Drohende Schließung der Frühförderstelle Bayreuth

Erinnert man sich, welch breite Leserbriefdebatte das Thema „ Pavillonschule“ auslöste, wird einem klar: Kinder, denen der Start ins Leben durch geistige oder körperliche Unzulänglichkeiten erschwert wird, haben keine Lobby. Fast gewinnt man den Eindruck, dass entgegen aller wissenschaftlichen Erkenntnisse die vor langer Zeit übliche Kategorie „nicht bildbar“ immer noch nicht überwunden ist. Vor allem noch nicht überwunden ist unter den Politikern, die dafür zu sorgen haben, dass wirklich allen Kindern ein optimaler Start ermöglicht wird. Wie wichtig und erfolgreich Förderung ist, wenn sie rechtzeitig einsetzt, zeigt der Artikel auf.
Wenn Entwicklungsrückstände erst bei der Einschulung wahrgenommen werden, ist es leider oft schon sehr spät, wenn nicht sogar zu spät. Das kann ich aus meiner früheren Erfahrung als Lehrkraft im ersten Schuljahr sagen. Deshalb ist es wichtig zu erkennen, dass Bildung nicht erst mit der Schulpflicht beginnt. Jedes Kind hat von Geburt an einen Anspruch darauf, dass seine Fähigkeiten gefördert, entwickelt werden. In einem reichen Land wie dem unsrigen darf dabei Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielen. Wirtschaftlichkeit wird aber zum bestimmenden Faktor, wenn der Bezirk die Kosten für die Bereitstellung von Personal nicht übernimmt, sondern nur tatsächlich geleistete Fördereinheiten.
Auf dieser Grundlage können Einrichtungen wie die Frühförderstelle nicht betrieben werden, Einrichtungen, die Eltern beraten und begleiten können und umfassende therapeutische Maßnahmen anbieten. Es ist schlimm genug, dass frühkindliche Förderung nur eingeschränkt als staatliche Aufgabe angesehen wird und dadurch Kinder ihrer Entwicklungsmöglichkeiten beraubt werden. Umso mehr ist der Bezirk gefordert, das große Engagement eines freien Trägers, seiner Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen finanziell so abzusichern, dass einem möglichst großen Teil der benachteiligten Kinder optimale Förderung zuteil wird.
Buchhalterische Erbsenzählerei wie das Fahnden nach tatsächlich nicht erbrachten Fördereinheiten und eine nachfolgende Kürzung von Mitteln darf nicht sein. Nach der im Artikel zitierten Aussage von Christian Porsch, dem Pressesprecher des Bezirks, wurde diese Festlegung in einer Landesentgeltkommission ausgehandelt. Wenn die Fortsetzung der guten Arbeit einer Fördereinrichtung durch eine solche realitätsferne Vereinbarung in Frage gestellt wird, dann muss diese geändert werden. Mit sofortiger Wirksamkeit muss abweichend von einer solchen Regelung gehandelt werden. Im Interesse der Kinder muss das Angebot finanziert werden, nicht erst die Inanspruchnahme. Nicht alle Eltern sind in der Lage jederzeit dafür zu sorgen, dass ihre Kinder angebotene Termine tatsächlich wahrnehmen können. Dass darunter letztendlich die betroffenen Kinder leiden müssen, ist nicht akzeptabel.
Das Menschenrecht auf Bildung beginnt nicht mit der Einschulung, sondern mit dem ersten Atemzug. Der Bezirk muss im Interesse der Kinder dem Rechnung tragen und die Frühförderstelle in vollem Umfang finanziell zuverlässig dauerhaft absichern.

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