Recht auf …

Schockiert hat mich vor ein paar Tagen die Äußerung einer Frau am Rande einer Zusammenkunft über das Verhältnis zwischen Linken und Naturwissenschaften. Sinngemäß: „Jeder Mensch muss das Recht haben, seine/ihre Vorstellung vom eigenen Körper mit medizinischen Mitteln in die Wirklichkeit umzusetzen, seinen/ihren Körper mit Hilfe entwickelter Medizin selbst zu gestalten.“ Es fand sich keine Möglichkeit, die Implikationen eines solchen Ansatzes zu klären, geschweige denn zu überprüfen, ob dieser Ansatz unter den gegenwärtig gegebenen, herrschenden Verhältnissen als „links“ eingeordnet werden kann.

Während in vielen Ländern Frauen nicht einmal einen Zugang zu hormoneller Verhütung haben, Abtreibungen nach wie vor verboten sind und deshalb oft unter schlimmen Voraussetzungen  vorgenommen werden – kurz: die mit der Gebärfähigkeit verbundene Gefährdung der Gesundheit von Frauen noch lange nicht  beseitigt ist – reklamiert eine Frau aus einer der wohlhabendsten Weltgegenden das Recht,   kosmetische Operationen vornehmen zu lassen,  die Zeit der Fruchtbarkeit mit Hilfe der Reproduktionsmedizin in ein höheres Lebensalter zu verschieben, individuell zu entscheiden, welche Qualität das erwünschte neue Leben haben solle. Von all diesen Möglichkeiten moderner Medizin war in Zusammenhang mit der eingangs angesprochenen Forderung die Rede.

Ist es eine freie Entscheidung, wenn Frauen, die ihr Geld mit Schauspielerei verdienen wollen, die Größe ihrer Brüste den Rollennachfragen anpassen?

Wer bestimmt wirklich, wenn Frauen, denen man eine gesellschaftliche Kinderbetreuung in der Zeit ihrer Erwerbstätigkeit vorenthält, eine Schwangerschaft aufs Rentenalter verschieben?

Welche Folgen könnte es für den Genpool der Menschheit haben, entschieden sich Massen von Frauen dafür, nicht zufällig Nachwuchs zu bekommen, sondern mit Hilfe von In-Vitro-Fertilisation und pränataler Diagnostik langbeinige, 180 cm großen Wesen mit leicht pigmentierter Haut und blauen Augen  als „Schönste“  zu züchten?

Nehmen die Chancen für das Überleben neuer Menschen im globalen Süden dadurch zu, dass manche vorhandenen Menschen des globalen Nordens für sich das Recht beanspruchen, sich und ihre Nachkommen dem dort gängigen Schönheitsideal anzupassen?

Was ist gewonnen, wenn man Arm und Reich nicht mehr mit Hilfe der Kleidung unterscheidet, sondern am Körperdesign?

Wäre mit der Abnahme von Diskriminierung Benachteiligter zu rechnen, wenn die Fähigkeit zunimmt Normmenschen zu erzeugen?

Ein Recht auf Gestaltung des eigenen Körpers und des Körpers der Nachkommen könnte leicht umschlagen in eine erzwungene genetische Optimierung. Sollen wir das wirklich wollen?

Absoluten Vorrang hat  in näherer und fernerer Zukunft für mich die Versorgung aller bereits Lebenden mit Wasser, Nahrung, Kleidung, Obdach, Wärme, Staroperationen, Brillen, Hörgeräten und sie vor Erkrankungen und Verletzungen zu schützen. Sobald alle genug zum guten Leben haben, werden vielleicht unsere Nachkommen darüber nachdenken, ob die medizintechnisch unterstützte Gestaltung des eigenen Körpers ein Menschenrecht ist. Bis dahin möchte ich mich darauf konzentrieren, Hell- und Dunkelhäutige, Dicke und Dünne, Große und Kleine, Schlaue und Dumme mit Nahrung zu versorgen.

Ausnahmsweise wende ich mich mit meinen Fragen vor allem an Frauen.  Bitte, nutzt die Kommentarfunktion.

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