die 20 % der ansässigen Bevölkerung in Armut gestürzt hat, wurde nicht von Schutzsuchenden erzwungen, sondern von den oberen Kasten unseres eigenen Landes durchgesetzt, die den Hals nicht voll genug kriegen –  von denen und ihrer willfährigen Regierung.

Deutschland ist nachweislich Mitverursacher der Zustände, die Menschen in die Flucht treiben und profitiert von diesen Zuständen.

Das Bürgerliche Gesetzbuch schreibt vor, dass Verursacher  für angerichtete Schäden haften. Logischerweise hat dann der Verursacher Deutschland für die materielle  Existenzsicherung der vertriebenen Menschen aufzukommen. Das gehört sich einfach so. Das hat mit „Gutmenschentum“ nichts zu tun. Es ist eine Folge des bürgerlichen Haftungsrechts. Keine der Moral. 

Flüchtende

In der gegenwärtigen Debatte der Schlauies in Politik und Verwaltung wäre schon viel gewonnen, brächte man diese dazu, wenigstens einmal einen Flüchtenden im Fernsehkrimi anzuschauen. Flüchtende haben Angst.

Sie denken nicht daran, dass man sie leichter erschießen kann, wenn sie mitten auf der gut beleuchteten Straße geradeaus laufen. Sie werden nicht angezogen von einer Hütte im Wald mit einem wärmenden Feuer und Brot im Ofen. Sie vergessen auch nicht aus purer Böswilligkeit ihre Personalpapiere. Es ist ihnen egal, ob es „Sinn“ macht zu flüchten. Sie machen einen verzweifelten Versuch, sich aus der Situation zu entfernen, die ihnen Angst macht.

Flüchtende sind etwas anderes als Migranten, Aus- oder Einwanderer. Für manche der Hiesigen ist der Unterschied anscheinend nicht fassbar. Nur wer diesen grundlegenden Unterschied endlich zur Kenntnis nimmt, kann menschengerechte Lösungen entwickeln.

Leserbrief von L. Mayer, Mistelgau

Herr Leopold Mayer, Mistelgau, mir persönlich nicht bekannt,  hat einen Leserbrief geschrieben.

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Ich habe mir gewissenhaft angeschaut, was er da so geschrieben hat, weil ich ihn nicht einfach pauschal in eine rechte Ecke stecken wollte, schließlich ist er ja 2014 bei der Kommunalwahl für die „Bürgerrechtspartei“ FDP angetreten.

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Meinen offenen Brief habe ich heute wieder entfernt, nachdem mich eine schriftliche Antwort von Herrn Mayer erreicht hat. Er fühlt sich durch die Printmedien gut informiert. Er bekräftigt, dass mit beschleunigten Asyl- und Abschiebeverfahren der Krise effektiv  begegnet werden könne.

Wachsender Anteil von „hippeligen“ Kindern

Ab und an begegnen mir Themen, bei denen ich glaube vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung als Lehrkraft und Mutter etwas sagen zu können, etwas sagen zu müssen.

Es ist sicher nicht falsch der Pharmaindustrie einen Großteil der Verantwortung dafür zuzuweisen, dass immer mehr Kinder, die den Verhaltensnormen der Schulen nicht entsprechen, nicht entsprechen können, mit Psychopharmaka unterschiedlicher Wirkungsweisen sediert werden. Diese Sichtweise ist jedoch eine enorm verengte.

Mein Beitragsbild setzt Schule, Eltern und Kinder miteinander in Beziehung. Keiner der an diesem Zusammenhang Beteiligten steht außerhalb gesellschaftlicher Wechselbeziehungen. Es gibt in diesen Wechselbeziehungen, auch wenn völlig autonome Entscheidungen Fiktion sind, Entscheidungsspielräume, Entscheidungsspielräume von Kindern, Eltern und Lehrern. Offensichtlich führt die Wahrnehmung dieser Entscheidungsspielräume gegenwärtig zur in der Überschrift genannten Erscheinung: Immer mehr Verhaltensweisen von Kindern werden von Lehrern und Eltern als störend bzw. potentiell störend empfunden. Immer häufiger ist die Antwort auf diese Störungen die Verabreichung von Medikamenten, die geeignet sind lästige Symptome dieses Verhaltens zu unterdrücken. Was aber ist, wenn es nicht  richtig ist, dass das störende Verhalten nur aus gesellschaftlichen oder materiellen Gründen überbewertet, falsch bewertet wird? Was ist, wenn die Erziehung, respektive die Gewöhnung, schon im ersten Lebensjahr diese Störung angebahnt, hervorgerufen hat? Was, wenn es tatsächlich eine Störung ist, ein Entwicklungshemmnis? Dann sollte man doch die Verursacher dieser „Krankheitsbilder“ möglichst schnell befähigen, ihr Alltagshandeln zu verändern, oder?

Zur Illustration dessen was der Biologe Adolf Portmann mit der Kennzeichnung des Menschen als „physiologischer Frühgeburt“ gemeint hat, hier ein vereinfachender Vergleich zwischen Neugeborenem und Rehkitz: Nach einer vergleichbaren Tragzeit von 41 bis 42 Wochen werden Säuglinge mit ca. 4,9 % des Gewichts der Mutter geboren. Sie können sich über lange Zeit nicht selbständig bewegen und so ihre Umwelt erfahren. Rehkitze hingegen haben nach meinen laienhaften Recherchen ca. 8 Prozent des Gewichts der Mutter. Sie stehen nach ein paar Stunden auf ihren 4 Beinen und können nach 2- 3 Tagen laufen und sogar gallopieren.

Menschen sind nach ihrer Geburt für einen langen Zeitraum auf Erwachsene angewiesen, die sie mit Nahrung versorgen und warm halten.  Die allererste Entwicklung von Wahrnehmung und Motorik  schafft  erst die grundlegenden Voraussetzungen für ein selbstständiges Überleben und die spätere Aneignung der materiellen und gesellschaftlichen Umwelt. Die dazu notwendigen Fähigkeiten müssen außerhalb des Körpers der Mutter quasi nachholend erworben werden.

Immer mehr verbreitet sich, vor allem unter bildungsorientierten Eltern, die Vorstellung, man könne in einem Alter „Intelligenzentwicklung“ vorantreiben, in dem Säuglingshirne  und -nervensysteme noch nicht einmal die  eigenen Gliedmaßen koordiniert und zielgerichtet einsetzen können. Es gibt eine wachsende Tendenz, Kleinstkinder  im ersten Lebensjahr, sogar in den ersten Monaten, Reizen auszusetzen, denen sie vermutlich noch nicht gewachsen sind, die sie vermutlich noch nicht verarbeiten können. Was macht eigentlich ein Säugling, den man in Ruhe lässt? Er oder sie schläft. Nicht nur Erwachsene brauchen ausreichend Schlaf, um ihr Nervenkostüm beisammen zu halten. Erst mit zunehmendem Alter werden die Wachphasen von Säuglingen langsam länger. Unter der Voraussetzung, man lässt sie in Ruhe und schafft keine künstliche „Abwechslung“, beginnen die Kinder in den Wachphasen mit den eigenen Gliedmaßen zu spielen. Sie erkennen den Unterschied zwischen der eigenen Hand und der eines Fremden, verschaffen sich einen Überblick über die Grenzen des eigenen Körpers und die Möglichkeiten dessen Bewegungen mit Bezug auf eine Absicht zu koordinieren. Ein Kind, dem ich in seinem Bewegungsraum einen Gegenstand überlasse, damit es sich diesen in der Wahrnehmung und körperlich aneignen kann, lernt seine Neugierde auf diesen Gegenstand zu richten, auf diesen zuzukrabbeln, ihn zu begrapschen und zum Klingeln zu bringen. Worauf soll ein Säugling seine Neugier richten, der von einer unübersehbaren Masse sich bewegender, quietschender, brummender, rasselnder Teile umgeben ist, die ihn einfach „verrückt“ machen. Weniger ist mehr!

Meine Annahme ist: Wer verfrüht Kleinstkinder mit Reizen überschüttet, produziert „hippelige“ Kinder, Kinder, die nicht gelernt haben, Reize aufzunehmen, zu verarbeiten und die Wahrnehmungen, Erfahrungen in bereits vorhandenen Strukturen einzuordnen. Kinder werden vom ersten Tag an daran gewöhnt, dass das Leben aus einer nahezu ununterbrochenen Abfolge von Sinnesreizen besteht. Sollte der „Reizstrom“ einmal unvermutet abbrechen, kann durch Schreien dafür gesorgt werden, dass der Spaß weitergeht. Sonst fehlt was. Nach meiner Erfahrung ist diese Form der Konditionierung von Eltern und Erziehenden durch die Sprößlinge gegenwärtig weit verbreitet und funktioniert! Man könnte dies als sich wechselseitig verstärkenden Prozess auffassen, als „Eskalation“. Das Ergebnis dieser Eskalation: Immer mehr Kinder, deren Verhalten auch wohlgesonnene Erwachsene kaum noch ertragen können und die deshalb medikamentös kontrolliert werden. Vielleicht müssen sie sogar wirklich so kontrolliert werden, denn man kann Erwachsenen schlecht das Recht absprechen, dass andere wechselseitig auch ihre Befindlichkeiten und Bedürfnisse berücksichtigen – auch wenn die anderen noch nicht erwachsen sind. Wann ist man das schon? Erwachsene müssen sich nicht tagtäglich 24 Stunden lang zum Affen machen, um  für Menschen zwischen 0 und 18 Jahren  zwischen 0 und 24 Uhr  ein abwechslungsreiches Leben zu garantieren.

Wieviele Kinder in den ersten Lebensjahren können das noch: eine Zeit lang in der Sonne sitzen, mit den Fingern spielen, sich wundern und freuen über die Formen die die Schatten der Finger annehmen können. Zum Ausgleich erklärt man ihnen später in deutlich höherem Alter z. B. auf http://www.labbe.de/zzzebra/index.asp?themaid=573&titelid=1550, wie interessant Figuren sein können, die man mit den Schatten der eigenen Finger erzeugen kann. Förderlicher für die mentale Entwicklung wäre die Nutzung des physisch und mental vorhandenen, richtigen, Zeitfensters, als spätere Versuche durch didaktisch-therapeutische Maßnahmen die entgangene Erfahrung auszugleichen. Heilerzieherinnen können dazu einiges sagen.

Dies betrifft nach meiner Erfahrung nicht nur die Entwicklung motorischer und mentaler Fähigkeiten, sondern auch soziale Einstellungen. Nach meiner Erfahrung wird in den seltensten Fällen aus einem Kind, das mit Egoismus pur aufgewachsen ist, ein sozial denkender und handelnder, empathiefähiger Erwachsener. In den meisten Fällen kann die in den ersten Lebensjahren durch Duldung oder Vorbild erworbene uneingeschränkte Rücksichtslosigkeit später nur durch klare Regeln und Strafe innerhalb sozial verträglicher Grenzen gehalten werden.

In dem Interview mit Beate Frenkel, das mir über die Nachdenkseiten zugänglich  wurde (  http://www.nachdenkseiten.de/?p=27016 ) ist der Satz   zu finden: “ Das Hirn entwickelt sich ja nutzungsabhängig.“ Richtig. Wer Kinderhirne darauf einstellt, dass sie ständige Reizfolgen einfach ertragen müssen, nicht darauf Reize zu verarbeiten, erzieht sie zu Lebewesen, die es nicht aushalten, 5 Minuten auf einem Stuhl zu sitzen oder zuzuhören. Letzteres verlangt nicht nur die Schule von ihnen. Auch der Genuss eines Konzerts wird ihnen so unmöglich gemacht. Es sei denn – eine dahin gehende Entwicklung will ich nicht völlig ausschließen – sie lernten 5-Sekunden-Squenzen im Kopf zu sammeln und anschließend als Konzert im inneren Ohr aneinanderhängend abzuspielen. Aber wer braucht schon Konzerte?

Für wahrscheinlicher halte ich es, dass sie folgendes lernen: Aufmerksamkeitsspannen von mehr als 90 Sekunden stellen eine gehörige Beanspruchung dar und  sind  unerträglich langweilig. Dem sich daraus entwickelnden Missempfinden kann man durch störendes Verhalten bis hin zur Aggression entgegenwirken. Mit Maulen, Trampeln, Quengeln, Schreien, Schlagen kann eine  unablässig andauernde Reizfolge herbeigeführt,  erzwungen werden. Dann stimmt die eigene Welt wieder.

Neurologen und Psychologen mögen sich um Testanordnungen bemühen, die es ermöglichen meine Vermutung zu verifizieren. Vielleicht gibt es schon wissenschaftliche Belege dafür, dass ich mit meinen Alltagsbeobachtungen nicht ganz falsch liege. Dann sollte man sie aber möglichst schnell unter die Leute bringen, vor allem unter die Prenzlberg-Mütter, die meinen, es sei ein Zeichen von Zuwendung, von mütterlicher Wärme, wenn man sein Kind keine 5 Minuten in Ruhe lassen kann. Ich halte das ständige Bespaßen von Kleinstkindern nicht für ein Zeichen von Zuneigung, sondern für eine grobe Missachtung von deren Bedürfnissen. Könnten die Damen und Herren der genannten Zünfte einmal Licht ins Dunkel bringen?

Meine Vermutung: Die „Bespaßten“ werden später die „Dummen“ sein, die in Ruhe gelassenen  die Wahrnehmungs- und die Lernfähigen. Nachträgliche Korrekturen möglich?